Käte Baer-Freyer

Käte Baer-Freyer (hebräisch קטה בער-פרייער; * 21. Mai 1895 in Stettin (heute Szczecin) als Käthe Elisabeth Freyer; † 29. Juli 1988 im Kibbuz Kabri, Israel) war eine jüdische in Preußen geborene israelische Kunsthandwerkerin, Theaterpuppenmacherin und Puppenspielerin.

Werdegang

Käte Freyer wurde in Stettin in der Provinz Pommern geboren. Ihre Eltern waren der Geheime Medizinalrat Moritz Freyer (1849–1916) und seine Ehefrau Therese, geb. Russack (1858–1929).[1] Sie wuchs mit drei älteren Geschwistern auf – darunter der Kunsthistoriker und Antiquar Kurt Freyer – und absolvierte eine Ausbildung an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar.[2] Im August 1915 heiratete sie in Stettin den Berliner Rechtsanwalt Albert Baer (1888–1975).[3] Das Paar wohnte in der Albrecht-Achilles-Straße 58 in Berlin-Halensee.[4]

Käte Baer-Freyer schuf zarte „Marionetten, angelehnt an das traditionelle indonesische Schattenspiel (Wayang).“[5] Die handgesägten, beweglichen Holzfiguren bemalte sie abschließend. Sie wurde mit biblischen Puppenspielen bekannt, die sie mit den selbstgebauten Figuren zu Geschichten aufführte, die ihr Mann in Reimform verfasst hatte.[3][6] Die Holzpuppen zu den Spielen bot sie auch zum Verkauf an.[4][7]

Käte Baer-Freyer fertigte auch die Illustrationen für das Buch Biblische Puppenspiele mit den Erzählungen Joseph und seine Brüder, David und Goliath, Salomo und die Königin von Saba. Es erschien begleitend zu den Puppenspiel-Aufführungen 1924 in einer Auflage von 2000 Stück. Es handelte sich um das erste im Verlag Aufbau herausgegebene Buch des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael). Zwanzig Exemplare kolorierte und signierte Käte Baer-Freyer selbst.[4] Unter den künstlerischen Illustrationen und Bilderbüchern dieser Zeit stachen einige Bücher heraus, die stilistisch von der Moderne beeinflusst waren, darunter auch das von Käte Baer-Freyer.[8]

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wanderte Käte Baer-Freyer 1933 zusammen mit ihrem Mann ins britische Völkerbundsmandat für Palästina aus. Sie lebten im Kibbuz Kabri[2] am östlichen Ende der Küstenebene von Westgaliläa mit der nächstgelegene Stadt Naharija etwas weiter westlich. Auch in Palästina führte Käte Baer-Freyer mit den aus Deutschland mitgebrachten Puppen ihre Theaterstücke auf, die ins Hebräische übersetzt wurden.[3][5] Sie starb 1988 im Kibbuz Kabri.

Werke im Museum

Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Käte Baer-Freyer vertreten war.[9] Einige ihrer Spielfiguren befinden sich in den Sammlungsbeständen des Museums.[10]

Veröffentlichungen

  • Albert Baer (Reime), Käte Baer-Freyer (Illustrationen): Biblische Puppenspiele. Keren Kajemeth Lejisrael Jüdischer Nationalfonds (Hrsg.), Verlag Aufbau, Berlin 1924

Literatur

Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 166–167, 180–181

Einzelnachweise

  1. Standesamt Stettin III Nemitz, Heiratsregister-Eintrag Nr. 258 vom 16. August 1915; eingesehen auf ancestry.de am 7. Dezember 2025.
  2. a b Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 166–167.
  3. a b c Baer-Freyer, Käte. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  4. a b c Albert Baer: Biblische Puppenspiele. Figurinen von Käte Baer-Freyer, Berlin 1924. In: skd-online der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  5. a b Martin Conrads: Eleganz und Spiel. In: Die Tageszeitung vom 24. Juli 2025. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  6. Karlen Vesper: »Sei nicht traurig, du bist tapfer«. In: nd vom 31. Juli 2025. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  7. Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 180–181.
  8. Annegret Völpel, Zohar Shavit: Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur. Ein literaturgeschichtlicher Grundriß. ISBN 978-3-4760-5253-7, J.B. Metzler 2017, S. 336–337
  9. Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  10. Puppenspiel. Ungewöhnliche Objekte unserer Dauerausstellung erzählen Geschichten jüdischen Lebens. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 5. Dezember 2025.