Justus Ludwig Jacobi
Justus Ludwig Jacobi (auch: Jakobi, * 12. August 1815 in Burg (bei Magdeburg); † 31. Mai 1888 in Halle (Saale)) war ein deutscher Kirchenhistoriker und evangelischer Theologe. Er lehrte als Professor in Berlin, Königsberg und Halle.
Leben
Justus Ludwig Jacobi war der Sohn eines Landwirts und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit Hilfe finanzieller Unterstützung von Verwandten konnte er dennoch das Joachimsthaler Gymnasium in Berlin besuchen. Danach studierte er Theologie, Geschichte und Philosophie,[1] zunächst 1834 in Halle und ab dem Folgejahr an der Berliner Universität. Dort war er ein Schüler von August Neander, der ihn sowohl wissenschaftlich prägte (so übernahm Jacobi später dessen romantische und erbauungsgeschichtliche Interpretation), als auch in seinen persönlichen Gelehrtenkreis einführte. Auf diese Weise kam Jacobi unter anderem in Kontakt mit Hans Ernst von Kottwitz, dessen Fürsorgeprogramm ihn nachhaltig beeinflusste.[2] 1842 wurde Jacobi in Berlin zum Lic. theol. promoviert und habilitierte sich kurz darauf für das Fach historische Theologie.[1]
1842 veröffentlichte Jacobi mit Die Lehre des Pelagius seine erste Schrift, deren biografische und anti-rationalistische Methodik auch für seine folgenden Werke charakteristisch war.[2] Ab 1847 lehrte er als außerordentlicher Professor in Berlin. 1850 erschien der erste Teil seines Hauptwerks Lehrbuch der Kirchengeschichte. Es sollte jedoch der einzige bleiben, da Jacobi sich anschließend stattdessen um den Nachlass seines mittlerweile verstorbenen Lehrers Neander kümmerte. 1851 veröffentlichte er August Neanders wissenschaftliche Abhandlungen und 1857 brachte er dessen zweibändige Dogmengeschichte mit von ihm selbst ergänzten Fußnoten heraus. 1851 wurde Jacobi ordentlicher Professor an der theologischen Fakultät in Königsberg. 1855 folgte er einem Ruf nach Halle (Saale). Dort profilierte er sich als ein Vertreter der Vermittlungstheologie und des Unionsgedankens sowie ausweislich seiner Schriften als Gegner der Apostolischen Kirche und des politischen Katholizismus. 1861/62 war er Rektor der Universität Halle und nach Ludwig Pernices Tod 1861 vertretungsweise Kurator.[1]
1880 wurde Jacobi zum Konsistorialrat ernannt. Er wurde mit dem Roten Adlerorden 3. Klasse und dem Kommandeurskreuz 2. Klasse des Hausordens Albrecht des Bären ausgezeichnet.[1]
1888 starb Jacobi an einer Blasenerkrankung[3] im Diakonissenhaus in Halle, das er 1856 zusammen mit Mathilde Tholuck gegründet hatte.[2]
Justus Ludwig Jacobi war mit einer Tochter des Pastors Hertzberg verheiratet.[2] Sein Sohn Justus (Julius August) Jacobi (1850–1937) war Pfarrer und Superintendent in Berlin, Domprediger in Magdeburg und Generalsuperintendent des Südwestsprengels der Kirchenprovinz Sachsen.[4] Dessen Sohn Gerhard Jacobi war Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.[5]
Werke (Auswahl)
- Die Lehre des Pelagius. Ein Beitrag zur Dogmengeschichte. 1842.
- Die kirchliche Lehre von der Tradition und Heiligen Schrift in ihrer Entwickelung. Lüderitz, Berlin 1847.
- Lehrbuch der Kirchengeschichte. 1850, Teil 1.
- Die Lehre der Irvingiten. Wiegandt & Grieben, Berlin 1853, 2. Aufl. 1868.
- Die Jesuiten. Pfeffer, Halle 1862.
- Erinnerungen an D. August Neander. Strien, Halle 1882.
- Erinnerungen an den Baron Ernst von Kottwitz. Strien, Halle 1882.
Literatur
- J. Jacobi: D. Justus Ludwig Jacobi und die Vermittlungstheologie seiner Zeit. Schloeßmann, Gotha 1889
- Jacobi: Jacobi, Justus Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 602–606.
- Rainer Witt: JACOBI, Justus Ludwig. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1402–1404.
Weblinks
- Eintrag zu Justus Ludwig Jacobi im Catalogus Professorum Halensis
- Literatur von und über Justus Ludwig Jacobi im Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Eintrag zu Justus Ludwig Jacobi im Catalogus Professorum Halensis
- ↑ a b c d Rainer Witt: JACOBI, Justus Ludwig. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1402–1404.
- ↑ Jacobi: Jacobi, Justus Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 602–606.
- ↑ Jacobi, Julius August Justus. In: Magdeburger Biographisches Lexikon. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Gerhard Jacobi im Munzinger-Archiv, abgerufen am 21. September 2025 (Artikelanfang frei abrufbar)