Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Gründung 1810[1][2]
Ort Bebelplatz 2, 10117 Berlin
Bundesland Berlin Berlin
Land Deutschland Deutschland
Dekan Philipp Dann
Studierende 2.542 (WS 2024/25)[3]
Website HU Berlin REWI

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ist im Jahr 1810 zeitgleich mit der Gründung der Humboldt-Universität zu Berlin errichtet worden.[4][5] Sie hat ihren Sitz in der ehemaligen Königlichen Bibliothek (Alte Bibliothek, umgangssprachlich; Kommode)[5][6] und befindet sich auf dem zentral gelegenen „Campus Mitte“ im Herzen Berlins.[4]

Sie belegt im „QS World University Rankings by Subject 2025: Law & Legal Studies“ den 1. Platz in Deutschland und den 41. Platz international[7] sowie im „Times Higher Education World University Ranking by Subject 2025: Law“ den 2. Platz in Deutschland und den 28. Platz international[8] und gehört somit zu den renommiertesten juristischen Fakultäten bundesweit[9][10] und weltweit[7][8][9][11].

An der Humboldt-Universität zu Berlin ist der Erwerb des Bachelor of Laws (LL.B.) möglich.[4][12][13]

Gelehrt haben an der Fakultät etwa Friedrich Carl von Savigny[14], der Begründer der Historischen Rechtsschule und Franz von Liszt[14], ein Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus und im Reichstag. Gelernt haben an der Fakultät etwa Otto von Bismarck[5], der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches und Robert Schuman[5], einer der Gründerväter der Europäischen Union.

Studienverlauf

Was das Jura-Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin betrifft, stimmt es grundsätzlich mit dem allgemeinen Jura-Studium in Deutschland überein. (siehe auch „Juristenausbildung in Deutschland“)

Im Wintersemester 2024/25 brauchten Bewerber an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin einen Abiturdurchschnitt von 1,7, um dort das Jura-Studium zu beginnen.[5][15]

Das Jura-Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin besteht aus einem Grundstudium (1. und 2. Semester), Hauptstudium (3. und 4. Semester), Schwerpunktstudium (5. und 6. Semester) sowie Vertiefungsstudium (7. und 8. Semester) und darauf folgt die staatliche Pflichtfachprüfung (9. Semester).[13][16]

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin verleiht ihren Studierenden, die alle Zulassungsvoraussetzungen zur staatlichen Pflichtfachprüfung erfüllen und einen anderen Berufswunsch haben oder die staatliche Pflichtfachprüfung endgültig nicht bestanden haben, einen integrierten Bachelorabschluss (LL.B.) auf Antrag.[12]

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin bietet folgende Schwerpunktmodule an:[4][5][13][17][18]

  • Schwerpunkt 1 - Zeitgeschichte und Theorie des Rechts
  • Schwerpunkt 2 - Rechtssetzung und Rechtspolitik
  • Schwerpunkt 3 - Vertragsrecht: Theorie, Praxis und grenzüberschreitende Dimensionen
  • Schwerpunkt 4 – Europäisierung und Internationalisierung des Privat- und Wirtschaftsrechts
  • Unterschwerpunkt 4a – Immaterialgüterrecht
  • Unterschwerpunkt 4b – Recht und digitale Transformation
  • Unterschwerpunkt 4c – Unternehmens- und Gesellschaftsrecht
  • Schwerpunkt 5 – Staat und Verwaltung im Wandel
  • Schwerpunkt 6 – Völkerrecht und Europarecht
  • Schwerpunkt 7 – Deutsche und internationale Strafrechtspflege
  • Schwerpunkt 8 – Ausländisches Recht / Angebote an ausländischen Partneruniversitäten (in Dublin, in Genf, in London, in Paris, im Rahmen der European Law School)

Universitätsgelände

Die Juristische Fakultät gehört zum zentral gelegenen „Campus Mitte“ im Herzen Berlins.[4] Seit dem Jahr 1910 hat sie ihren Sitz in der ehemaligen Königlichen Bibliothek (Alte Bibliothek, umgangssprachlich: Kommode), die die Humboldt-Universität zu Berlin als Hörsaalgebäude übernommen hat.[5][6]
Das Gebäude befindet sich gegenüber dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin, getrennt durch die Prachtstraße Unter den Linden. Gemeinsam mit dem 5-Sterne-Hotel Hotel de Rome Berlin, der St.-Hedwigs-Kathedrale und der Staatsoper Unter den Linden prägt es das historische Erscheinungsbild des Bebelplatzes.[6]

Geschichte

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin zählt seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Zentren der deutschen und europäischen Rechtswissenschaft.

Im frühen 19. Jahrhundert gewann die Fakultät insbesondere durch ihre Forschung, die an Rechtsgeschichte, römischem und deutschem Recht orientiert war, an internationaler Bedeutung. Rechtsgelehrte wie Friedrich Carl von Savigny, Georg Friedrich Puchta, Otto von Gierke, Heinrich Brunner und Ulrich Stutz prägten die Interpretation und die wissenschaftliche Behandlung des römischen Rechts und entwickelten somit die Rechtsgeschichte und das deutsche Recht nachhaltig, sodass sich die Fakultät zu einem internationalen Mittelpunkt der Historischen Rechtsschule entwickelte[19].

Im Übergang vom späten 19. zum frühen 20. Jahrhundert zeigte sich die Fakultät zugleich flexibel gegenüber neuen Rechtsgebieten, vor allem Arbeits-, Sozial- und Wirtschaftsrecht. Bedeutende Impulse gingen dabei primär von einzelnen Professoren aus und nicht von der Institution selbst. So wirkten Franz von Liszt, Wilhelm Kahl und James Goldschmidt maßgeblich an Reformen des Strafrechts und Strafprozessrechts mit, führten Martin Wolff, Ernst Rabel und Ernst Heymann das Zivilrecht, das internationale Privatrecht und die Rechtsvergleichung auf ein international anerkanntes Niveau und prägten im öffentlichen Recht und Staatsrecht Gerhard Anschütz, Rudolf Smend, Heinrich Triepel und Viktor Bruns die wissenschaftlichen und politischen Debatten der Weimarer Zeit (1918-1933)[19].

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnete sich die Fakultät durch ihre Staatsnähe aus, also durch ihre enge Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und staatlicher Praxis wie Gesetzgebung, Verwaltung sowie Rechtsprechung. Da die Berufung an Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (heute: Humboldt-Universität zu Berlin) als Krönung einer akademischen Laufbahn galt, zog die Fakultät bedeutende Professoren und folglich bedeutende Studierende an (siehe auch unter „Persönlichkeiten“). Die Präsenz hochqualifizierter Professoren und Studenten und damit die hohe wissenschaftliche Qualität sowie die intensive Politikberatung auf nahezu allen Rechtsgebieten verliehen der Fakultät eine herausragende Stellung innerhalb und außerhalb Deutschlands[19].

Zugleich war die Fakultät im 20. Jahrhundert staatlich und ideologisch verstrickt mit dem Nationalsozialismus (1933-1945) und später der sozialistischen Diktatur der DDR (1949-1990). Dies zeigte sich unter anderem in der personellen und institutionellen Anpassung an die jeweiligen politischen Systeme. Dazu zählt die Verdrängung und Emigration von insbesondere jüdischen Wissenschaftlern wie James Goldschmidt, Fritz Schulz und Martin Wolff während der NS-Zeit. Zudem wirkten einzelne Professor wie Carl Schmitt und Justus Wilhelm Hedemann an staatlichen Reform- und Gesetzgebungsprojekten mit. Die Geschichte der Fakultät spiegelt mit der damaligen Staatsnähe und dem demokratischen Neustart nach 1990 die allgemeine Rechtsgeschichte der letzten zweihundert Jahre wider und macht sie infolgedessen zu einem wichtigen Beispiel für die Entwicklung der deutschen Rechtswissenschaft[19].

Persönlichkeiten

Zu den mit der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin verbundenen bedeutenden Persönlichkeiten gehören:

Persönlichkeiten der Fakultät
Name Tätigkeit Verbindung zur Fakultät
Albert Friedrich Berner deutscher Strafrechtswissenschaftler
Student / Professor
Antonio Knauth deutsch-amerikanischer Rechtsanwalt
Student
Arthur Nussbaum in Deutschland geborener US-amerikanischer Jurist
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Professor
August Wilhelm Heffter deutscher Rechtswissenschaftler
Professor
Bernhard Schlink deutscher Rechtswissenschaftler / Hochschullehrer / international bekannter Schriftsteller
Professor
Carl Schmitt deutscher Staats- und Völkerrechtler / politischer Philosoph
Student / Professor
Christian Kirchner deutscher Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler
Professor
Christian Tomuschat deutscher Staats-, Völker und Europarechtler / Mitglied des UN-Menschenrechtsausschusses und der UN-Völkerrechtskommission
Professor
Christoph Paulus deutscher Rechtswissenschaftler / Berater des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank
Professor / Dekan
Dieter Grimm deutscher Rechtswissenschaftler / Bundesverfassungsrichter
Professor
Dietrich von Ploetz deutscher Jurist und Kommunalpolitiker
Student
Edgar Bauer deutscher politisch-philosophischer Schriftsteller und Aktivist
Student
Eduard Kohlrausch deutscher Strafrechtswissenschftler / Vorsitzender der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung (IKV) / Mitglied der Strafrechtskommission des Reichsjustizministeriums
Professor
Ernst Heymann deutscher Rechtswissenschaftler / Geheimer Justizrat
Professor
Ernst Rabel österreichischer Rechtsgelehrter / Begründer der modernen Rechtsvergleichung
Professor
Franz von Liszt deutscher Rechtswissenschaftler / Politiker
Professor
Friedrich Carl von Savigny deutscher Rechtswissenschaftler / Begründer der Historischen Rechtsschule
Professor
Friedrich Julius Stahl deutscher Rechtsphilosoph / preußischer Kronsyndikus / Politiker
Professor
Fritz Schulz deutscher Jurist / Rechtshistoriker
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Professor
Georg Friedrich Puchta deutscher Jurist / Mitbegründer der Pandektenwissenschaft
Professor
Georg Jung deutscher Jurist / nationalliberaler preußischer Politiker
Student
Georg Nolte deutscher Rechtswissenschaftler / Hochschullehrer / Richter am Internationalen Gerichtshof
Professor
Gerhard Anschütz deutscher Staastrechtler / führender Kommentator der Weimarer Verfassung / Geheimer Justizrat
Student / Professor
Gerhard Werle deutscher Rechtswissenschaftler / Direktor des African-German Research Network for Transnational Criminal Justice
Professor
Gregor Gysi deutscher Politiker
Student
Hans Mayer deutscher Literaturwissenschaftler / Kritiker
Professor
Hans Peters deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler / Politiker
Professor
Heinrich Brunner österreichischer Rechtshistoriker
Professor
Heinrich Cordes deutscher Jurist / Dolmetscher / Konsul
Student
Heinrich Heine deutscher Dichter / Journalist
Student
Heinrich Triepel deutscher Staats- und Völkerrechtler / Begründer der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer
Professor
Hermann Wasserschleben deutscher Rechtshistoriker
Student
Hugo Preuß deutscher Staatsrechtler / Politiker / Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei (DPP) / Vater der Weimarer Verfassung
Student
James Goldschmidt deutscher Rechtswissenschaftler
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Student / Professor
Josef Kohler deutscher Rechtswissenschaftler
Professor
Julius Magnus deutscher Jurist / Justizrat
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Professor
Justus Wilhelm Hedemann deutscher Jurist
Professor
Karl Friedrich von Savigny preußischer Diplomat / katholischer Politiker
Student
Karl Georg Bruns deutscher Rechtswissenschaftler / Mitbegründer der Zeitschrift für Rechtsgeschichte
Professor
Kurt Tucholsky deutscher Journalist / Schriftsteller
Student
Levin Goldschmidt deutscher Jurist / Handelsrechtler
Professor
Martin Eifert deutscher Rechtswissenschaftler / Bundesverfassungsrichter
Professor
Martin Wolff deutscher Jurist / Hochschullehrer
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Student / Professor
Max Alsberg deutscher Jurist / Schirftsteller
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Professor
Max Rheinstein deutsch-amerikanischer Jurist
(verdrängt aufgrund seiner jüdischen Abstammung)
Professor
Otto von Bismarck 1. Reichskanzler des Deutschen Reichs
Student
Otto von Gierke deutscher Rechtswissenschaftler / Rechtshistoriker
Student / Professor
Rainer Schröder deutscher Rechtswissenschaftler
Professor
Robert Schuman deutsch-französischer Politiker / Gründervater der EU
Student
Rudolf Smend deutscher Staatsrechtler / Kirchenrechtler
Professor
Rudolf von Gneist preußischer Jurist / Politiker
Student / Professor
Susanne Baer deutsche Rechtswissenschaftlerin / Bundesverfassungsrichterin
Professorin
Ulrich Stutz schweizerisch-deutscher Rechtshistoriker / Kirchenrechtler
Professor
Viktor Bruns deutscher Staats- und Völkerrechtler
Professor
Wichard von Bredow deutscher Verwaltungsbeamter / Kommunalpolitiker
Student
Wilhelm Kahl deutscher Rechtswissenschaftler / Politiker
Professor

Siehe auch

Literatur

  • 200 Jahre Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. De Gruyter 2010, ISBN 9783899496291.

Einzelnachweise

  1. Jura Studium Berlin: Die besten Studiengänge in der Hauptstadt, superprof.de
  2. Jura studieren an der Humboldt-Universität Berlin, IQB Career Services
  3. Jura-Studium an der HU Berlin, LTO.de
  4. a b c d e Jura Studium Berlin: Die besten Studiengänge in der Hauptstadt, superprof.de
  5. a b c d e f g Jura studieren an der Humboldt-Universität Berlin, IQB Career Services
  6. a b c Alte Bibliothek - Berlin.de, Berlin.de
  7. a b QS World University Rankings by Subject 2025: Law & Legal Studies, Top Universities
  8. a b World University Rankings by Subject 2025: Law, Times Higher Education
  9. a b THE-Ranking: LMU München und HU Berlin Spitzen-Unis im Fach Jura, Beck.de
  10. Jura-Studium in Berlin: Absolventen der Humboldt-Uni haben die besten Noten im Examen, Tagesspiegel
  11. Jura studieren in Berlin | Zehn gute Gründe, Talent Rocket
  12. a b Juristische Fakultät - Humboldt-Universität zu Berlin, HU Berlin REWI
  13. a b c Jura-Studium an der HU Berlin, LTO.de
  14. a b Faculty of Law, Humboldt University, Educations.com
  15. NC Jura alle Unis 2025 – Alle Jura NCs in Deutschland, IQB Career Services
  16. Studienverlauf - Juristische Fakultät, HU Berlin REWI.
  17. Schwerpunktstudium, Humboldt-Universität zu Berlin Juristische Fakultät
  18. Jura studieren an der Universität Berlin (Humboldt), Jurastudent
  19. a b c d 200 Jahre Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, De Gruyter