Jurij Młynk
Jurij Młynk (deutsch Georg Möller; * 13. April 1927 in Schönau bei Ralbitz; † 16. Juni 1971 in Dresden) war ein sorbischer Dichter, Theater- und Literaturhistoriker und Übersetzer. Das von ihm verwendete Pseudonym Delan ist angelehnt an die sorbische Bezeichnung seiner Heimatlandschaft Delany.
Der Sohn eines Steinbrucharbeiters und Häuslers besuchte von 1933 bis 1941 die Volksschule im benachbarten Cunnewitz und anschließend bis 1943 die Gewerbeschule in Kamenz. Er war dann kurzzeitig kaufmännischer Angestellter, bis er 1944 als Soldat für den Zweiten Weltkrieg gezogen wurde. Nach Kriegsende wurde er im Herbst 1945 Neulehrer. Er erhielt 1946 einen zweimonatigen Kurs am Sorbischen Institut für Lehrerbildung in Radibor und war bis 1948 Lehrer und Direktor der Ralbitzer Schule. Nach einem Studienvorkurs mit Abitur an der Universität Breslau in den Jahren 1948/1949 studierte er dort bis 1950 Germanistik. Sein Studium setzte er dann bis 1953 an der Universität Leipzig fort, wo er auch Sorabistik studierte. Ab 1953 war Młynk wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen und promovierte dort 1960. Von 1970 bis zu seinem Tod war er Leiter der literaturgeschichtlichen Abteilung des Instituts.[1]
Jurij Młynk war Vorsitzender des Arbeitskreises sorbischer Schriftsteller (1960 bis 1967) und Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband. Er erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung der sorbischen Literatur und erhielt 1969 im Kollektiv den Kunstpreis der Domowina.[1]
Er war seit 1957 mit der Schriftstellerin Marja Młynkowa verheiratet, der Ehe entstammt die 1959 geborene Schriftstellerin Měrka Mětowa. Sechs Wochen nach dem Tod seiner Frau starb Jurij Młynk im Alter von 44 Jahren in Dresden. Das Ehepaar wurde auf dem Bautzner Nikolaifriedhof beigesetzt.
In seinem Geburtsort Schönau (Gemeinde Ralbitz-Rosenthal) ist die Dr.-Georg-Möller-Straße nach ihm benannt, sorbisch Dr. Jurja Młynkowa. Die Sorbische Kindertagesstätte in Ralbitz trug ebenfalls lange Zeit den Namen „Dr. Jurij Młynk“.
Werke (Auswahl)
- Do swětła. („Ins Licht“). Lyrik. 1955
- Skicy k stawiznam serbskeje literatury. („Skizzen zur Geschichte der sorbischen Literatur“). Volk und Wissen, Berlin 1956
- Štož lubuju: Basnje jednoho lětdźesatka. („Was ich liebe: Gedichte eines Jahrzehnts“). Domowina-Verlag, Bautzen 1959
- 400 lět serbskeho pismowstwa: Přewodnik we wobrazach. („400 Jahre sorbisches Schrifttum“). Domowina-Verlag, Bautzen 1960
- Jakub Lorenc-Zalěski: Přinošk k stawiznam serbskeje literatury w dobje imperializma. („Jakub Lorenc-Zalěski: Beitrag zur Geschichte der sorbischen Literatur in der Epoche des Imperialismus“). Domowina-Verlag, Bautzen 1962
- 100 lět serbskeho dźiwadła: 1862–1962. („100 Jahre sorbisches Theater: 1862–1962“). Haus für sorbische Volkskunst, Bautzen 1962
- fortgeschrieben durch Dietrich Scholze: Stawizny serbskeho dźiwadła 1862–2002. Domowina-Verlag, Bautzen 2003, ISBN 3-7420-1910-4.
- Tři lěta w Ruskej. („Drei Jahre in Russland“). Sammlung sorbischer Prosa, Domowina-Verlag, Bautzen 1966
- Hronow a druhe powědančka. („Sprüche und andere Erzählungen“). Sammlung sorbischer Prosa, Domowina-Verlag, Bautzen 1967
- Za Budyšinom na roli. („Hinter Bautzen auf dem Acker“). Sammlung sorbischer Prosa, Domowina-Verlag, Bautzen 1968
- Ze zašłosće do přichoda. Prěnja antologija serbskich ludowych awtorow. („Aus Vergangenheit in die Zukunft. Erste Anthologie sorbischer Volksautoren“). Haus für sorbische Volkskunst, Bautzen 1968
Weblinks
- Literatur von und über Jurij Młynk im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Jurij Młynk in der Sorbischen Bibliographie
- Autorenseite von Jurij Młynk beim Domowina-Verlag
Einzelnachweise
- ↑ a b Młynk, Jurij (1927–1971). Serbski institut / Sorbisches Institut, abgerufen am 31. Oktober 2025 (obersorbisch).