Julius Robert Hannig
Julius Robert Hannig (* 7.[1] oder 8. Juli[2] 1866 in Liegnitz, Niederschlesien; † 1931 in Tabarz) war ein deutscher Bildhauer.
Leben
Hannig nahm gegen den Willen seines Vaters das Studium der bildenden Künste auf, er erhielt deshalb keine finanzielle Unterstützung von ihm und musste für seinen Lebensunterhalt und die Kosten des Studiums selbst aufkommen. Er studierte an der Kunstakademie Dresden, wo er Meisterschüler des Bildhauers Ernst Hähnel war, und an der Kunstakademie Berlin. Vom sächsischen Staat erhielt er ein Stipendium für einen längeren Aufenthalt in Paris, wo er bei dem bekannten Bildhauer Emmanuel Frémiet studierte.
Hannig ließ sich in Berlin nieder und heiratete die 14 Jahre jüngere Johanna Kurtze, die Tochter eines Spirituosenfabrikanten aus Sprottau. 1908, ein Jahr nach der Geburt des Sohns Joachim Hans, starb sie im Alter von 28 Jahren in Berlin.
Sein Berliner Atelier befand sich 1899 im Gartenhaus des Gebäudes Yorckstraße 84 (heute: Riehmers Hofgarten), 1905 im Haus Yorckstraße 81 und 1910 in seinem Wohnhaus Friedenthalstraße 4 (heute: Schellendorffstraße) in Berlin-Schmargendorf.
Die Stadt Liegnitz verlieh ihm ihre Ehrenbürgerwürde.
Werk
Hannig wirkte als Bildhauer von Genrefiguren, Porträtbüsten, Denkmälern und Brunnen. Hannig arbeitete auch am russischen und am preußischen Hof. Die in Sankt Petersburg und Berlin entstandenen Großplastiken sind vermutlich während des Ersten Weltkriegs für Rüstungszwecke eingeschmolzen worden. In Frankreich ist er bekannt für seine Jugendstil-Zinnarbeiten.
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Art-nouveau-Vasen aus poliertem Zinn, Frankreich, 1900
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Zigarettenkiste nach einer Grafik von Alfons Maria Mucha, poliertes Zinn, Frankreich um 1900
Plastiken
- 1892: Heracles, gezeigt in der Ausstellung der Berliner Kunstakademie 1892[3]
- 1894: Büste des deutschen Botschafters Georg Herbert zu Münster, gezeigt in Paris beim Salon de Paris und auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1894[4]
- 1895: Amor mit Storch, gezeigt in der Großen Berliner Kunstausstellung 1895 (und 1898?)[4]
- 1897: Büste Prinz Albert von Sachsen-Altenburg, gezeigt auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1897[4]
- 1899: Von der Waterkant, gezeigt auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1899[4]
- 1904: Doppelbüste, gezeigt auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1904[4]
- 1899: Büste Herr J. Willmann, gezeigt auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1899[4]
- 1909: Standbild für das Martin-Luther-Denkmal in Brieg (Schlesien)
- 1913: Standbild für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Bralitz
- 1914: Brunnen in Netze
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Büste Georg Herbert zu Münster
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Luther-Denkmal in Brieg
Literatur
- Anton von Werner: Hannig, J. Robert. In: Zur Jubelfeier 1696–1896. Schuster, Berlin 1896, S. 214 (digitalesammlungen.uni-weimar.de).
- Hannig, J. Robert. In: Hans Wolfgang Singer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. 3., umgearbeitete und bis auf die neueste Zeit ergänzte Auflage. Band 5: Vialle–Zyrlein. Nachträge und Berichtigungen. Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1901, S. 125 (Textarchiv – Internet Archive – Nachträge).
- Max Martersteig (Hrsg.): Jahrbuch der bildenden Kunst. Berlin 1902, Abschnitt III Ausübende Künstler, Sp. 108. (Textarchiv – Internet Archive)
- Kunstgewerbemuseum Berlin (Hrsg.): Sonderausstellung Gußeisen. (Katalog) Berlin 1916, S. 19.
- Hannig, J. Robert. In: Hans Wolfgang Singer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Band 6: Zweiter Nachtrag mit Berichtigungen. Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1922, S. 126 (Textarchiv – Internet Archive).
- Hannig, Robert. In: Ulrich Thieme, Fred. C. Willis (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 15: Gresse–Hanselmann. E. A. Seemann, Leipzig 1922, S. 594 (Textarchiv – Internet Archive).
- Peter Bloch, Sibylle Einholz, Jutta von Simson: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Beiträge mit Kurzbiographien Berliner Bildhauer. Gebr. Mann, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1598-2, S. 473.
- Detlef Lorenz: Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute. Ein Führer zu Wohn-, Wirkungs- und Gedenkstätten bildender Künstlerinnen und Künstler. Berlin 2002, S. 345.