Julio Herrera y Reissig

Julio Herrera y Reissig (* 9. Januar 1875 in Montevideo, Uruguay; † 18. März 1910 ebenda)[1] war ein uruguayischer Dichter und Essayist. Nach seinen Anfängen in der Spätromantik war er ein Vorläufer der modernistischen Avantgarde in der uruguayischen Literatur.[2]

Werdegang

Geboren in Montevideo in eine wohlhabende Patrizierfamilie mit Verbindungen zur sozialen und kulturellen Szene, er war ein Neffe des späteren Präsidenten Uruguays Julio Herrera y Obes. Er litt unter einer schlechten Gesundheit; im Alter von siebzehn Jahren zwang ihn ein angeborener Herzfehler, der durch Typhus verschlimmert wurde, sein Studium aufzugeben; er war nicht einmal in der Lage, längere Reisen zu unternehmen, abgesehen von einem Besuch in Buenos Aires und Aufenthalten in Castillo Piria. Als begeisterter Leser vertrieb er sich seine Langeweile. Ab 1900 veranstaltete er literarische Zusammenkünfte in seiner Familienvilla, im Penthouse, das wegen seiner spektakulären Aussicht auf den Río de la Plata den Spitznamen La Torre de los Panoramas trug (heute Sitz der Nationalen Akademie der Literatur).

Er vollzog einen Wandel vom Romantiker zum avantgardistischen Modernisten und Surrealisten und erlangte posthum Anerkennung als eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung der lateinamerikanischen Poesie des 20. Jahrhunderts, neben Leopoldo Lugones, Ricardo Jaimes Freyre und Salvador Díaz Mirón. Die Veröffentlichung seiner Werke wenige Jahre nach seinem Tod im Alter von nur 35 Jahren[3] stieß in der Literaturwelt auf breite Anerkennung. Der uruguayische Schriftsteller Ángel Rama bewunderte seine Leistung: In weniger als zehn Jahren schuf Herrera y Reissig, obwohl er sich in der Oberflächlichkeit des Jugendstils bewegte, eine Poesie von subtiler, moderner Sensibilität und makelloser sprachlicher Präzision.

Ausgewählte Werke

Herrera y Reissig schrieb Belletristik, politische Essays und viele andere Werke, aber sein Ruf beruht auf seiner Lyrik.

Dichtung
  • Canto a Lamartine (1898)
  • Las pascuas del tiempo (1902)
  • Los maitines de la noche (1902)
  • La vida (1903)
  • Los parques abandonados (1902–1908)
  • Los éxtasis de la montaña (1904–1907)
  • Sonetos vascos (1908)
  • Las clepsidras (1909)
  • La torre de las esfinges (1909)
  • Los peregrinos de piedra (1909)
Essay
  • Epílogo wagneriano a "La política de fusión" con surtidos de psicología sobre el Imperio de Zapicán (1902)
  • Páginas en prosa (1961)
  • Tratado de la imbecilidad del país por el sistema de Herbert Spencer [transkribiert und veröffentlicht von Aldo Mazzucchelli] (2006)
  • Prosas herrerianas (2011)[4]

Literatur

  • Aldo Mazzucchelli: La mejor de las fieras humanas. Vida de Julio Herrera y Reissig. Taurus, Montevideo 2010 (spanisch).
  • Suleika Ibáñez: Herrera y Reissig, su vida y su obra. Salamandra, Montevideo 1975 (spanisch).
Commons: Julio Herrera y Reissig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Linktext – Quellen und Volltexte (spanisch)

Einzelnachweise

  1. Biografía de Julio Herrera y Reissig. Archiviert vom Original am 9. November 2011; abgerufen am 8. März 2010 (spanisch).
  2. Biografía de Julio Herrera y Reissig. In: Los-Poetas.com. Abgerufen am 23. November 2025 (spanisch).
  3. Julio Cesar Aguilar: Hacia una poética de la enfermedad: Julio Herrera y Reissig. In: Sincronía. Nr. 57, 2010, ISSN 1562-384X, S. 53–66 (spanisch, redalyc.org [abgerufen am 12. Juli 2025]).
  4. Visión actualizada de uno de los mayores poetas uruguayos. In: EL PAIS. 13. Februar 2012, abgerufen am 23. November 2025 (spanisch).