Judith mit dem Haupt des Holofernes (Rubens)
| Judith mit dem Haupt des Holofernes |
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| Peter Paul Rubens, zwischen 1616 und 1618 |
| Öl auf Eichenholz |
| 120 × 111 cm |
| Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig |
Judith mit dem Haupt des Holofernes ist ein Gemälde von Peter Paul Rubens, das um 1616 bis 1618 in Antwerpen angefertigt wurde. Es zeigt eine Szene aus dem Buch Judit, das von mehreren Künstlern bildlich oder plastisch dargestellt wurde. Stilistisch ist es der Epoche des flämischen Barock zuzuordnen.
Beschreibung
Die biblische Heldin Judith wird von Rubens in der oberen Bildmitte als eine sinnliche, junge Frau mit fast gänzlich entblößter Brust dargestellt, die den Betrachter ansieht. Ihr Körper strahlt zudem Kraft und Vitalität aus. In ihrer rechten Hand hält sie ein Schwert, mit dem sie kurz zuvor Holofernes, dem Anführer des feindlichen Heeres, den Kopf abgeschlagen hat. Sie hält den Kopf, der in der unteren Bildmitte mit dem Gesicht ebenfalls zum Betrachter dargestellt ist, mit ihrer linken Hand am Haarschopf fest. Auf der rechten Bildseite steht eine alte Dienerin, die mit ihrer linken Hand nach dem abgeschlagenen Kopf greift und in der rechten Hand eine brennende Kerze hält, die die Szene beleuchtet. Die Dienerin ist in ein Gewand mit roten Ärmeln gekleidet und blickt das Haupt des Holofernes an. Im Hintergrund sind Teile der Rüstung des Heerführers zu sehen.[1]
Das Gemälde mit den Abmessungen 120 × 111 cm ist seit etwa 1700 in der Galerie des Schlosses Salzdahlum nachgewiesen. Es befindet sich unter der Inventarnummer GG 87 im Besitz des Herzog Anton Ulrich-Museums und gehört zum Kulturerbe Niedersachsen. Rubens fertigte das Gemälde vermutlich zu Studienzwecken an. Es war sicherlich keine Auftragsarbeit, denn er verwendete als Untergrund kein hochwertiges Holz, sondern eine einfache Holztafel. Im Zuge der Entstehung führte er mehrfach Änderungen im Bildaufbau durch und vergrößerte die Bildfläche durch das Anbringen weiterer Holzstücke.[1] Das Bild behielt er lange in seinem Atelier.[2]
Biblischer Hintergrund
Der assyrische König Nebukadnezar erteilte seinem Oberbefehlshaber Holofernes den Befehl, mehrere Städte in Kleinasien und Syrien zu unterwerfen. Als die Bewohner des Ortes Bethulia sich standhaft zur Wehr setzten, ließ er die Wasserleitung kappen, um die Einwohner zur Aufgabe zu zwingen. Judith, eine jüdische Witwe, die aus der belagerten Stadt stammte, galt als reich und anmutig. Auf Gott vertrauend beschloss sie, ihre Heimatstadt und ihr Volk zu retten. Durch eine List erschlich sie sich den Zugang zum feindlichen Lager und die Gunst des Holofernes. In Begleitung ihrer Magd brachte sie einige Krüge mit Wein zum Zelt des Heerführers. Er war von ihrer Schönheit sehr angetan und hielt Judith für eine Überläuferin, so dass er sie in seinem Lager einquartierte. Kurz darauf rief er sie zu sich, um mit ihr eine gemeinsame Liebesnacht zu verbringen. Judith ließ Holofernes bei dem vorher abgehaltenen Gastmahl viel Wein einschenken. Als dieser eingeschlafen war, tötete Judith ihn mit seinem eigenen Schwert, um so ihr Volk vor dem Untergang zu bewahren. Nach der Tat steckten die Frauen das Haupt des Holofernes in einen Sack und brachten es aus dem Lager hinaus. Bei ihrer Rückkehr in die Heimatstadt wurden sie jubelnd empfangen und die feindlichen Truppen flüchteten beim Anblick des enthaupteten Holofernes.[2]
Ähnliche Bilder aus dem Zyklus
Bereits um 1610 malte Rubens in einem Gemälde mit ganzen Figuren die vorhergehende Szene, in der Judith mit einem ersten Schwerthieb den Hals des Holofernes halb durchschnitten hatte und in der sich sein Körper ein letztes Mal aufbäumte. Ein ähnliches Bild mit dieser Szene befindet sich im Nationalmuseum Warschau. Auch die nachfolgende Szene, in der das Haupt des Holofernes in einem Sack verstaut wird, um ihn ungesehen aus dem Lager zu bringen, hielt er auf Gemälden fest.
Literatur
- Peter Paul Rubens (1577–1640) 80 Judith mit dem Haupt des Holofernes um 1616. In: Grosse Gemäldegalerien. Hirmer, München 1980, ISBN 3-7774-3140-0, S. 138 und 141 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Peter Paul Rubens (1577–1640) „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ (Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum). In: Die Bibel in Bildern – Schatzkammer der Malerei. Naumann & Göbel, Köln 1987, ISBN 3-625-10510-1, S. 130 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Weblinks
- Sparsames Genie. Rubensbilder auf Holztafeln sind Zeitreisen mit oftmals schadhaften Vehikeln. 10. März 2007 (braunschweig.de)
- Daniela Sistermanns: Mit den Waffen einer Frau. 11. September 2015 (3landesmuseen-braunschweig.de)
Einzelnachweise
- ↑ a b Judith mit dem Haupt des Holofernes (kulturerbe.niedersachsen.de Stand: 20. Juni 2025).
- ↑ a b Daniela Sistermanns: Mit den Waffen einer Frau. 11. September 2015 (3landesmuseen-braunschweig.de).