Judith Wittwer
Judith Wittwer Herter (* 10. Dezember 1977 in Zürich[1]) ist Schweizer Journalistin und Chefredakteurin der überregionalen Tageszeitung Süddeutsche Zeitung.
Leben
Judith Wittwer wurde als zweites von vier Geschwistern in Zürich geboren. Ihre Mutter war Heilpädagogin, ihr Vater Direktor der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich.
Wittwer erhielt ihr Abitur 1997 von der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur und studierte anschließend Volkswirtschaft, Recht und Politikwissenschaften an der Universität St. Gallen. 2002 schloss sie ihr Studium mit einem Lizenziat ab (heute: Master of International Affairs and Governance).
Wittwer lebt mit ihrer Familie in München. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.
Beruf
Ihre journalistische Tätigkeit begann sie parallel zu ihrem Studium als Reporterin für ein St. Galler Lokalradio der NZZ-Gruppe. 2002 stieß Wittwer zum in Zürich erscheinenden Tages-Anzeiger. Sie absolvierte das Volontariat und berufsbegleitend die Diplomausbildung am MAZ – Die Schweizer Journalistenschule (heute: MAZ – Institut für Journalismus und Kommunikation) in Luzern. Ab 2004 war sie beim Tages-Anzeiger als Wirtschaftsredaktorin unter anderem für makroökonomische Themen zuständig. Es folgten Stationen als Wirtschaftskorrespondentin in Frankfurt am Main und im Ressort Hintergrund und Analyse in Zürich, bevor Wittwer 2011 zur Handelszeitung (Axel Springer Verlag) wechselte.[2]
2014 kehrte Wittwer zum Tamedia-Flaggschiff Tages-Anzeiger zurück, wo sie zunächst die Stabsstelle der Chefredaktion leitete und als Nachrichtenchefin arbeitete. Von Anfang 2016 bis Ende 2017 war sie Mitglied der gemeinsamen Chefredaktion von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung. Von 2018 bis Juni 2020 war Wittwer Chefredaktorin des Tages-Anzeigers.[3][4] In dieser Zeit gehörte sie auch dem Vorstand des Schweizer Vereins Qualität im Journalismus an.[5] Unter Wittwers Führung baute der Tages-Anzeiger die digitale Ausrichtung sowie die regionale Berichterstattung aus, stärkte die Meinungsseiten und führte eine "Seite Drei" mit Reportagen ein.[6]
Im Juli 2020 wechselte Wittwer zur Süddeutschen Zeitung und übernahm die Redaktionsleitung als Nachfolgerin von Kurt Kister. Sie war damit die erste Frau an der Spitze der überregionalen Tageszeitung. Zunächst teilte sie sich die Führung mit Wolfgang Krach in einer Doppelspitze, ab 2026 wurde sie zur alleinigen Chefredakteurin[7].
In ihrer Funktion legte einen besonderen Fokus auf die digitale Transformation der Süddeutschen Zeitung und die Entwicklung neuer Formate. Ab 2021 wurde die Aufteilung der Redaktion in Print (SZ) und Online (Süddeutsche.de bzw. SZ.de) aufgelöst und die SZ begann, die redaktionellen Abläufe konsequent auf eine Digital-First-Produktion umzustellen.[8] So wurden unter Wittwers Direktion unter anderem eine modernere Redaktionssoftware eingeführt und auch das Design und Layout des Webauftritts geändert, um den besonderen Charakter der SZ als "Autorenzeitung" mit Hintergründen, Reportagen, Recherchen und Meinungen auch digital stärker zur Geltung zu bringen.[9]
Vom Magazin Journalist wurde die Redaktion der Süddeutschen Zeitung zur Redaktion des Jahres 2021 gekürt.[10] 2021 konnte sich die Süddeutsche Zeitung zudem erstmals rein über Vertriebserlöse finanzieren, was sie unabhängig vom volatilen Werbemarkt macht.[11]
Wittwer ist Befürworterin einer strikten Trennung von Redaktion und Verlag.[12] Sie gilt zudem als „schweizerisch diplomatisch“[13] und als „umgängliche Führungsfrau, die über die Fähigkeit verfügt, nach innen zu integrieren“[14]
Sonstiges
Seit 2022 Mitglied des Kuratoriums des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt).[15] Von 2021 bis 2025 gehörte Wittwer der Jury des Egon-Erwin-Kisch-Preises an.
Einzelnachweise
- ↑ Judith Wittwer in: Internationales Biographisches Archiv 33/2020 vom 11. August 2020, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ Wechsel von und zu der «HandelsZeitung». In: Klein Report. 3. Oktober 2010, abgerufen am 5. Dezember 2019.
- ↑ Umbau bei Tamedia. Judith Wittwer wird Tagi-Chefredaktorin. In: persoenlich.com. 23. August 2017, abgerufen am 5. Dezember 2019.
- ↑ Doppelbesetzung für Chefredaktion. In: persoenlich.com. 3. Juni 2020.
- ↑ Raphael Waldvogel: Judith Wittwer und Gieri Cavelty neu im QuaJou-Vorstand. In: Klein Report. 2. Juni 2018, abgerufen am 5. Dezember 2019.
- ↑ Munziger Archiv, Judith Wittwer. Abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Wolfgang Krach scheidet aus der SZ-Chefredaktion aus. 11. Dezember 2025, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Munzinger – Wissen, das zählt. Abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Judith Wittwer, Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Da tut sich was! 22. Mai 2023, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ "Süddeutsche Zeitung" ist die Redaktion des Jahres 2021. Abgerufen am 9. Januar 2026 (deutsch).
- ↑ Christian Wegner: Süddeutsche Zeitung 2021 erstmals nur aus Abos finanziert - HORIZONT. Abgerufen am 9. Januar 2026 (deutsch).
- ↑ Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Was bedeutet die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen in der Praxis? 11. Juni 2021, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Anne Fromm: Sparkurs bei der „Süddeutschen Zeitung“: In der Druckkammer. In: Die Tageszeitung: taz. 17. Dezember 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. Januar 2026]).
- ↑ kress.de: Wie tickt die neue SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer? Abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Im Dienst der Demokratie. In: Stern. 7. Februar 2021, abgerufen am 16. Mai 2021.