Juan Sordo Madaleno
Juan Sordo Madaleno (* 28. Oktober 1916 in Mexiko-Stadt; † 13. März 1985 ebenda) war ein mexikanischer Architekt und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der modernen Architektur in Mexiko im 20. Jahrhundert. Sein Werk steht exemplarisch für die Aneignung und Weiterentwicklung internationaler modernistischer Architekturströmungen in Lateinamerika und erlangte auch internationale Rezeption, unter anderem durch die Dokumentation seiner Bauten im Ausstellungskatalog Latin American Architecture since 1945 des Museum of Modern Art in New York.[1.1] Die Zugehörigkeit eines seiner Bauten zu einem UNESCO-Welterbe unterstreicht die internationale Bedeutung von Sordo Madalenos architektonischem Beitrag zur mexikanischen Moderne.
Biografie
Juan Sordo Madaleno war einer der einflussreichsten mexikanischen Architekten seiner Generation. Er arbeitete mit namhaften Architekten zusammen, unter anderem mit Luis Barragán, José Villagrán García, Augusto H. Álvarez, Ricardo Legorreta, Francisco J. Serrano und José Adolfo Wiechers. Architektonisch ließ er sich in seinen frühen Arbeiten vom Bauhaus-Stil und von Le Corbusier beeinflussen, entwickelte jedoch rasch eine eigenständige Formensprache, die sich durch funktionale Klarheit, konstruktive Rationalität und urbane Präsenz auszeichnete. Er entwarf vor allem Hotel-, Büro- und Wohngebäude.[2]
1937 gründete er sein eigenes Architekturbüro, das heute unter dem Namen Sordo Madaleno Arquitectos S. C. firmiert. Am 20. Juni 1941 heiratete er Magdalena Bringas Aguado. Aus der Ehe gingen die Kinder José Juan (1942–1974), Magdalena (* 1944) und Javier (* 1956) hervor. Letzterer ist ebenfalls Architekt und leitete seit 1982 das Familienbüro, das sich zu einem der bedeutendsten Architekturbüros Mexikos entwickelte.[3][4]
1963 erwarb Sordo Madaleno die Hacienda „La Laja“ in Tequisquiapan im Bundesstaat Querétaro, wo er sich der Zucht von Stieren widmete und mit seiner Familie lebte.[5]
Internationale Rezeption und MoMA
Sordo Madalenos Werk wurde über Mexiko hinaus international rezipiert. Ein zentrales Dokument dieser Rezeption ist der Ausstellungskatalog Latin American Architecture since 1945, der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung am Museum of Modern Art (MoMA) in New York in den Jahren 1955–1956 erschien. Der von Henry-Russell Hitchcock verfasste Band gilt als ein Schlüsselwerk zur Kanonisierung der lateinamerikanischen Nachkriegsmoderne und stellte ausgewählte Bauwerke aus Mexiko, Brasilien, Venezuela, Kuba und Peru in einen gemeinsamen architekturhistorischen Zusammenhang.
In diesem Katalog ist Sordo Madaleno mit mehreren Projekten vertreten. Dokumentiert ist unter anderem das Office Building, Calle de Niza at Calle de Londres, Mexico, D.F. (1952–1953) (S. 196), ein moderner Büro- und Verwaltungsbau im Stadtzentrum von Mexiko-Stadt.[1.1] Darüber hinaus wird im selben Band das House for the Architect (Paseo de la Reforma 2388, Lomas de Chapultepec, 1951–1952) abgebildet (S. 178–181), das exemplarisch für Sordo Madalenos Wohnarchitektur der frühen 1950er Jahre steht.[1.2]
Die Projekte erscheinen im Katalog im direkten Vergleich mit Arbeiten international bedeutender Architekten wie Oscar Niemeyer, Carlos Raúl Villanueva und Antonio Quintana Simonetti. Diese kuratorische Nachbarschaft verdeutlicht Sordo Madalenos Stellung innerhalb einer international anschlussfähigen Moderne, die lokale städtebauliche Bedingungen Mexiko-Stadts mit den formalen und konstruktiven Prinzipien der internationalen Architekturbewegung verband.
Bauwerke (Auswahl)
- Geologisches Institut der UNAM (1950–1953) – UNESCO-Welterbe
- Bürogebäude, Calle de Niza / Calle de Londres, Mexiko-Stadt (1952–1953)
- La Jacaranda-Nachtclub, Acapulco (1957)
- El Presidente-Hotels in Acapulco (1958), Cancún und Mexiko-Stadt
- Westin-Hotels in Los Cabos und Puerto Vallarta
- Camino Real-Hotel, Huatulco
- Hotel María Isabel (1962; gemeinsam mit José Villagrán García)
- Städtebauliches Projekt Lomas Verdes, Naucalpan (1964–1967; Projekt)
- Palmas 555, Mexiko-Stadt (1975)
Weblinks
- Juan Sordo Madaleno. In: archINFORM.
- Bilder der Werke von Juan Sordo Madaleno bei parella.com
- MoMA: Latin American Architecture Since 1945
- MoMA-Ausstellungskatalog (PDF)
Literatur
- Henry-Russell Hitchcock: Latin American Architecture since 1945. The Museum of Modern Art, New York 1955.
- Eduardo Luis Rodríguez: The Havana Guide: Modern Architecture 1925–1965. Princeton Architectural Press, New York 2000.
- Roberto Segre: Arquitectura antillana del siglo XX. Editorial Arte y Literatura, Havanna 1989.
- Patricio del Real: Building a Continent: MoMA’s Latin American Architecture Since 1945 Exhibition. In: Journal of Latin American Cultural Studies, 16 (2007), Nr. 1, S. 95–110.
Quellen
- ↑ Henry-Russell Hitchcock: Latin American Architecture since 1945. The Museum of Modern Art, New York 1955 (englisch, moma.org [PDF; abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ Ortrun Engelkraut: Mexikos moderne Architektur: Kunstwerke zum Bewohnen, aufgerufen am 5. August 2007.
- ↑ Luis Ramón Carazo: Sordo Madaleno ( vom 8. Oktober 2007 im Internet Archive), aufgerufen am 5. August 2007.
- ↑ Fabiola Reyes: Sordo Madaleno y Asociados ( vom 9. März 2009 im Internet Archive), aufgerufen am 5. August 2007.
- ↑ Víctor Cano Sordo: Historia de la Hacienda de La Laja (Tequisquiapan, Qro.) (PDF; 2,0 MB).