Juan Orlando Hernández

Juan Orlando Hernández Alvarado, kurz JOH, (* 28. Oktober 1968 in Gracias, Lempira) ist ein honduranischer Rechtsanwalt und Politiker der konservativen Partido Nacional de Honduras. Vom 27. Januar 2014 bis zum 27. Januar 2022 war er Präsident von Honduras. Als Präsident regierte Hernández autoritär.[1]

Leben

Ausbildung

Hernández studierte Rechtswissenschaften an der Universidad Nacional Autónoma de Honduras.

Politische Tätigkeit

Parlaments- und Präsidialtätigkeit

Vom 25. Januar 2010 bis 13. Juni 2013 war er als Nachfolger von José Alfredo Saavedra Parlamentspräsident des Nationalkongresses von Honduras; ihm folgte im Amt des Parlamentspräsidenten Mauricio Oliva. Als Nachfolger von Porfirio Lobo Sosa war Hernández seit Januar 2014 Präsident von Honduras, nachdem er sich bei der Wahl im November 2013 gegen Xiomara Castro von der Partido Libertad y Refundación durchsetzen konnte. Von Hernández' Wirtschaftspolitik profitierte eine kleine Elite enorm, aber rund 70 Prozent der Honduraner lebten weiterhin unter der Armutsschwelle.[1] Hernández gilt als Befürworter und maßgeblicher Unterstützer der ZEDE, die als privatrechtlich verwaltete Gebiete über größtmögliche Autonomie verfügen sollen.[2]

2017 betrieben ein Administrator der offiziellen Facebook-Seiten für Hernández und seine verstorbene Schwester zusätzlich Hunderte fiktiver Seiten, um damit künstlich Aufmerksamkeit und Zustimmung zu simulieren.[3]

Umstrittene Wiederwahl

Zur Präsidentschaftswahl in Honduras 2017 trat Hernández erneut an, obwohl die Verfassung die Wiederwahl ausdrücklich verbot.[4] Der Oberste Gerichtshof hatte auf Hernandez’ Betreiben den Verfassungsartikel für „nicht anwendbar“ erklärt. Hernández gewann diese Wahl,[4] nachdem unmittelbar nach der Wahl bei der Auswertung der Stimmen sein Herausforderer Salvador Nasralla noch in Führung gelegen hatte. Verzögerungen bei der Auszählung und Manipulationsvorwürfe führten daraufhin immer wieder zu Unruhen und Protesten, woraufhin die Regierung nächtliche Ausgangssperren verhängte. Am 17. Dezember 2017 erklärte das Oberste Wahlgericht Hernández mit knapp 43 Prozent der Stimmen zum Sieger, während Nasralla ca. 41,5 Prozent erreicht haben soll. Die Opposition erkannte das Ergebnis nicht an, obwohl ein Teil der Wahlzettel bereits neu ausgezählt worden war, ohne dass sich das Ergebnis geändert hatte.[5] Während die Organisation Amerikanischer Staaten die Wahl als gefälscht kritisierte,[6] erkannte die US-Regierung Hernández als Wahlgewinner an.[7] Bei den nachfolgenden Massenprotesten kamen nach Angaben der Opposition 20 Menschen ums Leben, die Militärs schossen scharf auf unbewaffnete Demonstranten.[8]

Involvierung in den internationalen Drogenhandel

Der Bruder des Präsidenten, Juan Antonio „Tony“ Hernández, wurde am 23. November 2018[9] in den USA wegen Drogenhandels festgenommen[10] und im März 2021 zu lebenslanger Haft verurteilt – unter anderem wegen Mordes und des Kokainschmuggels in großen Mengen. Die Beschlagnahme seiner Einnahmen aus dem Drogenhandel in Höhe von mindestens 138,5 Millionen US-Dollar wurde angeordnet.[11] Auch Präsident Hernández stand in den USA wegen seiner Verbindungen zu den Drogenkartellen im Visier der Staatsanwaltschaft.[7] Aufgrund der bekannt gewordenen Verbindungen der Drogenkartelle mit der Präsidentenfamilie kam es in Honduras landesweit zu Kundgebungen, sie richteten sich gegen das „Drogenregime Hernández“ und die Untätigkeit der Generalstaatsanwaltschaft. Es wurden Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt.[12][1]

Am 27. Januar 2022 wurde Xiomara Castro als seine Nachfolgerin vereidigt. Hernández ist seither Mitglied des Zentralamerikanischen Parlaments.

Am 15. Februar 2022 wurde Hernández vor seinem Haus in Tegucigalpa festgenommen. Die Festnahme war nach einer Mitteilung der Polizei mit der US-amerikanischen Antidrogenbehörde Drug Enforcement Administration abgesprochen. Der Oberste Gerichtshof von Honduras genehmigte am 16. März 2022 die Auslieferung von Hernández an die USA.[13] Am 21. April 2022 wurde er in Tegucigalpa an Mitarbeiter der US-amerikanischen Antidrogenbehörde übergeben, die ihn in die USA brachten.[14] Dort wurde er am 8. März 2024 von einem Geschworenengericht in Manhattan des illegalen Drogen- und Waffenhandels schuldig gesprochen.[15] Unter anderem soll er Bestechungsgelder für den ungehinderten Transport von über 360 Tonnen Kokain durch Honduras angenommen haben.[16] Er wurde zu einer 45-jährigen Haftstrafe und zu einer Geldstrafe von 8 Millionen US-Dollar verurteilt.[17]

Am 28. November 2025 kündigte US-Präsident Donald Trump in einem Posting in den sozialen Medien an, dass er Hernández begnadigen werde. Dieser sei „sehr grob und unfair behandelt“ worden.[18][19] Am 1. Dezember 2025 wurde Hernández aus der Haft entlassen.[20]

Privates

Hernández ist seit 1990 mit Ana García Carías verheiratet. Das Paar hat drei Kinder.

Auszeichnungen

2015 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der südkoreanischen Stadt Busan verliehen. 2016 erhielt er den taiwanesischen Jadeorden.[21]

Literatur

Commons: Juan Orlando Hernández – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Letzte Chance für einen Wandel?, tagesschau.de, 28. November 2021
  2. Sonderwirtschaftszonen in Honduras - Die Neuerfindung der Bananenrepublik. In: Deutschlandfunk. 22. November 2017, abgerufen am 4. Dezember 2025.
  3. Julia Carrie Wong: How Facebook let fake engagement distort global politics: a whistleblower's account. In: The Guardian, 12. April 2021, abgerufen am 17. März 2022 (englisch).
  4. a b Daniela Dreißig: Nach den Wahlen in Honduras. Proteste trotz Ausgangssperren. In: amerika21. 5. Dezember 2017, abgerufen am 28. Juni 2024.
  5. Wahlbehörde erklärt Hernández zum Sieger der Präsidentenwahl in Honduras. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. Dezember 2017, abgerufen am 28. Juni 2024.
  6. El TSE declara a Juan Orlando Hernández ganador de las elecciones 2017. In: La Prensa. Abgerufen am 29. Januar 2022 (spanisch).
  7. a b Thomas Raabe: Präsident von Honduras wegen Aussagen vor US-Gericht in Erklärungsnot. In: amerika21. 30. März 2021, abgerufen am 28. Juni 2024.
  8. Honduras. Jahresbericht 2019. In: oeku-buero.de. Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit München, abgerufen am 28. Juni 2024.
  9. Bruder des Präsidenten von Honduras in US-Haft, NZZ, 28. November 2018, S. 2
  10. Honduras, un país donde manda la coca desde la silla presidencial. ¿Cuántas personas habían muerto por mano del cartel Hernandez? In: elmensajero.news. 30. Juni 2019 (spanisch).
  11. Lebenslang für prominenten Drogenschmuggler. In: dw.com. 31. März 2021, abgerufen am 18. Februar 2024.
  12. Thomas Raabe: Mutmaßlicher Partner von Drogenhändler Hernández in Honduras getötet. In: amerika21. 29. Oktober 2019, abgerufen am 28. Juni 2024.
  13. Gericht: Ex-Präsident von Honduras wird an USA ausgeliefert. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. März 2022, abgerufen am 28. Juni 2024.
  14. Birte Bredow: Honduras: Ex-Präsident Juan Orlando Hernández an die USA ausgeliefert. In: Der Spiegel. 22. April 2022, abgerufen am 28. Juni 2024.
  15. Jeff Ernst: He paved a cocaine superhighway’: ex-Honduran president convicted in New York trafficking trial. In: The Guardian. 8. März 2024, abgerufen am 28. Juni 2024 (englisch).
  16. Hansjürgen Mai: Trump begnadigt Honduras’ Ex-Präsidenten: Reine Gefälligkeit oder geopolitischer Schachzug? In: Die Tageszeitung: taz. 4. Dezember 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
  17. Ehemaliger Präsident von Honduras zu 45 Jahren Haft verurteilt. In: FAZ.net. 26. Juni 2024, abgerufen am 28. Juni 2024.
  18. Nadine Yousif: Trump to pardon ex-Honduras president convicted of drug trafficking. In: BBC News. 29. November 2025, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  19. Donald Trump will den früheren Präsidenten von Honduras begnadigen. In: Die Zeit. 29. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  20. Brandon Livesay: Honduran ex-president Juan Orlando Hernández released from US prison after Trump pardon. In: BBC News. 2. Dezember 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  21. Orders and decorations bestowed by President Tsai. Präsidentenbüro der Republik China, abgerufen am 14. März 2019 (englisch).
VorgängerAmtNachfolger
Porfirio Lobo SosaPräsident von Honduras
27. Januar 2014 bis 27. Januar 2022
Xiomara Castro