Juan Mazar Barnett

Juan Mazar Barnett (* März 1975 in Buenos Aires; † 20. November 2012 ebenda) war ein argentinischer Feldornithologe, Bioakustiker und Naturforscher. Er veröffentlichte mehr als fünfzig wissenschaftliche Artikel zur Taxonomie, Systematik, Biogeographie und Naturschutz neotropischer Vogelarten.

Leben

Mazar Barnett kam früh mit der Ornithologie in Kontakt und wurde im Alter von neun Jahren Mitglied der Asociación Ornitológica del Plata (heute Aves Argentinas). Bereits in seiner Jugend unternahm er umfangreiche Feldexkursionen und begann systematisch Vogelbeobachtungen sowie naturgeschichtliche Notizen, Zeichnungen und Verhaltensskizzen anzufertigen.

Im Jahr 1996 erhielt er den Preis für junge Ornithologen der Asociación Ornitológica del Plata. Zwischen 1985 und den späten 1990er Jahren bereiste er zahlreiche Regionen Argentiniens und der umliegenden Länder, darunter Nordpatagonien, die Yungas, das Chaco-Gebiet, die Esteros del Iberá, die Puna von Jujuy sowie Küsten- und Waldregionen.

1999 begann Mazar Barnett ein Studium an der englischen University of East Anglia in Norwich. Er schloss 2001 mit einem Bachelor of Science mit Auszeichnung in Ökologie und Biologie ab. Seine Abschlussarbeit befasste sich mit der molekularen Taxonomie und Biogeographie südamerikanischer Specht-Arten der Gattung Picoides.

Während seines Aufenthalts in Europa arbeitete er im Threatened Birds of the World-Programm von BirdLife International in Cambridge und war Mitglied des Redaktionsausschusses der Zeitschrift Cotinga des Neotropical Bird Club.

Mazar Barnett veröffentlichte bereits in jungen Jahren mehrere Erstnachweise für Argentinien, darunter zum Schwarzbrust-Gimpelfink (Tiaris fuliginosa), zum Riesenspitzschnabel (Conirostrum binghami) und zum Rosafuß-Sturmtaucher (Ardenna creatopus).

Er war zudem an Erstnachweisen für Paraguay und Brasilien beteiligt, darunter der erste Beobachtungsnachweis des Terekwasserläufers (Xenus cinereus) für Brasilien.

Zwischen und 1998 und 2001 publizierte er bedeutende Beiträge zur Naturgeschichte seltener Andenvögel. 2001 erschien die kommentierte Checklist of the Birds of Argentina, verfasst in Zusammenarbeit mit Mark Pearman, die später als nationale Referenzliste etabliert wurde.

Zu Mazar Barnetts wichtigsten Feldleistungen zählen Wiederentdeckungen oder Neubeschreibungen bedrohter oder lange verschollener Arten, darunter die Magellanralle (Rallus antarcticus), über die es 40 Jahre lang keinen bestätigten Nachweis gab, die Weißflügel-Nachtschwalbe (Eleothreptus candicans), von der eine Population in Paraguay wiedergefunden wurde sowie bei der Wiederentdeckung des Ockerbrust-Todityranns (Hemitriccus kaempferi), der 1929 entdeckt wurde, ab 1950 als verschollen galt und ab 1991 erneut nachgewiesen wurde.

Mazar Barnett vermutete zudem das mögliche Fortbestehen des seit dem 19. Jahrhundert als ausgestorben geltenden Türkisaras (Anodorhynchus glaucus) anhand eigener Sichtungen zweier unbestimmter dunkler Aras in Paraguay.

Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Mazar Barnett intensiv in mehreren brasilianischen Lebensräumen, darunter in der Mata Atlântica, der Cerrado, der Caatinga, dem Pantanal und in Amazonien. Er war Mitglied des wissenschaftlichen Beratungsgremiums der Reihe Birds of Brazil der Wildlife Conservation Society.

Besonders prägend war eine Expedition nach Bahia 1997, während der er die vermutlich letzten freilebenden Spixaras (Cyanopsitta spixii) beobachtete.

Zwischen 1999 und 2003 führte er Feldforschung im nordostbrasilianischen atlantischen Regenwald durch, dessen starke Habitatzerstörung zahlreiche endemische Arten bedrohte. Gemeinsam mit Dante Buzzetti identifizierte er mehrere potenziell neue Arten, darunter den bereits ausgestorbenen Dunkelkopf-Blattspäher (Cichlocolaptes mazarbarnetti), dessen formale Beschreibung durch das Forscherteam vorbereitet wurde, jedoch erst posthum durch Buzzetti im Jahr 2014 veröffentlicht wurde.[1]

Mazar Barnett legte eine umfangreiche Sammlung bedeutender Tonaufnahmen an, die in Publikationen wie Birds of Bolivia, Sonidos de aves de Calilegua und Bird sounds of Argentina and adjacent areas Verwendung fanden. Zahlreiche seiner Aufnahmen wurden der Öffentlichkeit über Plattformen wie Xeno-Canto zugänglich gemacht.

Nach seiner Rückkehr nach Südamerika im Jahr 2001 arbeitete Mazar Barnett überwiegend als professioneller Führer von Vogelbeobachtungstouren in ganz Südamerika und in der Antarktis. Er war Mitbegründer von Seriema Nature Tours und führte Touren in Englisch, Spanisch und Portugiesisch.

Ab 2004 kam es infolge einer immunologischen Erkrankung zu längeren gesundheitlichen Ausfällen. Seine letzte Erkrankung war eine Meningitis, an deren Folgen er am 20. November 2012 starb. In seinen letzten Monaten arbeitete er weiterhin wissenschaftlich, unter anderem im Redaktionsausschuss der Zeitschrift The Condor für Lateinamerika, und bereitete die Aufnahme eines Promotionsstudiums über endemische und bedrohte Arten Nordostbrasiliens vor.

Literatur

  • Luciano N. Naka: In Memoriam: Juan Mazar Barnett, 1975–2012. In: The Condor. Band 115, Nr. 3, August 2013, ISSN 1938-5129, S. 688–692, doi:10.1525/cond.2013.115.3.688.
  • Luciano Nicolás Naka: The legacy of Juan Mazar Barnett (1975–2012) to Neotropical ornithology. In: Revista Brasileira de Ornitologia. Band 22, Nr. 2, Juni 2014, ISSN 2178-7875, S. 63–74, doi:10.1007/BF03544236.

Einzelnachweise

  1. Juan Mazar Barnett, Dante Buzzetti: A new species of Cichlocolaptes Reichenbach 1853 (Furnariidae), the ‘gritador-do-nordeste’, an undescribed trace of the fading bird life of northeastern Brazil. In: Revista Brasileira de Ornitologia. Band 22, Nr. 2, 2014, S. 75–94.