Joyce Sikakane
Joyce Nomafa Sikakane (auch Joyce Sikhakhane-Rankin; * 1943 in Johannesburg) ist eine südafrikanische Journalistin, Autorin und Bürgerrechtlerin.[1] Sie war die erste schwarze Frau, die als Journalistin bei der Rand Daily Mail angestellt wurde.[2] Zuvor war sie die erste Frau in der Redaktion der Zeitung The World.[3] Sie wurde durch ihre 1977 in London erschienene Autobiografie A Window on Soweto über die Grenzen Südafrikas hinaus bekannt.[4]
Leben
Sikakane wuchs in Orlando West in Soweto auf; ihr Vater Jonathan Mandlenkosi Sikakhane war Dozent für afrikanische Sprachen an der University of the Witwatersrand, und in ihrer Nachbarschaft lebten Familien wie Mandela, Sisulu und Tutu.[1] Nach dem Schulbesuch an der Holy Cross Primary School und der Inanda Seminary High School brachte sie sich früh in Schüler- und ANC-Strukturen ein und war dabei durch die Proteste gegen das Bantu-Education-System geprägt.[1] Ende 1963 begann sie als Reporterin bei The World in Johannesburg, wechselte 1968 zum Rand Daily Mail und berichtete dort vor allem über die sozialen Folgen der Apartheid, darunter Zwangsumsiedlungen.[1] 1969 wurde sie im Zuge des später als Trial of 22 bekannt gewordenen Verfahrens festgenommen, in dessen Umfeld auch Winnie Madikizela-Mandela angeklagt war.[2] Sie verbrachte lange Zeit in Haft, darunter 18 Monate in Einzelhaft.[3] 1973 verließ sie Südafrika ins Exil; 1974 heiratete sie den schottischen Arzt Kenneth Rankin, mit dem sie in Sambia, Simbabwe, Mosambik und Schottland lebte.[2] In den frühen 1990er-Jahren kehrte sie nach Südafrika zurück und arbeitete für die National Intelligence Agency und die South African Broadcasting Corporation (SABC).[2] 2008 wurde im Archiv der Nelson-Mandela-Stiftung ein bislang ungesendeter Brief Nelson Mandelas an „Nomvula“ (Sikakane) aus dem Jahr 1971 entdeckt.[2]
Wirken
Als Reporterin legte Sikakane das Augenmerk auf die Lebenswelten der Townships und machte insbesondere die Auswirkungen von Zwangsumsiedlungen, Unterdrückung und Armut sichtbar.[1] Ihr Buch A Window on Soweto erschien 1977 beim Londoner Verlag des International Defence and Aid Fund (IDAF) und verband autobiografische Beobachtungen mit sozialwissenschaftlicher Analyse.[3][4] Am 29. Juli 1997 sagte sie vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) in Johannesburg über Haft und psychische Folter aus.[5] Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit wirkte sie als Produzentin und Beraterin an Filmen wie A South African Love Story: Walter & Albertina Sisulu und Samora Machel: Son of Africa mit.[2] Zur Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte von A Window on Soweto liegt zudem eine Einordnung in den Archiven der britischen Anti-Apartheid-Bewegung vor.[6]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Joyce Sikhakhane-Rankin. In: South African History Online. 8. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e f The lost letter. In: Nelson Mandela Foundation. 22. Juli 2008, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c A distress signal from Soweto in 1977. In: Mail & Guardian. 30. Oktober 2020, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b A window on Soweto. In: Internet Archive. 1977, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Special Report Transcript Episode 64, Section 4, Time 14:47. In: SABC/TRC via SAHA. 29. Juli 1997, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ apd27. A Window on Soweto. In: Anti-Apartheid Movement Archives. 1977, abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).