Joseph von Zechenter

Joseph Freiherr von Zechenter (* 28. September 1732 als Franciscus Josephus Michael in Buda; † 20. April 1812 in Graz; Namensvarianten: Zehenter, Zehentner, Zechentner) war ein österreichischer Feldmarschall-Leutnant und Chef des Generalquartiermeisterstabes (1785–1790). Einer der prägenden Generalstabsoffiziere der josephinischen Epoche und persönlicher Begleiter des österreichischen Kaisers Joseph II. auf Feldzügen und Auslandsreisen, darunter auch auf Reisen nach Russland unter dessen Inkognito Graf Falkenstein. Verfasser von zahlreichen, umfassenden Manuskripten wie der militärhistorischen Darstellung der Türkenkriege im 18. Jahrhundert[1], dem Siebenjährigen Krieg (u. a. Schlacht bei Kolin) von 1756 bis 1759 und dem Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778 bis 1779.[2], welche als wichtige Quellen der österreichischen Kriegsgeschichtsschreibung geführt werden.[3]

Leben und Wirken

Joseph Zechenter entstammt einer Familie, die im 17. und frühen 18. Jahrhundert durch Glocken- und Stückgießer im kaiserlichen Dienst zu sozialem Aufstieg gelangt war. Sein Vater Anton Zechenter wirkte als kaiserlicher Stückgießer in Ofen, wodurch Joseph bereits in früher Jugend mit dem militärisch-technischen Umfeld des Zeug- und Artilleriewesens in Berührung kam. Er erlernte als Kind die Kunst des Metallgusses, trat jedoch am 8. Februar 1751 als Leutnant der Artillerie in die k.k. Ingenieur-Akademie zu Wien ein.

Aufgrund seiner Erfahrung wurde ihm bereits 1754 durch Anordnung des kaiserlichen Hofkriegsrates die Verwaltung des kaiserlichen Stückgießhauses in Wien anvertraut.[4] Im Jahr 1756 übernimmt Feldmarschall Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein das Protektorat über den „jüngeren Zehentner“ und organisiert über Georg Adam von Starhemberg eine Studienreise des Artillerieleutnants Joseph Zechenter in Paris.[5] Zechenter erhält den Auftrag die neue „Vertikalbohrmaschine“ des Generalinspektor der Kanonengießereien in Frankreich, dem Schweizer Jean Maritz zu analysieren. Maritz ist von Zechenter begeistert und bietet im 1757 kurz vor seiner Abreise noch den Posten als „capitaine en second“ für die Gießerei in Straßburg zu übernehmen. Dieser strebte jedoch noch eine größere Karriere im Dienste des Kaisers an und lehnte daher dankend ab.

1761 war Zechenter bereits Hauptmann und fertigte für Feldmarschall Baron Hadik von Futak Pläne von der Gegend um Freiberg an.[6] 1764 stieg er zum Major und Flügel-Adjutanten auf und trat in die Dienste des Feldmarschall Leopold Joseph von Daun für den auch sein Vater schon Kanonen gegossen hatte. 1767 wurde Zechenter zum Infanterie-Regiment Nr. 22 von Feldmarschall Franz Moritz von Lacy versetzt. 1773 war er im Regiment Nr. 58 von Carl Albert von Vierset und wurde dort 1773 zum Oberst der Infanterie ernannt. Ab dieser Zeit wurde er auch als Freiherr von Zechenter bezeichnet.[7]

Generaladjutant / engster Begleitkreis des Kaisers

Den Eintritt in den General-Quartiermeister-Stab (Generalstab) schaffte Zechenter 1776 und wurde 1778 wurde Feldmarschallleutnant Joseph von Zechenter Generalquartiermeister und Oberst bei seiner Majestät Kaiser Joseph II. Bereits 1779 schreibt der Kaiser in einem Brief an seine Mutter Maria Theresia: „... dass Zehentner dadurch im Generalstaat der erste Oberst wird,...“[8]. Am 26. April 1780 verließ Kaiser Joseph II unter dem Namen Graf von Falkenstein zusammen mit Generalmajor Georg Browne und General Zechenter Wien, um nach Russland zu reisen.[9]

Vom Mai bis Juni 1783 begleitete er den Kaiser bei dessen Reise nach Ungarn in Begleitung des Artillerie-Generaldirektors Graf Joseph von Colloredo.[10] Joseph von Zechenter wurde zum Generalmajor ernannt[11] und Lacy übertrug ihm die Aufgabe Bosnien zu Kartografieren.[12] Er übernahm generell die leitende Rolle bei der Landesaufnahme (erste militärische Vermessung) auch in anderen Ländern der Region.

Generalstabschef (1785–1790)

Generalmajor Zechenter wurde 1784–1785 als Generalquartiermeister in Belgien eingesetzt, organisiert Aufmarsch, Quartiere und Artillerie.1785 wurde er Chef des Generalquartiermeisterstabes der k.k. Armee und fungiert als dieser auch im Türkenkrieg 1787–1789. Zechenter wurde vom Kaiser 1789 damit beauftragt eine Pioneer-Kompanie für das Armeekorps des Prinzen Coburg aufzustellen.[13] Zechenter erreichte den Höhepunkt seiner militärischen Laufbahn, indem er schlussendlich am 16. Januar 1790 zum Feldmarschallleutnant ernannt wurde.

Er wurde nach Neapel berufen und trat dort als General der gesamten neapolitanischen Armee den Dienst an[14], behielt jedoch den österreichischen Rang. Am 28. Oktober 1794 kehrte er nach Wien zurück und wurde reichlich belohnt. 1795 nahm Zechenter noch am Feldzug in Deutschland teil (Operationen um Mainz, Mannheim, Heppenheim).[15]

Zechenter starb in Graz am 20. April 1812 nach 50-jähriger Militär-Tätigkeit.[16]

Einzelnachweise

  1. Oskar Regele: Feldmarschall Radetzky: Leben, Leistung, Erbe. Herold, 1957 (google.at [abgerufen am 3. Januar 2026]).
  2. Adolph Freiherr von Sacken: Das k.k. Kriegs-Archiv: Geschichte und Monographie. Verlag des K. K. Generalstabes in Commission bei Carl Gerold, 1878, S. 16 (google.at [abgerufen am 29. Dezember 2025] belegt also nicht alles): „GM Zechenter welcher später denselben beigezogen wurde, vollendete die Geschichte des bayerischen Erbfolgekrieges 1778-79; vom siebenjährigen Kriege jedoch nur die Feldzüge 1756–1759.“
  3. Inventare Teil 8. Inventar des Kriegsarchivs in Wien (1953) | Library | Hungaricana. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (belegt nicht den Inhalt „wichtige Quellen der österreichischen Kriegsgeschichtsschreibung“ Gstb bedeutet Generalstab, also „Chefs des Generalstabs“): „Eine Reihe von Namen wird in der Archivgeschichte stets mit besonderem Stolze verzeichnet bleiben: Fabris, Gallina, Gomez, Hess, Rothkirch, Trapp und Zechenter waren Chefs des Gstb.“
  4. Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905) | Library | Hungaricana. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  5. AT-OeStA/HHStA StAbt Frankreich Varia 25-101 Schreiben des Feldmarschalls Fürsten Josef Wenzel von Liechtenstein an Georg Adam von Starhemberg den jungeren Zehentner betreffend, der sich nach Paris begab, um sich in der Metallgießerei auszubilden; Glückwunsch zur Ernennung Starhembergs zum Botscha. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  6. AT-OeStA/KA KPS KS H III e, 2410 Freiberg. Plan von der Gegend samt den aufgeworfenen Schanzen, welche unter Kommando des Generals der Kavallerie Baron Hadik unter der Direktion der Majors Walter und Seeger sind gefertigt worden, 1761.10.15-1761.10.24 (Einzelstück (Aktenstück, Bild, Karte, Urkunde. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  7. Friedrich Gatti: Geschichte der K. und K. Technischen Militär-Akademie. Wien, W. Braumüller, 1901 (archive.org [abgerufen am 3. Januar 2026]).
  8. Maria Theresia und Joseph II. Ihre Correspondenz sammt Briefen Joseph's an seinen Bruder Leopold. Herausgegeben von Alfred Ritter von Arneth. 1868 (google.at [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  9. Christian Friedrich Pfeffel von Kriegelstein Théodore Augustin Mann: Histoire du regne de Marie-Thérese [by T.A. Mann]. Pour servir de suite à l'Abrégé chronologique ... 1786 (archive.org [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  10. AT-OeStA/HHStA StAbt Frankreich Varia 25-101. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  11. Joe Sikora: Geschichte des kais. königl. österreichischen 58ten Linien-Infanterie-Regiments vom Jahre 1757 bis 6. August 1846. P. Piller, Lemberg 1857 (hathitrust.org [abgerufen am 29. Dezember 2025] Seitenangabe fehlt).
  12. ANTOLOGIA MILITARE FASCICOLO SPECIALE N. 2 - 2022. 21. Oktober 2022, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch, Seitenangabe fehlt).
  13. Wilhelm Brinner: Geschichte des k.k. [i.e. kaiserlich-koeniglichen] Pionnier-Regimentes. Wien, Verlag des Regiments, 1878 (archive.org [abgerufen am 29. Dezember 2025] Seitenangabe fehlt).
  14. Samuele Romanin: Atti diplomatici della Repubblica di Venezia 1790-1797. tip. di Pietro Naratovich, 1861 (google.at [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  15. Julius Stanka: Geschichte des k. und k. Infanterie-Regimentes Erzherzog Carl Nr. 3. Selbstverlag des Regimentes, 1894 (google.at [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  16. Johann Carl Kautzner: Wanderungen zu den Gottesäckern in den Umgebungen der Stadt Grätz. Ferstl, 1827 (google.at [abgerufen am 29. Dezember 2025]).