Joseph Lade Pawsey

Joseph Lade Pawsey (* 14. Mai 1908 in Ararat, Australien; † 30. November 1962 in Sydney) war ein australischer Radioastronom.

Leben

Joe Lade Pawsey kam am 14. Mai 1908 als einziges Kind von Joseph Andrews Pawsey, Farmer und Mitbegründer der Country Party in Victoria, und Margaret Pawsey, geborene Lade, ebenfalls in der Partei aktiv, in Ararat im australischen Bundesstaat Victoria zur Welt. Trotz unterbrochener Schulbesuche ging Pawsey 1923 mit Hilfe eines Stipendiums zum Wesley College in Melbourne, zeichnete sich in Mathematik und Physik aus und erhielt bereit 1924 die Qualifikation zum Universitätsstudium, das er aber nicht sofort antrat. Er verbrachte sieben Monate in Europa, kehrte dann zunächst zum Wesley College zurück und studierte ab 1926 an der Universität Melbourne, wo er 1929 seinen Bachelor und zwei Jahre später seinen Master-Abschluss in Physik machte.[1] Ausgestattet mit einem Forschungsstipendium ging er an das Sidney Sussex College der University of Cambridge, wo er unter John Ashworth Ratcliffe mit Arbeiten über Unregelmäßigkeiten in der Kennelly-Heaviside-Schicht der Ionosphäre promoviert (Ph.D.) wurde.[2][3] Im April 1934 verließ er Cambridge und ging in die Forschungsabteilung der EMI Electronics Ltd, wo er im Alexandra Palace an der damals aufkommenden Fernsehtechnik arbeitete.[1] 1935 heiratete er Greta Lenore Nicoll[2], aus der Ehe gingen ihre drei Kinder Margaret, Stuart und Hastings hervor.[1]

Am 2. Februar 1940 kehrte Pawsey nach Australien zurück und trat eine Stelle an der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation in Sydney an. Dort leistete er während des Zweiten Weltkriegs für die Royal Australian Navy (Marine) und Royal Australian Air Force (Luftwaffe) wichtige Arbeiten in der Radartechnik, was ihn von Juli bis Oktober 1942 bis an das renommierte MIT Radiation Laboratory führte.

Nach dem Krieg begründete Pawsey die Radioastronomie in Australien und galt auch international als Pionier auf diesem Gebiet. Seine Beobachtungsstationen lagen in Vororten Sydneys.[1] Er untersuchte zusammen mit Ruby Payne-Scott und Lindsay McCready die von der Sonne ausgehenden Emissionen im Bereich der Radiowellen sowie ihre Korrelationen zu Sonnenflecken[4] und kam zu dem Schluss, dass die gemessene Strahlung ihren Ursprung in der Sonnenatmosphäre haben müsse. Besonders zu erwähnen sind seine Beobachtungen über sehr hohe Strahlungstemperaturen (106 °K) bestimmter Frequenzbereiche, die weit über der Temperatur des Schwarzskörpers (zirka 6000 °K) liegen.[5] Dazu kamen später wichtige Beobachtungen von galaktischen und extragalaktischen Radioquellen hinzu.[6] Von 1952 bis 1958 war Pawsey Präsident der IAU-Kommission 40 für Radioastronomie.[7]

Im Dezember 1961 wurde ihm die Nachfolge von Otto von Struve als Direktor des Green-Bank-Observatoriums des National Radio Astronomy Observatory in West Virginia (USA) angetragen. Während eines vorbereitenden Besuchs des Observatorium im März 1962 erlitt er eine Lähmung am linken Arm und Bein. Nach einer kurzzeitigen Besserung der Situation musste schließlich ein bösartiger Hirntumor operativ entfernt werden. Er erholte sich so weit, dass er im Juli nach Sydney zurückreisen konnte, doch im Oktober verschlechterte sich sein Gesundheitszustand derart, dass er sich am 26. Oktober ins Krankenhaus begeben musste, wo er gut einen Monat später im Alter von 54 Jahren verstarb.[1]

Literatur

Literatur von und über Joseph Pawsey:

  • J. L. Pawsey, S. F. Smerd: Solar Radio Emission. Hrsg.: The Sun Edited by Gerard P. Kuiper. The University of Chicago Press, 1953, bibcode:1953sun..book..466P (englisch).
  • J. L. Pawsey, R. N. Bracewell: Radio Astronomy. Clarendon Press, Oxford 1955, bibcode:1955radi.book.....P (englisch).
  • W. M. Goss, Claire Hooker, Ronald D. Ekers: Joe Pawsey and the Founding of Australian Radio Astronomy: Early Discoveries, from the Sun to the Cosmos (Historical & Cultural Astronomy). Springer, 2023, ISBN 3-03107915-9 (englisch).

Ehrungen

Commons: Joseph Lade Pawsey – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e A. C. B. Lovell: Joseph Lade Pawsey, 1908-1962. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society. Band 10, November 1964, S. 229–243, doi:10.1098/rsbm.1964.0014 (englisch).
  2. a b J. F. Kerr: Joseph Lade Pawsey (obituary). In: Quarterly Journal of the Royal Astronomical Society. Band 4, 1963, S. 317–319, bibcode:1963QJRAS...4..317. (englisch).
  3. J. A. Ratcliffe, J. L. Pawsey: A study of the intensity variations of downcoming wireless waves. In: Cambridge Philosophical Society (Hrsg.): Mathematical Proceedings of the Cambridge Philosophical Society. Band 29, Nr. 2, 1933, S. 301–318, doi:10.1017/S0305004100011117 (englisch).
  4. L. L. McCready, J. L. Pawsey, Ruby Payne-Scott: Solar Radiation at Radio Frequencies and Its Relation to Sunspots. In: Proceedings of the Royal Society of London. Series A, Mathematical and Physical Sciences. Band 190, Nr. 1022, August 1947, S. 357–375, doi:10.1098/rspa.1947.0081, bibcode:1947RSPSA.190..357M (englisch).
  5. J. L. Pawsey: Observation of Million Degree Thermal Radiation from the Sun at a Wavelength of 1.5 Metres. In: Nature. Band 158, 2. November 1946, S. 633–634, doi:10.1038/158633a0 (englisch).
  6. J. L. Pawsey: Sydney Investigations and Very Distant Radio Sources. In: Publications of the Astronomical Society of the Pacific. Band 70, Nr. 413, 1958, S. 133–140, doi:10.1086/127198, bibcode:1958PASP...70..133P (englisch).
  7. Jessica M. Chapman, Gabriele Giovaninni, Russell Taylor, Christopher Carilli, Richard Hills. Hisashi Hirabayashi, Justin Jonas, Joseph Lazio, Rafaella Morganti, Rendong Nan, Monica Rubio, Prajval Shastri, Ken Kellermann, R. D. Ekers, Masatoshi Ohishi: Division B commission 40: Radio astronomy. In: Proceedings of the International Astronomical Union. Band 11, 1. August 1015, S. 171–184, doi:10.1017/S1743921316000739 (englisch).
  8. Joseph Lade Pawsey. Royal Astronomical Society, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
  9. Two scientists honoured. Canberra Times, 13. Januar 1954, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
  10. Matthew Flinders Medal and Lecture. Australian Academy of Science, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
  11. Roll of honour. Australian National University, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
  12. Siehe Artikel Pawsey Medal und die dortigen Quellenangaben.
  13. Pawsey im Gazetteer of Planetary Nomenclature der IAU (WGPSN) / USGS
  14. Pawsey History. pawsey, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).