Joseph M. Marshall
Joseph M. Marshall III. (* 8. April 1945 im Rosebud Indianerreservat, Rosebud, South Dakota; † 18. April 2025 ebenda) war ein US-amerikanischer Historiker, Schriftsteller, Lehrer und Schauspieler. Er war im Jahr 1971 Gründungsmitglied des Vorstands der Sinte Gleska University im Indianerreservat von Rosebud.
Marshall veröffentlichte als Autor zahlreiche Sachbücher, die auf der mündlichen Überlieferung und Kultur der Lakota basieren, der westlichsten Dialekt- und Stammesgruppe der Sioux aus der Sioux-Sprachfamilie. Sein Buch The Day the World Ended at Little Bighorn gewann 2008 den „Beyond Margins Award“ von PEN International.
Leben
Marshall wurde im Rosebud-Indianerreservat im US-Bundesstaat South Dakota geboren, wo er auch aufwuchs. Er war das älteste von elf Kindern von Joseph Marshall Sr. und Hazel Two Hawk und Mitglied des bundesstaatlich anerkannten Sicangu Oyate (Rosebud Sioux, Lakota). Er wurde in einem traditionellen Haushalt in der Horse Creek Community nahe White River (Maka Izita Wakpa, „Rauchender Erdboden-Fluss“) von seinen Großeltern mütterlicherseits erzogen. Lakota war seine erste Sprache war; Englisch lernte er als Zweitsprache und schrieb sowie veröffentlichte auf Englisch.[1][2]
Zusammen mit seiner Frau Connie hatte er sechs Töchter und drei Söhne.[2]
Marshall starb im Alter von 80 Jahren und hinterließ neben seiner Ehefrau und seinen Kindern zahlreiche Enkelkinder. Seine Beisetzung erfolgte im Reservat. Das umfangreiche literarische Werk, das die Geschichte und Kultur der Lakota einem breiten Publikum zugänglich machte, wird vom Aktá Lakota Museum & Cultural Center verwaltet und gepflegt.[3][4][5]
Karriere
Nach dem College arbeitete Marshall hauptsächlich als Englischlehrer an der Todd County High School in Mission, South Dakota. 1971 war er Gründungsmitglied des Vorstands der Sinte Gleska University, des Tribal College (Hochschule in Trägerschaft eines indianischen Stammes) der Sicangu-Lakota im Reservat. Später lehrte er dort und half beim Aufbau eines Curriculums und der Erstellung einer Studienordnung für „Native American Studies“.[1]
Er half auch bei der Gründung einer gemeinnützigen Interessenvertretung für indianische Schüler und Eltern. Außerdem arbeitete er als Administrator für Bildungs- und Gesundheitsprogramme des Stammes der Rosebud-Sioux. Nebenbei war er Handwerker und fertige traditionelle Lakota-Bögen und -Pfeile.[1]
Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete Marshall als Schriftsteller und Schauspieler. So war er 1992 in The Real West zu sehen und wirkte in der Miniserie Return to Lonesome Dove mit, die auf Romanen der Weg in die Wildnis-Reihe von Larry McMurtry basiert. Seine letzte Rolle war die des Ältesten „Loved by the Buffalo“ in der Miniserie Into the West – In den Westen von Turner Network Television. 2019 war er zudem im Podcast Native Hope. Im deutschen Sprachraum wurde Marshall unter anderem von Helmut Gauß synchronisiert.[2][6][7][8][9]
Literatur
Marshall schrieb hauptsächlich historische Sachliteratur über die Geschichte und Kultur der Lakota. 1998 lobte die Wissenschaftlerin Mona Kratzert seine Arbeit für die intime Darstellung der Lakota-Kultur.[10]
Sein fünftes Buch, The Lakota Way: Stories and Lessons for Living aus dem Jahr 2002, war Finalist für den renommierten „Books for a Better Life Award“ der Multiple Sclerosis Society, New York City. Es war außerdem Finalist in der Kategorie „Creative Non-Fiction“ des „PEN Center USA“-Preises.[1]
2008 gewann sein Buch The Day the World Ended at Little Bighorn den „Beyond Margins Arts Award“ des PEN American Center.[11]
Zu seinen Werken gehören unter anderem:
- Joseph M. Marshall III, Robert Kammen, Frederick Lefthand: Soldiers Falling into Camp: The Battles at the Rosebud and the Little Big Horn. Affiliated Writers of America, Encampment, Wyo. 1992, ISBN 1-879915-04-9.
- Winter of the Holy Iron. Red Crane Books, Santa Fe 1994, ISBN 1-878610-44-9.
- On Behalf of the Wolf and the First Peoples. Red Crane Books, Santa Fe, N.M. 1995, ISBN 1-878610-45-7.
- The Dance House: Stories from Rosebud. Red Crane Books, Santa Fe, N.M. 1998, ISBN 1-878610-66-X.
- The Lakota Way: Stories and Lessons for Living. Viking Compass, New York 2001, ISBN 0-14-219609-6 (Taschenbuch).
- Walking with Grandfather: The Wisdom of Lakota Elders. Sounds True, Boulder, CO 2005, OCLC 924368087.
- The Journey of Crazy Horse: A Lakota History. Penguin Books, New York 2005, ISBN 0-14-303621-1.
- Bleib auf deinem Weg – Die Weisheit eines alten Indianers. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2007, ISBN 978-3-451-07069-3 (Taschenbuch).
- The Day the World Ended at Little Bighorn: A Lakota History. Viking Adult, New York 2007, ISBN 978-0-670-03853-4.
- Hundred in the Hand. Fulcrum Publishing, Golden 2007, ISBN 978-1-55591-632-9.
- The Long Knives Are Crying. Fulcrum Publishing, Golden 2008, ISBN 978-1-55591-659-6.
- The Power of Four: Leadership Lessons of Crazy Horse. Sterling Publishing, New York 2009, ISBN 978-1-4027-7274-0.
- Die Lehren von Pfeil und Bogen. Mit der Weisheit der Indianer zu Mut und Stärke gelangen. Herder, Freiburg 2010, ISBN 978-3-86445-389-2 (amerikanisches Englisch: The Lakota Way of Strength and Courage.).
- In the Footsteps of Crazy Horse. Amulet Books, New York 2015, ISBN 978-1-4197-0785-8.
- Rückkehr zur Lebensweisheit der Lakota. Alte Werte zur Rettung einer modernen Welt. Herder, Freiburg 2014, ISBN 978-3-86445-163-8 (amerikanisches Englisch: Returning to the Lakota Way.).
- Sing For The Red Dress. Lucid House Publishing, Marietta, Georgia 2024, ISBN 978-1-950495-54-2.
Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er verfasste ebenfalls Drehbücher und fungierte als Berater für Dokumentationen.[2][7]
Filmografie (Auswahl)
- 1992: The Real West (Fernsehserie)
- 1993: Wildes Land (Return to Lonesome Dove; Miniserie)
- 2005: Into the West – In den Westen (Miniserie)
- 2015: Tony Robinson’s Wild West (Miniserie)
- 2015: Dodging Bullets
- Native Hope (Podcast)
Weblinks
- The official website of Joseph Marshall III ( vom 22. Juli 2012 im Internet Archive)
- Joseph M. Marshall III bei IMDb
- Joseph M. Marshall bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Akta Lakota Museum & Cultural Center: Joseph Marshal III ( vom 19. Juni 2021 im Internet Archive).
- ↑ a b c d The official website of Joseph Marshall III ( vom 22. Juli 2012 im Internet Archive).
- ↑ Joseph Marshall, III. In: Aktá Lakota Museum & Cultural Center. Abgerufen am 14. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Obituary: Joseph M. Marshall III. In: Kotrba-Smith Funeral Home. Abgerufen am 14. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Joseph M. Marshall in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Joseph M. Marshall (III). In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ a b Joseph M. Marshall. Internet Movie Database, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Joseph M. Marshall. Internet Movie Database, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Joseph M. Marshall bei Fernsehserien.de, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Mona Kratzert: Native American Literature: Expanding the Canon. Collection Building, Bd. 17, Nr. 1, 1998, S. 4.
- ↑ Joseph M. Marshall III: The Day the World Ended at Little Bighorn. (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche in Webarchiven) PEN American Center, abgerufen am 19. Juli 2012.