Joseph Koechlin-Schlumberger
Joseph Koechlin-Schlumberger (* 6. Dezember 1796 in Mülhausen im Elsass; † 25. Oktober 1863 in Mülhausen)[1] war ein elsässisch-französischer Industrieller, Geologe und Politiker. Er leistete Bedeutendes beim Aufbau der oberelsässischen Textilindustrie, war zeitweilig Bürgermeister seiner Heimatstadt und beschäftigte sich als Amateur-Geologe mit der Geologie des Oberelsass.
Biografie
Joseph Koechlin-Schlumberger wurde als Joseph Koechlin als Spross der bedeutenden protestantischen elsässischen Familie Koechlin im oberelsässischen Mülhausen geboren, kurz bevor die Stadt im Rahmen der Revolutionskriege an Frankreich fiel. Er erhielt seine Schulbildung in Yverdun bei Johann Heinrich Pestalozzi in der Schweiz. Im Jahr 1811, im Alter von 15 Jahren, kehrte er in seine Geburtsstadt zurück und bildete sich im Selbststudium und mittels Privatunterricht vor allem in den Naturwissenschaften weiter fort. Außerdem widmete er sich der Musik.[2][3] Von 1818 bis 1822 war er Direktor der Spinnerei in Soultzmatt, die vom Unternehmen Schlumberger, Grosjean et Compagnie betrieben wurde. 1828 heiratete er Caroline Elise Schlumberger, die Tochter eines der Fabrikbesitzer, aus der prominenten elsässischen Familie Schlumberger.[1] Seitdem nannte er sich mit Doppelnamen Koechlin-Schlumberger. Im Auftrag des Unternehmens gründete er in Mülhausen eine neue Spinnerei und 1830 auch eine Kattundruckerei, die bald zur Bedeutendsten im ganzen Elsass avancierte. Er war der Hauptinitiator der Gründung der Société industrielle de Mulhouse, die nicht nur den Zweck der technischen und wissenschaftlichen Verbesserung der Maschinen und Produkte verfolgte, sondern sich auch den Fragen der Arbeiterwohlfahrt widmete. Unter der Ägide der Gesellschaft entstanden für die damalige Zeit fortschrittliche Arbeitshäuser und Wohltätigkeitsanstalten für die Industriearbeiterschaft.[2] Durch letztere Initiativen erwarb sich Koechlin-Schlumberger ein erheblichen Ansehen in der Öffentlichkeit. Seit 1831 war er Mitglied des Stadtrats[3] und von 1848 bis 1852 amtierte er als stellvertretender Bürgermeister sowie 1852 bis 1863 als Bürgermeister (Maire) Mülhausens.[4] Auch in diesen Funktionen bemühte er sich um das öffentliche Wohl, und unter seiner Leitung wurden zahlreiche Arbeiten und Neubauten ausgeführt oder begonnen, so die Stadtkanalisierung, die Errichtung von Museen, eines Theaters, von öffentlichen Gärten, Monumenten, Volksbibliotheken, Gewerbe-, Spinn- und Weberschulen, sowie höheren technischen Lehranstalten.[2]
Neben seiner Tätigkeit als Fabrikant und zeitweiliger öffentlicher Amtsträger widmete sich K.-S. seinem privaten Interessengebiet, der Geologie. 1845 zog er sich weitgehend aus der Leitung seines Unternehmens zurück und widmete sich seinen geologischen Forschungen. Obwohl nicht studierter Amateur, eignete er sich detaillierte Kenntnisse an und sammelte über 15 Jahre hinweg Gesteinsproben. Darauf aufbauend erstellte er eine geologische Karte des linksrheinischen Oberrheingebiets. Die geplante Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse in zwei Bänden erlebte er jedoch nicht mehr, da er 1863 im Alter von 66 Jahren verstarb. Sein Freund und Mitarbeiter Joseph Delbos übernahm die Ordnung der Notizbücher K.-S. und die Herausgabe des Werkes, das 1866/1867 im Druck erschien.[2][1]
Nachkommen
Aus seiner Ehe mit Caroline Elise Schlumberger gingen vier Kinder hervor:[5]
- Caroline (1829–1903) ∞ Jean Mieg
- Emile (1830–1912) ∞ Wynanda Nicola
- Eugène (1832–1906) ∞ Laure Huguenin
- Joseph (1844–1888) ∞ Clara Witz
Werke
Koechlin-Schlumberger veröffentlichte ab 1826 etwa 32 kleinere Artikel überwiegend im Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse. Diese Artikel befassten sich zum Teil mit industriell-technischen und zum Teil mit wissenschaftlichen Themen.[1] Eine vollständige Bibliographie findet sich im Anhang der Kurzbiographie von Charles Grad (s. u.). Posthum erschien:
- Joseph Delbos, Joseph Koechlin-Schlumberger: Description géologique et minéralogique du département du Haut-Rhin. Band 1. Verlag Emile Perrin, Mülhausen 1866 (französisch, digitalisierter Volltext in der Google-Buchsuche).
- Joseph Delbos, Joseph Koechlin-Schlumberger: Description géologique et minéralogique du département du Haut-Rhin. Band 2. Verlag Emile Perrin, Mülhausen 1867 (französisch, digitalisierter Volltext in der Google-Buchsuche).
Literatur
- Bernard Fischbach: Ces maires qui ont fait Mulhouse. Éditions du Rhin, Steinbrunn-le-Haut 1983, ISBN 978-2-86339-010-8 (französisch).
- Charles Grad: Joseph Kœchlin-Schlumberger, 1796–1863: Notice présentée à la Société d’histoire naturelle de Colmar. In: Études Historiques sur les Naturalistes d’Alsace. Verlag Eugène Barth, Colmar 1874 (französisch, digitalisierter Volltext in der Google-Buchsuche).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d KOECHLIN Charles Joseph Émile. alsace-histoire.org, abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b c d Wilhelm von Gümbel: Koechlin-Schlumberger. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 16, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 409 f.
- ↑ a b Édouard Sitzmann (Hrsg.): Dictionnaire de biographie des hommes célèbres de l'Alsace : depuis les temps les plus reculés jusqu'à nos jours. Band 2 K–Z. Éditions du Palais Royal, Paris 1973, S. 58–59 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Die Notizbücher von Joseph Koechlin-Schlumberger. numistral.fr, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Joseph-Émile KOECHLIN. memoire-mulhousienne.fr, abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch).