Joseph Keller (Ingenieur)
Joseph Keller, portugiesisch José Keller (* 20. Februar 1804 in Gerlachsheim, Fürstentum Krautheim; † 31. August 1877 in Karlsruhe, Großherzogtum Baden), war ein deutscher Bauingenieur.
Leben
Joseph Keller entstammte einer Beamtenfamilie aus dem nordbadischen Taubertal und absolvierte als Ingenieur das Polytechnikum Karlsruhe.[1] Ferner studierte er in Wien.[2] 1829 wurde er als Ingenieurpraktikant angestellt, 1834 zum Wasser- und Straßenbaukondukteur erster Klasse bei der Inspektion Mannheim ernannt.[3][4] Am 21. Oktober desselben Jahres heiratete er Marie Delorme (1811–1876),[5] die im Jahr darauf den Sohn Franz als erstes von fünf Kindern gebar. 1841 erhielt Keller das Amt eines großherzoglich-badischen Straßen- und Wasserbauinspektors in Karlsruhe. In seine Tätigkeitsfelder fielen die Erweiterung des Mannheimer Hafens, der Bau der Eisenbahnlinien von Mannheim nach Heidelberg sowie von Karlsruhe nach Rastatt, ein bedeutender Teil der Rheinbegradigung sowie der Chausseebau für verschiedene Straßen im nördlichen Schwarzwald.
Mit vierjähriger Beurlaubung ging er mit seiner Familie Ende 1855 im Auftrag der Regierung der Provinz Rio de Janeiro und der von Mariano Procópio Ferreira Lage (1821–1872) geleiteten Companhia União e Indústria für Vermessungsarbeiten und ingenieurtechnische Planungen eines Mautstraßenprojektes nach Brasilien.[6] Nach Ablauf dieser Frist quittierte er den großherzoglich-badischen Staatsdienst, weil die badische Regierung die Beurlaubung nicht verlängern wollte. Im Kaiserreich Brasilien oblagen Keller bis 1863 insbesondere hydrographische und topographische Untersuchungen für die Trasse der 147 Kilometer langen Schotterstraße von Petrópolis nach Juiz de Fora einschließlich einer Eisenbrücke über den Rio Paraíba do Sul mit drei, je 51 Meter langen Spannweiten.[7] Mit finanzieller Unterstützung der brasilianischen Regierung führte er bis zum Ausbruch des Tripel-Allianz-Krieges (1864) eine ingenieurtechnische Straßenbau-Voruntersuchung für den Bereich zweier Zuflüsse des Rio Paraíba do Sul durch, ehe er den Auftrag erhielt, Täler in der Provinz Parana für den Bau einer Straße in die Provinz Mato Grosso zu erkunden.[8] 1866 unternahm Keller mit seinem Sohn Franz, der später Reiseberichte darüber schrieb, eine Forschungsexpedition an den Rio Iguaçu.[9] 1869 kehrte Keller nach Deutschland zurück. Im Alter von 73 Jahren starb er in Karlsruhe.
Für seine Verdienste verlieh ihm der brasilianische Kaiser Peter II. das Ritterkreuz des brasilianischen Christusordens.[10]
Ferdinand Keller, ein weiterer Sohn, der den Vater nach Brasilien begleitet hatte, wurde Maler.
Literatur
- Keller (Joseph). In: Otto Spamer (†), Max Lange, Hugo Spamer (Hrsg.): Spamers Illustrirtes Konversations-Lexikon. Zweite gänzlich umgearbeitete Auflage, Band 5: J. K. L. Verlag O. Spamer, Leipzig 1893, Sp. 582 (Google Books).
Weblinks
- Keller, Joseph, Eintrag im Portal deutsche-biographie.de
Einzelnachweise
- ↑ Cronologia de Franz Keller-Leuzinger (1835–1890), Webseite vom 28. September 2021 im Portal brasilianafotografica.bn.gov.br, abgerufen am 23. September 2025
- ↑ Keller, Joseph. In: Pierer’s Konversations-Lexikon. 7. Auflage, Band 8: Kalkeinlagerungen – Lübbesee. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1891, S. 267 (Google Books)
- ↑ Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt. Ausgabe vom 7. Mai 1834, S. 145 (Google Books)
- ↑ Keller, Jos., von Philippsburg. In: Vollständige Sammlung der Großherzoglich Badischen Regierungsblätter, von deren Entstehung 1803 bis Ende 1833. Band 2, Verlag der D. R. Marr’schen Buch- und Kunsthandlung, Karlsruhe/Baden 1834, S. 737 (Google Books)
- ↑ Michael Koch: Ferdinand Keller (1842–1922). Leben und Werk. C. F. Müller, Karlsruhe 1978, ISBN 978-3-7880-9618-2, S. 9, 59
- ↑ Roland Spliesgart: „Verbrasilianerung“ und Akkulturation. Deutsche Protestanten im brasilianischen Kaiserreich am Beispiel der Gemeinden in Rio de Janeiro und Minas Gerais (1822–1889). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-447-05480-5, S. 150, Fußnote 239 (Google Books)
- ↑ Franz Keller-Leuzinger: Ein Straßenbau und die Anlage einer deutschen Colonie in Brasilien. In: Die Gartenlaube. Jahrgang 1884, Heft 18, S. 299
- ↑ Franz Keller’s Aufnahmen in Süd-Amerika und die Eisenbahn längs des Madeira-Stromes. In: August Petermann: Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesamtgebiete der Geographie. Band 19, 1873, S. 410 (Google Books)
- ↑ Cezar Karpinski: Gentes e paisagens do rio Iguaçu na viagem expedicionária dos engenheiros Keller em 1866. In: Revista de História Regional. 17 (1), November 2012, S. 38–65
- ↑ Staats-Anzeiger für das Großherzogthum Baden. Nr. XLV vom 21. Oktober 1871, S. 438 (Google Books)