Joseph Hieronymus Karl Kolborn

Joseph Hieronymus Karl Kolborn (* 8. März 1744 in Niederwalluf, Rheingau; † 20. Mai 1816 in Aschaffenburg) war ein römisch-katholischer Geistlicher und Staatsmann im Staat des Fürstprimas. Er war ab 1806 Weihbischof des Erzbistums Regensburg mit Sitz in Aschaffenburg, wo er als Stellvertreter des Fürsterzbischofs Karl Theodor von Dalberg die rechtsrheinischen Gebiete der ehemaligen Erzdiözese Mainz verwaltete.

Leben

Joseph Hieronymus Karl Kolborn war der Sohn des Oberschultheißen Sebastian Kolborn und seiner Ehefrau Anna Maria, geb. Mella.[1] Er studierte katholische Theologie am Priesterseminar in Mainz, später an der Universität Mainz. 1766 wurde er zum Diakon und im Jahr darauf zum Priester geweiht. Anschließend wurde er für die Familie Stadion als Erzieher der Grafen Friedrich Lothar und Johann Philipp von Stadion tätig und begleitete die Brüder bei ihrer Grand Tour und ihren Studien als Hofmeister. Er erwarb sich das Vertrauen dieser einflussreichen süddeutschen Familie und blieb den Brüdern zeitlebens ein enger Vertrauter und Ratgeber. Dem Einfluss dieser Familie verdankte er sein erstes Kanonikat an St. Stephan in Mainz, wo er 1792 Dekan wurde. 1785 wurde er auch Kanoniker an St. Leonhard in Frankfurt am Main. Seine Ernennung zum Geistlichen Rat 1788 soll er dem letzten Kurfürsten von Mainz Karl Theodor von Dalberg mit zu verdanken haben, der ihn auch mit seinen persönlichen Angelegenheiten befasste. 1794 wurde Kolborn Mitglied des Generalvikariats in Mainz.

Infolge der französischen Besetzung und Annexion der linksrheinischen Gebiete von Kurmainz einschließlich der Residenzstadt wechselte Kolborns Förderer Karl Theodor von Dalberg mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 als Kurerzkanzler an die Spitze des Erzbistums Regensburg, zugleich wurde er Herrscher des neugeschaffenen, säkularen Fürstentums Aschaffenburg, das aus den rechtsrheinischen Gebieten von Kurmainz bestand. Dalberg ernannte Kolborn 1805 zum Geheimen Rat.[2] Nach dem Tod des Mainzer Weihbischofs Johann Valentin Heimes wurde Kolborn am 17. November 1806 zum Weihbischof der Erzdiözese Regensburg ernannt[2] und am 11. Januar 1807 in der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau in Aschaffenburg durch Karl Theodor von Dalberg konsekriert.[3] Als Titularbistum wurde ihm Capharnaum verliehen. Dalberg beauftragte seinen Stellvertreter Kolborn mit der Verwaltung des rechtsrheinischen Teils der ehemaligen Erzdiözese Mainz. In seine Amtszeit fiel die Abwicklung der süddeutschen Restbistümer nach der Säkularisation.

Kolborn war seinem Vorbild Dalberg folgend zeitweilig Illuminat. Er wurde 1813 als Freiherr des Großherzogtums Frankfurt nobilitiert.

Weihbischof von Kolborn starb am 20. Mai 1816 und wurde auf dem neuen Kirchhof (Altstadtfriedhof Aschaffenburg), den er selbst im Jahre 1809 geweiht hatte, begraben. Seiner Begräbnuß ist dahier noch kein Gleichnuß gewesen, denn sie war mehr als prachtvoll. Alles wollte derselben beiwohnen.[4] Seine letzte Ruhestätte fand er unter dem Kreuz aus dem 1811 aufgelassenen Friedhof bei der Kirche St. Agatha, das auf den neuen Friedhof versetzt wurde, bei den Priestergräbern.[5][6]

Wappen

Der Wappenschild von Blau und Schwarz gespalten. Vorne ein goldenes schwebendes Kreuz mit einem Ring oben (Brustkreuz); hinten eine goldene Fußangel (Wolfsangel) in Gestalt eines Z (Stammwappen der Kolborn). Auf dem Schild stehen zwei golden gekrönte Helme; vorne zwischen zwei offenen blauen Flügeln das goldene Kreuz, hinten zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern die goldene Fußangel. Die Decken sind vorne blau und gold und hinten schwarz und gold. Geistliche Würdezeichen fehlen.

Das goldene Kreuz erhielt Weihbischof von Kolborn bei Erhebung in den Freiherrenstand als Wappenvermehrung (Freiherrenbrief von Fürst Primas Karl Theodor von Dalberg zu Aschaffenburg, anno 1813).[7]

Siehe auch

Literatur

Commons: Joseph Hieronymus Karl Kolborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Konrad Fuchs: Kolborn, Karl Joseph Hieronymus. In: BBKL, Band 29, Sp. 916.
  2. a b Konrad Fuchs: Kolborn, Karl Joseph Hieronymus. In: BBKL, Band 29, Sp. 917.
  3. Franz Haus: Chronik von der Stadt Aschaffenburg. Handschriftliches Exemplar, Aschaffenburg 1818, StAA.
  4. Chronik von der Stadt Aschaffenburg oder der lustige Zeitvertreib – Nur für Freunde und Liebhaber. Geschrieben von Franz Haus, Glöckner ad B.M.V. zu Aschaffenburg, Druck und Verlag J. Hembt 1855 (S. 16) S. 22.
  5. Martin Balduin Kittel, Aufzeichnungen
  6. Aschaffenburger Häuserbuch. Band V: … Treibgasse und Agathaplatz, …. Bearbeitet von Monika Ebert und Ernst Holleber. Geschichts- und Kunstverein e. V., Aschaffenburg 2001, S. 395, ISBN 3-87965-084-5.
  7. Johann Siebmacher’s großes Wappenbuch, Bd. II, 1. Abt., Bayerischer Adel, Freiherren, Nürnberg 1856, S. 43 und T. 42.