Josefine Grimme
Josefine Grimme, geschiedene Kopf, verwitwete Kuba, geborene Freiin von Behr, (* 3. Oktober 1907; † 22. April 1999 in Brannenburg)[1] war eine deutsche politische Aktivistin. Sie betätigte sich in der Weimarer Republik in der NSDAP und war zeitweise Sekretärin von Joseph Goebbels, bevor sie der sezessionistischen Gruppe um Walther Stennes angehörte. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt durch ihre Ehen mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf sowie dem Kultusminister und Intendanten des NWDR Adolf Grimme (beide SPD).
Leben und Betätigung
Josefine von Behr war die Tochter von Arthur Freiherr von Behr (1862–1909), einem deutsch-baltischen Polizeimeister in Mitau und Libau, und seiner Ehefrau Wanda geb. Baronin von der Ropp (1877–1962). Ihr älterer Bruder Artur von Behr (1904–1974) war von 1926 bis 1928 Führer der NSDStB-Hochschulgruppe Berlin, später Verleger und nach dem Krieg von Bovenden aus ab 1949/1950 Herausgeber der Baltischen Rundschau.
Als junge Frau begann sie sich politisch zu betätigen. Zum 3. Dezember 1925 trat sie der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 22.986).[2] 1926 wurde sie persönliche Sekretärin des damals zum Gauleiter der NSDAP in Berlin ernannten Joseph Goebbels. Diese Stellung behielt sie bis 1929 bei. Andeutungen in Goebbels’ Tagebüchern zufolge waren beide zeitweise auch privat miteinander lose liiert.[3] 1930 näherte Behr sich dem Berliner SA-Chef Walther Stennes an. Wegen der Ablehnung, die Stennes und seine Anhänger in der Berliner SA dem politischen Kurs Adolf Hitlers und der Münchener Parteiführung der NSDAP und speziell ihrer Strategie zur Machteroberung entgegenbrachten, kam es am 1. April 1931 zur sogenannten Stennes-Revolte, in deren Folge Stennes und seine Unterstützer offen mit Hitler und der Parteiführung brachen und ihr die Gefolgschaft aufkündigten. Die Strategie Hitlers und der Parteiführung hatte darin bestanden, mit formal legalen Mitteln nach der politischen Macht im Staat zu streben, wohingegen Stennes für eine aktivistisch-revolutionäre Auseinandersetzung und somit für eine Beseitigung des Weimarer Systems plädierte. Im Zuge dieser Krise, die die Berliner NSDAP und SA einige Wochen lang erschütternde und die mit dem Ausschluss Stennes’ und seiner Anhänger aus der NSDAP und der SA bzw. ihrer Abspaltung von diesen endete, schied auch Josefine von Behr aus der Partei aus.
Einem Bericht des Nachrichtendienstes von Kurt Daluege aus dem Jahr 1933 zufolge fungierte Behr anschließend noch bis 1933 als Privatsekretärin von Stennes. Außerdem soll sie in führender Weise in dessen Nachrichtendienst tätig gewesen sein. So habe sie von einer Freundin im Braunen Haus in München Nachrichten über die NSDAP bezogen, die zu den wichtigsten Quellen der Stennes-Organisation in ihrem Kampf gegen die NSDAP gehört haben sollen.
In erster Ehe heiratete Behr am 1. Dezember 1933 Wolfgang Kuba (* 17. Juni 1895; † 22. Februar 1934), den Besitzer des 400 Hektar großen Ritterguts Sodow in Oberschlesien (heute Sadów, in der Gemeinde Koszęcin). Dieser starb weniger als drei Monate nach der Eheschließung durch einen Unfall.[4]
Am 10. Mai 1940 heiratete sie in Königshütte (heute Chorzów) in zweiter Ehe Hinrich Wilhelm Kopf, der zu dieser Zeit als Vermögenstreuhänder der Haupttreuhandstelle Ost im von Deutschland besetzten Polen tätig war.[5] 1943 zog sich das Ehepaar auf das Gut Sodow zurück.[6] In einem Flüchtlingstreck verließen beide den Ort im Januar 1945. Im selben Jahr wurde ihr Ehemann zum Oberpräsidenten der Provinz Hannover und 1946 erst zum Ministerpräsidenten des Landes Hannover und später zum Ministerpräsidenten des neuen Landes Niedersachsen ernannt. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1947 heiratete sie in dritter Ehe Adolf Grimme, der als Kultusminister im Kabinett ihres zweiten Ehemannes tätig gewesen war. Adolf Grimme wurde 1948 zum Generaldirektor des NWDR gewählt. Mit ihm war sie bis zu dessen Tod im Jahr 1963 verheiratet.
Literatur
- Kai Burkhardt: Adolf Grimme (1889–1963). Eine Biografie, Böhlau 2007, ISBN 978-3-412-20025-1
Einzelnachweise
- ↑ https://www.myheritage.de/names/josefine_kuba
- ↑ Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/1620763
- ↑ Joseph Goebbels: Tagebücher 1926. Abgerufen am 6. Februar 2019.
- ↑ Josefine Grimme adoptierte Wolfgangs Sohn Ferdinand Kuba aus erster Ehe, der sich später aktiv in die Debatte um Kopfs polnische Zeit einschaltete: https://www.nwzonline.de/leserbriefe/streit-um-kopf-doktorarbeit_a_20,0,1185864892.html
- ↑ Landrat müsste man sein. In: Der Spiegel. 20. April 1955, abgerufen am 8. Februar 2019.
- ↑ Projektgruppe: Namensgebende Persönlichkeiten. In: Abschlussbericht. Abgerufen am 7. Februar 2019.