Josef von Hausner

Josef Hausner, ab 1892 Josef Edler von Hausner (* 20. Mai 1829 in Wien; † 10. November 1907 ebenda),[1] war ein österreichischer Offizier der Montur-Verwaltungsbranche, Kommandant der Montur-Depots Nr. 4 in Wien und 1 in Brünn und k. k. Generalmajor der Reserve.

Leben

Josef Hausner wirkte nach seinen Verwendungen vom Unterlieutenant 2. Kl. bis Hauptmann 2. Kl. im Infanterieregiment Nr. 12 (Komorn)[2] und nach der erfolgten Umgliederung anschließend in der 6. Compagnie, I. Bataillon[3] des am 1. Februar 1860 in Venedig aufgestellten und anschließend der Haupt-Ergänzungs-Bezirks- und Rechnungskanzlei-Station Trencsin zugewiesenen k.u.k. Linien-Infanterieregiments Nr. 71[4] ab 1865 als Offizier der Montur-Verwaltungsbranche[5] in der ökonomischen Verwaltung der k.u.k. Streitkräfte und wurde 1866 als Angehöriger der im Niembsch-Hof in Stockerau stationierten Militär-Monturs-Hauptkommission zum Hauptmann 1. Klasse befördert.[6]

Im Jahr 1872 wurde er als Leiter der Proben-Ausmittlungs- und Zeichnungs-Kanzlei zum Montur-Depot Nr. 4 in Wien versetzt und im Mai 1875 zum Major ernannt.[7] Während dieser Verwendung verfasste er sein Werk Darstellung der Textil-, Kautschuk- und Leder-Industrie mit besonderer Rücksicht auf Militärzwecke, das von der Kritik überaus positiv aufgenommen wurde, überregional Beachtung fand und mehrere Auflagen erlebte.[8] Seine Entscheidung, den Reinertrag des Werkes der Kaiser Franz Josephs-Stiftung für Offiziers-Witwen und -Waisen zu übergeben, fand dabei besondere Anerkennung[9] und führte nicht zuletzt zur Verleihung der Großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Franz Joseph I., Kaiser von Österreich.[10]

Josef Hausner bekannte sich in dieser Zeit offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[11] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als J. Hausner, Major, als Verehrer Darwin´s wurde er auf Blatt 8 (Wien III) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[12]

Josef Hausner wurde 1878 vom Montur-Depot Nr. 4 in Wien als 2. Stabsoffizier zum Montur-Depot Nr. 1 in Brünn versetzt,[13] wo er sich neben seinen militärischen Hauptaufgaben der Bestimmung der zwischen zwei Körpern wirkenden Kraft und Geräten und technischen Einrichtungen wie dem Dynamometer zur Messung dieser Kräfte widmete und seine dabei gewonnenen Erkenntnisse in zwei Schriften in den Jahren 1880 und 1881 in Brünn veröffentlichte. Danach wurde er erneut in Wien verwendet und wirkte als Oberstlieutenant und Kommandant des Montur-Depots Nr. 4 in Wien (Kaiserebersdorf).

Im Jahr 1888 wurde er auf den höher dotierten Posten als Kommandant des Montur-Depots Nr. 1 in Brünn versetzt[14] und im Mai 1890 zum Oberst befördert.[15]

Er war Mitglied der chemisch-physikalischen Gesellschaft und des militär- wissenschaftlichen Vereines in Wien und erhielt 1875 den Orden der Krone von Italien[16] und 1877 den russischen Sankt-Stanislaus-Orden.[17]

Josef Hausner wurde 1892 als Josef Edler von Hausner in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben,[18] am 1. April 1894 mit dem Generalmajors-Charakter ad honores in den Ruhestand versetzt und mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet.[19]

Er wurde auf dem Pötzleinsdorfer Friedhof bestattet.

Schriften (Auswahl)

  • Darstellung der Textil-, Kautschuk- und Leder-Industrie mit besonderer Rücksicht auf Militärzwecke. Wien 1875 (books.google.de)
  • Darstellung der Textil-, Kautschuk- und Leder-Industrie mit Rücksicht auf Militärzwecke. Zweite bedeutend vermehrte Auflage, Manz, Wien 1876 (books.google.de)
  • Darstellung der Textil-, Kautschuk- und Leder-Industrie mit Rücksicht auf Militärzwecke. Zweite bedeutend vermehrte Auflage, Neue billige Volksausgabe, Manz, Wien 1879 (books.google.de)
  • Verbessertes Dynamometer zur Untersuchung der Kraft in Kilogramm und der Ausdehnung in Millimeter, welche ein Stoffabschnitt von 22 Ctm. Länge unter Aufrechthaltung eines Stofflichtraumes zwischen den Backenpaaren von 16 Ctm. und 10 Ctm. Breite bis zum Reissen erfordert. Brünn 1880 (digitalniknihovna.cz)
  • Dynamometer und Mikroskop. Burkart, Brünn 1881 (books.google.de)

Anmerkungen

  1. Sterbeeintrag Pfarrkirche St. Othmar unter den Weißgerbern
  2. Militär-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes, Wien Dezember 1859, S. 104 (books.google.de)
  3. IR 71: Beitrag zur Geschichte des Infanterie-Regiments Galgotzy Nr. 71, Selbstverlag des Regiments, Bergani, Wien 1898 (google.de)
  4. Militär-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes für 1860–1861, Wien, Februar–März 1861, S. 272 (archive.org)
  5. Der Kamerad, 4, 62, Freitag, 4. August 1865, S. 494 (google.de)
  6. Militär-Zeitung (redigiert von Jaromir Hirtenfeld), 19, 1866, S. 256 (google.de)
  7. Tagespost. Morgenblatt. 98, Graz, Samstag, 1. Mai 1875, 3. Bogen (google.de)
  8. Organ der militär-wissenschaftlichen Vereine, 15, 1877, S. XLVIII (google.de)
  9. Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 7, 1875, S. 259 (google.de)
  10. Welt-Neuigkeits-Blatt, Wien, Sonnag den 12. November 1876 (google.de)
  11. Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
  12. Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)
  13. Militär-Zeitung (redigiert von Victor Silberer), 31, 1878, S. 450 (google.de)
  14. Verordnungsblatt für das kaiserlich-königliche Heer, 38, 1889, S. 39 (= No 6 vom 29. Februar 1888) (google.de)
  15. Die Vedette, Sonntag, 25. Mai 1890 (google.de)
  16. Oesterreichisch-ungarischer Ordens-Almanach, II, 1876, S. LVII (google.de)
  17. Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, 2, Wien 1877, S. 202 (google.de)
  18. Klagenfurter Zeitung, Samstag, 24. September 1892 (google.de)
  19. Grazer Zeitung, 72, Freitag den 30. März 1894 (google.de)