Josef Kristen (Widerstandskämpfer)
Josef Kristen (* 9. November 1903 in Lauterbach, Kreis Mährisch Schönberg[1]; † 1988 in Uetersen) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in Uetersen. Er war in den sogenannten Offenborn-Prozessen der nationalsozialistischen Justiz angeklagt und verurteilt und später unter Polizeiaufsicht gestellt.
Leben
Josef Kristen wurde am 9. November 1903 (altes Geburtsjahr; in der amtlichen Quelle heißt es „1903“) im sächsischen Lauterbach im damaligen Kreis Mährisch Schönberg geboren. Er war Sohn einer Arbeiterfamilie und zog 1916 nach Uetersen (heute Schleswig-Holstein), wo er als Papierarbeiter tätig war. Kristen war aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und beteiligte sich in Uetersen an der illegalen Parteiarbeit nach dem Verbot der KPD durch die Nationalsozialisten 1933. Zu den Aktivitäten gehörten unter anderem die Herstellung, Beschaffung und Verbreitung verbotener Flugblätter und Zeitungen sowie die Organisation von Untergrundtreffen.
Verfolgung und Verurteilung
Nach dem Verbot der KPD 1933 infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der schrittweisen Gleichschaltung des politischen Lebens wurde Kristen mehrfach von der nationalsozialistischen Justiz verfolgt. Im Zusammenhang mit den lokalen Widerstandsstrukturen wurde er im Offenborn-Prozess (benannt nach dem gleichnamigen Hauptangeklagten Johannes Dietrich Offenborn) angeklagt. Die Offenborn-Prozesse waren eine Serie von Strafverfahren gegen kommunistische Widerstandskämpfer im Raum Elmshorn und Uetersen, die ab 1935 vor dem Kammergericht Berlin geführt wurden.
Am 3. Februar 1936 wurde Kristen – wie mehrere seiner Genossen – wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.
Polizeiaufsicht und Bewährungsbataillon
Nach Verbüßung seiner Zuchthausstrafe wurde Kristen am 3. Juli 1939 entlassen, jedoch sofort unter staatliche Polizeiaufsicht gestellt. In dem entsprechenden Beschluss des Regierungspräsidenten in Schleswig heißt es, dass er – aufgrund seines rechtskräftigen Urteils vom 3. Februar 1936 wegen Hochverrats und der Zulässigkeit von Polizeiaufsicht – auf Grundlage des § 38 des Strafgesetzbuches für fünf Jahre unter Überwachung gestellt werde (vom 3. Juli 1939 bis 2. Juli 1944).
Während des Zweiten Weltkriegs wird er in lokalen Quellen mit einer Zuweisung zu einer Strafdivision 999 erwähnt, einer Einheit, in die politisch Verfolgte, Kriminelle und andere als „wehrunwürdig“ eingestufte Männer eingegliedert wurden. Die genauen Umstände dieser Einordnung sind in der lokalen Überlieferung als Teil der Verfolgungs- und Disziplinierungsmaßnahmen der NS-Justiz überliefert.
Nachkriegszeit und Tod
Nach dem Ende des Nationalsozialismus lebte Josef Kristen in Uetersen, wo er noch bis in die 1980er-Jahre verzeichnet ist. Er starb 1988 in Uetersen. Seine Lebensdaten werden regionalen Gedenkprojekten entnommen, die Überlebende des Widerstands und Verfolgungen dokumentieren.
Gedenken
Kristen wird im Rahmen lokaler Erinnerungs- und Gedenkprojekte zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus erwähnt. Dazu gehören Stadtrundgänge und Publikationen des Projekts Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung, die das kollektive Wirken von Kommunisten und anderen Widerstandskämpfern in der Region Nachkriegs-Schleswig-Holsteins thematisieren.
Literatur
- Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
- Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand im Kreis Pinneberg.
Quellen
- Bringmann, Fritz und Diercks, Herbert (1983): „Die Freiheit lebt!“ – Onlineausgabe Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung: Auszug aus dem Beschluss des Regierungspräsidenten Schleswig zum Polizeiaufsichtsverfahren gegen Josef Kristen, 1. Juli 1939.
- Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung: Eintrag zur Widerstandsarbeit und den Offenborn-Prozessen in Uetersen, Erwähnung von Josef Kristen (* 9. November 1903 in Lauterbach) und anderen KPD-Mitgliedern, abgerufen 2025.
- Diercks, Herbert (n. d.): Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte Heft 28 (1995), Erwähnung von Josef Kristen im Kontext der lokalen Widerstandsarbeit und Bewährungsbataillon-Zuordnungen.