Josef Bonaventura Holzinger

Josef Bonaventura Holzinger (* 14. Juli 1835 in Hausbrunn; † 24. Jänner 1912 in Graz) war ein österreichischer Rechtsanwalt, Botaniker, „Hexenforscher“ und Bibliophiler. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „J.B.Holz.

Leben

Josef Bonaventura Holzinger besuchte das Piaristenkloster Nikolsburg, studierte 1854 bis 1858 an der Universität Wien Rechtswissenschaft, promovierte 1859 und übersiedelte 1863 nach Graz. Hier arbeitete er in diversen Rechtsanwaltskanzleien, wirkte als Hof- und Gerichtsadvokat und betrieb von 1874 bis 1911 eine eigene Kanzlei.

Er bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[1] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Josef Bon. Holzinger in Graz wurde er auf Blatt 20 in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[2]

Er war seit 1870 mit Lina Alber, der Tochter des ehemaligen Grazer Bürgermeisters Albin Alber, verheiratet.

Holzinger war 1882 Präsident und 1883 bis 1886 und 1890 bis 1893 Vizepräsident des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark. Er erforschte und publizierte über die Flechtenflora Niederösterreichs, sammelte seltene und wertvolle Bücher und legte dabei im Ramen seiner Hexenforschungen mit zumindest 28 Exponaten eine für die damalige Zeit einzigartige Sammlung fast aller bekannter Ausgaben des Malleus maleficarum, des sogenannten Hexenhammers, an. Im Zuge seiner Forschungen widerlegte er darüber hinaus in seinen Vorträgen und Veröffentlichungen Zur Naturgeschichte der Hexen die 1882 von Ludwig Mejer (1825–1895) aufgestellte Behauptung, dass der Hexenwahn auf die Drogenwirkung des Gemeinen Stechapfels zurückzuführen sei.

Holzingers Bücherei wurde nach seinem Tod über das Antiquariat Oswald Weigel in Leipzig mit einem 3690 Nummern umfassenden Katalog in der Zeit vom 19. November 1912 bis 28. März 1913 zur Versteigerung gebracht.

Schriften (Auswahl)

  • Zur Naturgeschichte der Hexen. In: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark, 19, Jahrgang 1882, Graz 1883, S. CXIII–CL. (biodiversitylibrary.org)
  • Zur Naturgeschichte der Hexen. Nachtrag. In: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark, 20, Jahrgang 1883, Graz 1884, S. XCVIII–CX. (biodiversitylibrary.org)

Literatur

  • Hannes Hertel, Georg Gärtner, László Lökös und Edith Farkas: Holzinger, Josef Bonaventura. In: Forscher an Österreichs Flechtenflora, Stapfia, 0104, 2, 2017, S. 67 (PDF)
  • Hans Löschnigg: Zum Gedächtnis Dr. Josef B. Holzingers. In: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark, 49, 1913, S. 59–66 (PDF)
  • Ludwig Mejer: Die Periode der Hexenprocesse. Schmorl & von Seefeld, Hannover 1882 (archive.org)
  • Oswald Weigel (Hrsg.): Auktionskatalog Neue Folge Nr. 29: Bibliothek Dr. J. B. Holzinger I, nebst kleinen Beiträgen anderer Herkunft Theologie und Philosophie, Versteigerung am 19. November 1912, Leipzig 1912 (digi.ub.uni-heidelberg.de)
  • Oswald Weigel (Hrsg.): Auktionskatalog Neue Folge Nr. 32: Bibliothek Dr. J. B. Holzinger IV, Kriminalprozesse, Verbrecher, Gauner, Zigeuner, Rotwelsch, Rechtsgeschichte, geheime Wissenschaften, Medizin, Geschichte, Hexenprozesse, Versteigerung am 28. und 29. Januar 1913, Leipzig 1913 (digi.ub.uni-heidelberg.de)

Anmerkungen

  1. Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
  2. Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)