José Sanjurjo
José Sanjurjo y Sacanell (* 28. März 1872 in Lumbier, Navarra, Spanien; † 20. Juli 1936 in Estoril, Portugal) war ein spanischer Militär und neben Francisco Franco und Emilio Mola einer der Offiziere, deren Militärputsch am 17. Juli 1936 zum Spanischen Bürgerkrieg führte. Einer der beiden Flugplätze Saragossas trug während des Krieges und in den folgenden Jahren seinen Namen.
Leben
Frühe Jahre
José Sanjurjo war Waise und Sohn eines karlistischen Oberst. Wie sein Vater wählte er eine Militärkarriere und wurde in Kuba[1] (1894–98), im Spanisch-Amerikanischen Krieg und im Rifkrieg[1] eingesetzt. Aufgrund seiner Einsätze im Krieg stieg er 1921 in den Generalstab auf, im selben Jahr wurde er auch zum Militärgouverneur von Saragossa ernannt. Von dort aus unterstützte er den Staatsstreich Miguel Primo de Riveras 1923, mit dessen Diktatur er eng zusammenarbeitete.
Als Generalkommandant von Melilla bereitete Sanjurjo die 1925 erfolgte Landung in Alhucemas[1] vor, die den Aufstand des Abd el-Krim beendete. Er wurde in den Rang eines Alto Comisario de España en Marruecos[1] erhoben. Er stabilisierte das Protektorat Spanisch-Marokko und bescherte so der Diktatur einen ihrer größten Erfolge. Dies verhalf ihm zu militärischen Auszeichnungen und 1927 zum Adelstitel Marqués del Rif. Er besaß einem unbestrittenen Ruf bei den jungen Offizieren der Kolonialarmee, den Africanistas.
In der Republik
Nach der Ausrufung der Zweiten Republik am 14. April 1931 nahm er den Posten als Direktor der Guardia Civil an.[1] Aufgrund seiner exzessiven Repressalien gegenüber der Arbeiterbewegung wie zum Beispiel der von Arnedo (Logroño) 1932 wurde er wieder aus dem Amt entfernt.
Er wurde Leiter der Carabineros, der Zoll- und Küstenwache Spaniens, was die politische Rechte als Diskriminierung von Seiten der Regierung Azañas instrumentalisierte. Sanjurjo sympathisierte weder mit der linksorientierten Regierung noch mit der Demokratie überhaupt, was der versuchte Staatsstreich in Sevilla im August 1932 unter seiner Führung klar zeigte, der jedoch scheiterte.
Zwar konnte er kurzzeitig lokal die Oberhand gewinnen, das Kriegsrecht ausrufen und in Sevilla Aufmärsche abhalten, doch als die Regierung in Madrid die Armee schickte, behauptete Sanjurjo, er wünsche keine gewaltsamen Zusammenstöße – die sich aber bereits zugetragen hatten – entließ seine Mitputschisten aus den soeben verliehenen Ämtern und flüchtete im Auto in Richtung der portugiesischen Grenze, wo er in Ayamonte verhaftet wurde.[1]
In Madrid hatte Sanjurjo einige Unterstützer. Im Edificio de Correos an der Plaza de Cibeles gab es unter ihnen Tote.[1] Der Putschversuch verstärkte den Reformwillen der republikanischen Kräfte, die wenig später das Agrarreformgesetz (Ley de Reforma Agraria) und das katalanische Autonomiestatut (Estatuto de Autonomía de Cataluña) verabschiedeten.
Sanjurjo wurde aufgrund des versuchten Staatsstreiches verhaftet. In der Haft gab er seinen Ärger über Francisco Franco zu Protokoll. Dieser hatte von den Putschvorbereitungen gewusst, hatte sich dann aber distanziert gezeigt, gleichzeitig hatte Franco die Regierung auch nicht über die Vorbereitungen in Kenntnis gesetzt. Für Sanjurjo war Franco deshalb abgeschrieben, sagte er doch: „Franco es un cuquito que va a lo suyito“[2] (deutsch: Franco ist ein kleiner Kuckuck, der sich nur um seinen Kleinkram kümmert).
Im anschließenden Gerichtsverfahren wurde die Todesstrafe[3] verhängt, welche kurze Zeit später ausgesetzt und in eine lebenslange Haftstrafe im Gefängnis Prisión del Dueso[1] in Santoña umgewandelt wurde, die er aber nicht mehr zu verbüßen hatte. Kaum hatte Sanjurjo nämlich die Haft angetreten, entließ ihn die aus den Parlamentswahlen von 1933 als Sieger hervorgegangene rechtsgerichtete Regierung unter Ministerpräsident Alejandro Lerroux aus dem Gefängnis und erteilte ihm eine Amnisitie.[4]
Exil und Tod
Er ging 1934 ins Exil nach Portugal, wo er mit seiner Familie in Estoril lebte und von wo aus er in aller Freiheit gegen die spanische Republik konspirierte.[1] Sanjurjo erfreute sich in Portugal einiger Beliebtheit und wurde häufig in der Tagespresse erwähnt. In den Status eines Symbols der reaktionären Militärs erhoben, die von dem Wahlsieg der Linken 1936 enttäuscht waren, wurde er von Emilio Mola, Franco und den übrigen Verschwörern, die den Aufstand für Juli vorbereiteten, als Führer anerkannt.
Sanjurjo starb am 20. Juli 1936 bei einem Flugzeugabsturz kurz nach dem Abheben des Flugzeugs, als er sich gemeinsam mit General Juan Antonio Ansaldo auf dem Weg nach Burgos befand, um die Leitung des Staates zu übernehmen, die ihm die Aufständischen angeboten hatten.[1] Der Pilot des Flugzeugs, der leicht verletzt überlebte, führte den Absturz auf das Gewicht zweier schwerer Koffer Sanjurjos zurück, wahrscheinlicher ist jedoch, dass ein Zusatztank von 60 Liter Treibstoff sowie die große Sommerhitze, die die Maximalleistung der Motoren limitierte, ursächlich war. Das Flugzeug soll die Baumspitzen gestreift haben, worauf die Maschine Feuer fing und Sanjurjo in ihr verbrannte. Ansaldo überlebte das Unglück verletzt.
Ehrungen
| Großkreuz des Ordens del Mérito Militar (1920) | |
| Großkreuz Real y Militar Orden de San Hermenegildo (1926) | |
| Großkreuz des Ordens del Mérito Naval (1926) | |
| Großkreuz des Königlichen und Militärischen San Fernando-Ordens (1927) |
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Ramón Guerra de la Vega: Madrid 1931–1939 : Segunda República y Guerra Civil – Historia de la Fotografía. Street Art Collection, Madrid 2005, ISBN 84-88271-25-5, S. 18.
- ↑ Stéphane Michonneau: Franco : Le temps et la légende. Hrsg.: Grégoire Kauffmann (= Collection «Grandes Biographies»). Éditions Flammarion, Paris 2025, ISBN 978-2-08-029128-8, S. 267.
- ↑ Bekanntgabe des Ministeriums in der Gaceta de Madrid núm. 239, pág. 1475 (1932).
- ↑ Iñigo Bolinaga: Breve historia de la Guerra Civil. Ediciones Nowtilus, Madrid 2008, ISBN 978-84-9763-580-6. S. 468.