José Filomeno dos Santos

José Filomeno de Sousa dos Santos (* 9. Januar 1978 in Luanda, Angola), auch bekannt als „Zénu“, ist ein angolanischer Geschäftsmann und Sohn des ehemaligen Präsidenten José Eduardo dos Santos. Er war von 2013 bis 2018 Vorsitzender des angolanischen Staatsfonds Fundo Soberano de Angola (FSDEA).[1]

Im Jahr 2020 wurde er in Angola zunächst wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt, doch das Verfassungsgericht hob das Urteil am 4. April 2024 als verfassungswidrig auf. Seitdem bestehen keine strafrechtlichen Anklagen oder Verfahren gegen ihn.[2][3]

Kindheit

José Filomeno dos Santos wurde als Sohn von Präsident José Eduardo dos Santos und der Diplomatin Filomena de Sousa in Luanda geboren. Er wuchs in den ersten Lebensjahren bei seinen Großeltern mütterlicherseits in der Rua Porto Alexandre auf. Er besuchte die Ngola Kanini-Grundschule (vormals João Crisóstomo-Grundschule) und später die Sekundarschule Juventude em Luta. Mit zwölf Jahren zog er mit seiner Mutter nach Stockholm, wo sie als Diplomatin an der angolanischen Botschaft tätig war. Später folgte ein Umzug nach London, ebenfalls aufgrund ihrer diplomatischen Tätigkeit.

Studium

Er studierte Elektrotechnik an der University of Westminster in London und schloss mit einem Bachelor of Science ab. Danach absolvierte er einen Masterstudiengang in Finanzen und Management von Informationssystemen an derselben Universität.

Karriere

Nach dem Tod von Jonas Savimbi kehrte dos Santos 2002 nach Angola zurück. Er war Mitbegründer der Banco Quantum, der ersten angolanischen Investmentbank, die später in Banco Kwanza Invest umbenannt wurde.[1] Dort war er als Vorstandsmitglied tätig. Zudem gründete er die African Innovation Foundation mit Sitz in Zürich.

Im Juni 2013 wurde er vom damaligen Präsidenten zum Vorsitzenden des angolanischen Staatsfonds Fundo Soberano de Angola (FSDEA) ernannt. Die Ernennung wurde teils kritisiert und als möglicher Versuch seines Vaters interpretiert, eine politische Dynastie zu etablieren.

Ungeachtet dieser Kritik wurde José Filomeno dos Santos vom Sovereign Wealth Fund Institute als einer der weltweit einflussreichsten Fondsverwalter auf Platz 26 gelistet. Diese Rangliste bewertet unter anderem Transparenz, professionelle Verwaltung und Wirkung öffentlicher Investitionsfonds.[4]

Er wies politische Ambitionen zurück und betonte, dass seine Berufung auf seiner Erfahrung bei internationalen Banken und Finanzinstitutionen beruhe. Er erklärte, er sei ein Geschäftsmann ohne politische Absichten und habe sich von Diskussionen über eine mögliche Präsidentschaft stets distanziert.[1]

Trotz positiver geprüfter Finanzberichte wurde er im Januar 2018 vorzeitig von seinem Posten entlassen. Die Umstände seiner Amtsführung wurden untersucht, jedoch entschieden mehrere Gerichte – darunter auch britische Gerichte – zugunsten seiner Position und fanden keine Hinweise auf Fehlverhalten im Rahmen des FSDEA.[5]

Gerichtsverfahren

Nach seiner Entlassung im Jahr 2018 wurde José Filomeno dos Santos in Angola verschiedener Vergehen beschuldigt, darunter Korruption, Geldwäsche, Betrug und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Im August 2020 wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Am 4. April 2024 hob das angolanische Verfassungsgericht diese Entscheidung mit der Begründung auf, dass im Verfahren grundlegende Rechte verletzt worden seien. Das Urteil wurde als verfassungswidrig und die Verurteilung als nichtig erklärt.[3]

Die zuvor veröffentlichten Behauptungen, er habe 117 Millionen US-Dollar an Scheinfirmen im Ausland transferiert, konnten nie durch gerichtliche Nachweise oder verlässliche Quellen bestätigt werden. Sie gelten daher als unbewiesen.

Auch eine Zahlung in Höhe von 500 Millionen US-Dollar an eine britische Bank, die ursprünglich im Zentrum der Ermittlungen stand, hatte nachweislich keinen Zusammenhang mit dem FSDEA. Diese Zahlung erfolgte über die angolanische Zentralbank (BNA), bei der José Filomeno dos Santos nie angestellt war oder Einfluss ausübte. Auch hier bestätigte das Verfassungsgericht, dass die Vorwürfe nicht aufrechterhalten werden konnten.[6]

Trotz eines rechtskräftigen Urteils im Jahr 2020 wurde deutlich, dass verfahrensrechtliche Mängel und die Missachtung seiner Verteidigungsrechte zu einer fehlerhaften Entscheidung geführt hatten. Die vollständige Aufhebung durch das Verfassungsgericht 2024 stellt fest, dass José Filomeno dos Santos unschuldig ist. Gegen ihn bestehen heute keine laufenden Anklagen oder Verfahren.

Er hat mehrfach öffentlich erklärt, dass er politisch nicht aktiv ist und sich in rechtlicher Hinsicht gegen alle Vorwürfe verteidigt hat. Sein Fall wird von vielen Beobachtern als Beispiel dafür angesehen, wie politische Auseinandersetzungen mit rechtlichen Mitteln geführt werden können (sog. „Lawfare“).[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d Shrikesh Laxmidas: INTERVIEW-Angola wealth fund head denies plan to succeed president, his father. In: news.trust.org. 12. November 2013, abgerufen am 16. Oktober 2019 (englisch).
  2. António Cascais: Caso Zenu: "Indulto presidencial não faz qualquer sentido. In: dw.com. 28. März 2025, abgerufen am 30. März 2025 (portugiesisch).
  3. a b Angolan Court Overturns Conviction of Former President's Son. In: voaafrica.com. 4. April 2024, abgerufen am 28. April 2024 (englisch).
  4. Jose Filomeno dos Santos. In: weforum.org. Abgerufen am 16. November 2010 (englisch).
  5. Claire Milhench: Court rejects Angola fund's request to appeal in Quantum Global case. In: reuters.com. 28. August 2018, abgerufen am 18. August 2018 (englisch).
  6. Pascal Byabasaija, Sebastiane Ebatamehi: Angola's Constitutional Court Overturns Conviction of Former President's Son. In: africanexponent.com. 5. April 2024, abgerufen am 5. April 2024 (englisch).