Jonathan Huor

Jonathan Huor (* 1980 in Kambodscha) ist ein international tätiger Choreograph und Dozent. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Musical Theater Preis ausgezeichnet und choreographierte neben Musicalproduktionen im deutschsprachigen Raum internationale TV-Shows wie den Eurovision Song Contest 2025.

Leben und Ausbildung

Jonathan Huor wurde 1980 während des kambodschanischen Bürgerkriegs geboren[1]. Seine Eltern flohen vor dem Krieg nach Europa. Er wuchs im deutsch-französischen bilingualen Teil der Schweiz auf und entdeckte früh seine Leidenschaft für den Tanz.

Er erhielt ein Stipendium für eine professionelle Ausbildung in Tanz, Drama und Unterrichtsmethoden und schloss sein Studium mit einem Diplom an der Zürich Tanz-Theater-Schule (ZTTS) ab[1][2]. Seine Ausbildung ergänzte er an renommierten Tanzschulen in Montpellier, London und New York[1].

Huor ist mehrsprachig und spricht fließend Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch und Khmer (Kambodschanisch)[1].

Künstlerischer Stil

Huors choreographische Arbeit verbindet verschiedene Tanzstile und Disziplinen miteinander[3]. Er integriert zeitgenössischen Tanz, urbane Tanzstile wie Hip-Hop und Breakdance, klassische Musicalchoreographie sowie Elemente aus Physical Theatre. Diese interdisziplinäre Herangehensweise beinhaltet auch die Integration ungewöhnlicher Bewegungsformen wie Parcours in die Musicalbühne.

Im Zentrum seiner choreographischen Arbeit steht das narrative Element. Er versteht Choreographie als Mittel, um „zwischen Kulturen, Sprachen und Sparten“ Brücken zu bauen[3]. Sein Stil verbindet dabei unterschiedliche Ansätze: Die Arbeit ist sowohl poetisch als auch energiegeladen und verbindet historische Stoffe mit modernen Bewegungssprachen.

Bei Maria Theresia (Ronacher Wien, 2025) setzte er Elemente des Parcours ein, um Maria Theresias Fähigkeit zu symbolisieren, Barrieren zu überwinden. Die Kritik hob die Ensembleszenen hervor, denen „eine heimliche Hauptrolle“ zugeschrieben wurde. Die Rezension der Kulturfeder erwähnte seine „prägnante, wiedererkennbare Handschrift“, die sowohl in den „feinen Linien der zwischenmenschlichen Begegnungen als auch in den eindrucksvollen Massenszenen zum Tragen“ komme.[4]

Karriere

Musical und Theater

Jonathan Huor hat als Choreograph für zahlreiche bedeutende Musicalproduktionen im deutschsprachigen Raum gearbeitet. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt die Zusammenarbeit mit Regisseur Alex Balga bei Maria Theresia (Vereinigte Bühnen Wien / Ronacher)[5]. Am Theater des Westens in Berlin choreographierte er in Produktionen von Ulf Leo Sommer und Peter Plate unter der Regie von Christoph Drewitz die erfolgreichen Produktionen Ku'damm 56, Ku'damm 59 und Romeo & Julia – Liebe ist alles.

Mit Regisseur Dominik Flaschka realisierte er mehrere Projekte, darunter Der Glöckner von Notre-Dame (Thuner Seefestspiele)[6][7], Abenteuerland – Das PUR Musical (Capitol Theater Düsseldorf)[8], Sister Act (Maag Halle Zürich)[9] und Cabaret (Bernhard Theater Zürich)[10]. Unter der Regie von Gil Mehmert choreographierte er unter anderem Wüstenblume (Theater St. Gallen)[11] und Chicago (Oper Dortmund). Mit Ulrich Wiggers arbeitete er an Tanz der Vampire (Theater St. Gallen), Catch Me If You Can (Landestheater Linz)[12] sowie West Side Story und Chicago (jeweils Theater Magdeburg).

Weitere bedeutende Produktionen umfassen Mamma Mia! (Seefestspiele Mörbisch, Regie: Andreas Gergen, und Thunerseespiele, Regie: Dominik Flaschka), West Side Story (Seefestspiele Mörbisch, Regie: Werner Sobotka)[11], Mein Name ist Eugen (Maag Music Hall Zürich) und Fack Ju Göhte – Das Musical (Deutschland Tour).

Fernsehen und Großveranstaltungen

Huor choreographierte für internationale Großveranstaltungen wie den Eurovision Song Contest 2025 in Basel (Opening Act sowie die Schweizer Beiträge "Made in Switzerland" und "On Time")[13][14], die Eröffnungszeremonie der Olympischen Jugend-Winterspiele 2020 in Lausanne und die FIFA Opening Ceremony in Zürich. Zu seinen TV-Arbeiten zählen Produktionen für So You Think You Can Dance, Switzerland Got Talent und die Swiss Music Awards.

Lehrtätigkeit

Jonathan Huor ist als Gastdozent weltweit tätig und gibt regelmäßig Meisterklassen. Er unterrichtete in der Schweiz[15][16], Deutschland, Österreich, Polen, Portugal, Frankreich, Italien, Kroatien, China, Singapur, Schweden, Belgien, Malaysia, Japan[1] und dem Vereinigten Königreich.

Produktionen (Auszug)

Theater des Westens, Berlin

  • Ku'damm 56 (Regie: Christoph Drewitz)
  • Ku'damm 59 (Regie: Christoph Drewitz)
  • Romeo & Julia – Liebe ist alles (Regie: Christoph Drewitz)

Weitere Produktionen

  • Maria Theresia (Ronacher Wien, Regie: Alex Balga)
  • Der Glöckner von Notre-Dame (Thuner Seefestspiele, Regie: Dominik Flaschka)
  • Abenteuerland – Das PUR Musical (Capitol Theater Düsseldorf, Regie: Dominik Flaschka)
  • Wüstenblume (Desert Flower) (Theater St. Gallen, Regie: Gil Mehmert)
  • Tanz der Vampire (Theater St. Gallen, Regie: Ulrich Wiggers)
  • Matterhorn (Theater St. Gallen, Regie: Shekar Kabur)
  • Lady Bess (Theater St. Gallen, Regie: Gil Mehmert)
  • Catch Me If You Can (Landestheater Linz, Regie: Ulrich Wiggers)
  • Sister Act (Maag Halle Zürich, Regie: Dominik Flaschka)
  • Mamma Mia! (Seefestspiele Mörbisch, Regie: Andreas Gergen / Thunerseespiele, Regie: Dominik Flaschka)
  • West Side Story (Seefestspiele Mörbisch, Regie: Werner Sobotka / Theater Magdeburg, Regie: Ulrich Wiggers)
  • Chicago (Oper Dortmund, Regie: Gil Mehmert / Theater Magdeburg, Regie: Ulrich Wiggers)
  • Cabaret (Bernhard Theater Zürich, Regie: Dominik Flaschka)
  • Young Frankenstein (Theater am Hechtplatz Zürich, Regie: Dominik Flaschka)
  • Mein Name ist Eugen (Maag Music Hall Zürich, Regie: Dominik Flaschka)
  • Spamalot (Monty Python's Spamalot) (Theater am Hechtplatz Zürich, Regie: Dominik Flaschka)
  • Avenue Q (Theater St. Gallen, Regie: Dominik Flaschka)
  • Fack Ju Göhte – Das Musical (Deutschland Tour, Regie: Christoph Drewitz)
  • Ost Side Story (Theater am Hechtplatz Zürich, Regie: Dominik Flaschka)

Auszeichnungen

Jonathan Huor wurde mehrfach für seine choreographische Arbeit ausgezeichnet:

Deutscher Musical Theater Preis

  • 2024: Ku'damm 59 (Theater des Westens, Berlin) – Beste Choreographie[17][18]
  • 2023: Romeo & Julia – Liebe ist alles (Theater des Westens, Berlin) – Beste Choreographie[19][20]
  • 2022: Ku'damm 56 (Theater des Westens, Berlin) – Bestes Musical (als Teil des Kreativteams)[21]
  • 2016: Mein Name ist Eugen – Das Musical (Maag Music Hall Zürich) – Beste Choreographie[22]

Nominierungen:

  • 2023: Fack Ju Göhte – Das Musical – Beste Choreographie[19]
  • 2022: Ku'damm 56 (Theater des Westens, Berlin) – Beste Choreographie[21]
  • 2020/21: Wüstenblume (Theater St. Gallen) – Beste Choreographie[21]
  • 2015: Ost Side Story (Theater am Hechtplatz Zürich) – Beste Choreographie[23]

BroadwayWorld Germany Awards

  • 2024: Ku'damm 59 (Theater des Westens, Berlin) – Best Choreography Of A Play Or Musical[24]

Nominierungen: Zweimalige Nominierung für BroadwayWorld Awards Austria – Best Choreography.

Musical Award

  • 2024: Ku'damm 59 – Beste Choreographie[25]

Nominierungen:

  • 2024: Abenteuerland – Das PUR Musical – Beste Choreographie (Platz 2: Bestes Musical)[26]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Broadway Dance Center: Jonathan (NAT) Huor, 5. August 2024
  2. Theater St. Gallen: Jonathan Huor – Künstlerprofil
  3. a b DerKultur.blog: DerKulturBlog-Talk mit Jonathan Huor, 5. Mai 2023
  4. Kulturfeder: Kreativ, mutig – und nicht ohne Makel: „Maria Theresia“ in Wien, 15. Oktober 2025
  5. Vereinigte Bühnen Wien: Maria Theresia – Das Musical
  6. Blick: Jonathan Huor: Er ist der Choreograf hinter den Thunerseespielen, 8. Juli 2025
  7. Jonathan Huor: Er ist der Choreograf hinter den Thunerseespielen. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  8. ATG - Abenteuerland. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  9. Shake Company: Jonathan Huor, 5. September 2024
  10. update AG www.update.ch: Cabaret. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  11. a b Operabase: Jonathan Huor, Choreographer, 8. Juni 2023
  12. Landestheater Linz: Jonathan Huor
  13. Greg Zwygart: Choreograf beim ESC: «Wenn das Publikum tobt, kommen mir die Tränen». 17. Mai 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  14. OVB Heimatzeitungen | Er macht den ESC zum Spektakel. In: OVB Heimatzeitungen. 9. Mai 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  15. Jonathan Huor SuEd2022 | tanzwerk101.ch. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  16. Jonathan Huor | Stylize Productions. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  17. Musicalpuls: Deutscher Musical Theater Preis 2024: Alle Gewinner, 22. Oktober 2024
  18. Musicalzone.de: Deutscher Musical Theater Preis 2024 in Berlin verliehen, 23. Oktober 2024
  19. a b Musicalpuls: Deutscher Musical Theater Preis 2023: Alle Gewinner, 20. Juni 2024
  20. Musicalzone.de: Deutscher Musical Theater Preis 2023 in Berlin verliehen, 10. Oktober 2023
  21. a b c Wikipedia: Deutscher Musical Theater Preis, 25. September 2015
  22. Wikipedia: Deutscher Musical Theater Preis 2016, 25. September 2015
  23. Wikipedia: Deutscher Musical Theater Preis 2015, 25. September 2015
  24. BroadwayWorld: Winners Announced For The 2024 BroadwayWorld Germany Awards, 14. Januar 2025
  25. Blickpunkt Musical: Preisträger Musical Award 2024, 10. Februar 2025
  26. Blickpunkt Musical: Musical Award 2024 – Die Nominierungen, 15. Oktober 2024