Jonathan Duncan
Jonathan Duncan (* 15. Mai 1756 in Wardhouse, Forfarshire; † 11. August 1811 in Bombay, Indien) war ein britischer Kolonialbeamter und Gouverneur von Bombay.
Leben
Er war der Sohn von James Duncan aus dessen Ehe mit Jean Meeky. Er wuchs in Schottland auf und erhielt 1771 durch den Einfluss seines Onkels John Michie, eines Direktors der Britischen Ostindien-Kompanie, eine Stelle als Steuereintreiber im Dienst der Kompanie in Bengalen. 1772 traf er in Kalkutta ein.[1] Es gelang ihm den Generalgouverneur Warren Hastings und später Lord Cornwallis von seinem Fleiß und seiner Integrität zu überzeugen, und wurde von diesen insbesondere eingesetzt, um Korruption und Misswirtschaft in der Ostindien-Kompanie zu bekämpfen. Er beherrschte die Niederländische, Persische und Bengalische Sprache und war 1784 eines der Gründungsmitglieder der Asiatic Society.
Lord Cornwallis setzte ihn von 1787 bis 1795 als Resident in Benares ein. Er lebte dort abseits der europäischen Gesellschaft und arbeitete, nachdem seine Vorgänger durch Korruption aufgefallen waren, daran, Ordnung und Gerechtigkeit wiederherzustellen, den Handel wiederzubeleben und das öffentliche Gesundheitswesen und Bildungswesen zu verbessern. Er gründete ein Sanskrit College in Benares (die spätere Universität Sampūrṇānand Saṃskṛta Viśvavidyālaya). Er respektierte die indische Kultur, versuchte jedoch, Praktiken der Sklaverei oder Kindstötung zu unterdrücken. Er führte in Benares eine dauerhafte Steuerregelung, wie sie bereits in Bengalen galt, ein und erwarb sich ein hohes Ansehen in der einheimischen Bevölkerung.
Aufgrund seiner Expertise in Steuerangelegenheiten entsandte ihn Lord Cornwallis von 1792 bis 1794 nach Malabar an der Westküste Indiens. Die Provinz war nach dem Dritten Mysore-Krieg an die Ostindien-Kompanie abgetreten worden, und Duncan verfasste den Großteil des umfangreichen Berichts, der ihre zukünftige Verwaltung vorschlug.
1795 wurde er auf Vorschlag von Lord Cornwallis zum Gouverneur der Präsidentschaft Bombay ernannt. Als Gouverneur verfolgte er den Grundsatz, jeden noch so kleinen Stammesführer, der auch nur den geringsten Tribut von dem kleinsten Dorf einfordern konnte, als souveränen Fürsten anzuerkennen.[1] Obwohl er ihre souveränen Rechte anerkannte, zögerte er jedoch nicht, die lokale Verwaltung dieser kleinen Fürstentümer zu regulieren.[1] 1799 musste er feststellen, dass sein Privatvermögen in Schottland veruntreut worden war. Seine einzige Hoffnung auf finanzielle Erholung bestand darin, als Gouverneur in Bombay zu bleiben. Er wandte sich an David Scott (of Dunninald; 1746–1805), einen ehemaligen privaten Händler aus Bombay, der zu einem der einflussreichsten Direktoren der Ostindien-Kompanie aufgestiegen war. Scott unterstützte Duncan als Gouverneur und sicherte die Präsidentschaft Bombays, die Lord Wellesley auflösen wollte. Im Gegenzug musste Duncan die Politik der Gebietsexpansion dulden, die die Beamten Bombays – darunter auch Scotts Handelspartner – verfolgten, um ihre privaten Handelsinteressen im Baumwollhandel Gujarats zu fördern. Duncan lieferte die politischen Vorwände, die Lord Wellesley und die Direktoren überzeugten, die Ausdehnung der Macht Bombays auf Surat, Gujarat, Kachchh und Kathiawar zu genehmigen, während die privaten Händler die Mittel für Bombays Truppen im Zweiten Marathenkrieg bereitstellten. Erst 1804 zwang das Direktorium die Beamten von Bombay, ihre privaten Geschäftsinteressen aufzugeben. Während des Zweiten Koalitionskriegs stellte er Truppen für Sir David Bairds Feldzug nach Ägypten im Jahr 1801 zur Verfügung.[1]
1791 hatte Duncan Anne Mercer, die Schwester eines Captain der Bengal Army, geheiratet. Sie starb wahrscheinlich bald darauf, jedenfalls begleitete sie ihn nicht nach Bombay. Aus einer unehelichen Beziehung mit Jane Allen, die 1801 wieder nach England übersiedelte, hatte er einen Sohn, Jonathan Duncan (1799–1865).[2]
Duncan starb am 11. August 1811 in Bombay und wurde in der dortigen St.-Thomas-Kathedrale bestattet.
Literatur
- Pamela Nightingale: Duncan, Jonathan (bap. 1756, d. 1811). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/8224 (Lizenz erforderlich), Stand: 21. Mai 2008.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Henry Morse Stephens: Duncan, Jonathan (1756–1811). In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 16: Drant – Edridge. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1888, S. 170 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ H. C. G. Matthew: Duncan, Jonathan, the younger (1799–1865). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/8225 (Lizenz erforderlich), Stand: 23. September 2004.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Robert Abercromby | Gouverneur von Bombay 1795–1811 | Sir Evan Nepean, 1. Baronet |