Jonas Daniel Meijer
Jonas Daniel Meijer, auch Jonas Daniel Meyer[1] (* 15. September 1780 in Arnhem; † 6. Dezember 1834 in Amsterdam) war ein niederländischer Jurist und Rechtswissenschaftler sowie der erste jüdische Rechtsanwalt in den Niederlanden.
Leben
Meijer wurde in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Arnhem geboren. Sein Vater war aus Hamburg in die Niederlande eingewandert. Seine Mutter entstammte einer Kaufmannsfamilie aus Amersfoort. Bereits in seiner Kindheit erlernte er mehrere Fremdsprachen. Nachdem sein Vater 1790 gestorben war, zog die Mutter mit ihm und seinen zwei Geschwistern nach Amsterdam. Dort begann er ein Jurastudium, das er bereits 1796 mit 16 Jahren abschloss. Er leistete den Anwaltseid, eröffnete eine Kanzlei und wurde der erste jüdische Rechtsanwalt und einer der jüngsten Anwälte in der Geschichte der Niederlande.
Die Kanzlei bot ihm die Gelegenheit, seine juristischen Kenntnisse zu erweitern, insbesondere durch das Studium der Rechtsordnungen verschiedener Länder. Spätere Veröffentlichungen dazu führten zu seiner europaweiten Anerkennung. Im Jahr 1803 zeigte er in seiner Antwort auf einen Wettbewerb über die Anwendung des Strafrechts, dass er seiner Zeit weit voraus war. 1804 erschien diese Arbeit, in der er dafür plädierte, dass bei der Strafzumessung die soziale Situation und der psychische Zustand eines Täters berücksichtigt werden müssen. Neben der Rechtswissenschaft beschäftigte sich Meijer auch mit Sprach- und Literaturwissenschaft, Altertumskunde und Geschichte. Außerdem setzte er sich zeitlebens für die Emanzipation der Juden in den Niederlanden ein.
Nachdem die Niederlande 1813 nach der napoleonischen Zeit wieder ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, wurde er im selben Jahr Mitglied des provisorischen Vorstands der Verfassungskommission. Er befasste sich vor allem mit dem juristischen Teil und spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Verfassung wurde am 29. März 1814 ratifiziert. Im neuen Königreich bekleidete Meijer das Amt eines Richters. Im Jahr 1817 trat er jedoch zurück, teils aus Unzufriedenheit, weil er keine Chancen auf eine weitere Beförderung hatte, teils aus Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung. Zwischen 1819 und 1823 verfasste er das sechsteilige juristische Werk Esprit, origine et progrès des instutitions judiciaire.
Meijer war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften und Akademien. 1808 wurde er zum Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften (damals: Koninklijk Instituut) gewählt.[2] Seit 1817 war er korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen[3] und seit 1828 der Accademia delle Scienze di Torino.[4] Die Académie royale de Bruxelles nahm ihn 1818 als Mitglied auf.[5]
Ehrungen
1873 wurde in Amsterdam ein Platz nach ihm benannt, der Jonas Daniël Meijerplein.
Literatur
- Nechamah Mayer-Hirsch: Jonas Daniel Meijer, een vergeten genie. Archiviert vom am 26. Januar 2002 (niederländisch).
Weblinks
- Eintrag von Jonas Daniël Meijer beim Jüdischen Kulturviertel Amsterdam (niederländisch)
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ Auch in niederländischsprachigen Quellen wird häufig sein deutscher Name benutzt.
- ↑ Past Members: Jonas Daniel Meyer. Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Mitglieder: Jonas Daniel Meyer. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Jean (Jonas) Daniel Meyer (Meijer). Accademia delle Scienze di Torino, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Académicien décédé: Jonas Daniel Meyer. Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 3. Dezember 2025.