John Smyth (Jurist)

John Smyth (* im 20. Jahrhundert; † 2018 in Cape Town) war ein britischer Jurist. Er missbrauchte über Jahrzehnte Kinder und Jugendliche in christlichen Ferienlagern. Der Fall führte dazu, dass Justin Welby als Erzbischof von Canterbury zurücktrat.

Leben

Smyth vertrat als Rechtsanwalt unter anderem Mary Whitehouse. Von 1974 bis 1981 war er Chairman des Iwerne Trust.[1]

Mit Justin Welby hatte er in den Jahren 1975 bis 1979 zu tun, als sie in denselben Feriencamps arbeiteten. Sie blieben später noch einige Jahre in losem Kontakt zueinander. Welby war während der Zeit in den Feriencamps von Smyth' charismatischer Persönlichkeit beeindruckt.

Bereits 1982 hatte es eine interne kirchliche Untersuchung zum Fall Smyth gegeben.[2] Der Iwerne Trust organisierte kirchliche Ferienlager für Jungen aus öffentlichen Schulen. Diese Lager wurden später als „bash camps“ bekannt, weil Smyth die Kinder und Jugendlichen brutal geschlagen hatte. Weder das Winchester College noch der Trust gaben die Warnungen, die sie bereits damals erhielten, an die Polizei weiter. John Smyth erhielt lediglich Hausverbot im Winchester College.[1]

1984 zog Smyth mit seiner Frau und seinen vier Kindern von Winchester in England[3] nach Simbabwe,[2] 2002 nach Südafrika. In Simbabwe wurde Smyth beschuldigt, am Tod eines Jugendlichen beteiligt gewesen zu sein, dessen Leiche 1992 im Swimmingpool eines der Camps gefunden wurde. Der Fall wurde 1998 niedergeschlagen.[1]

In Südafrika schlossen sich die Smyth' einer anglikanischen Gemeinde in Durban an, verließen diese aber sehr plötzlich im Jahr 2003 oder 2004 und zogen nach Cape Town. 2013 schickte die Diözese von Ely eine erste Warnung bezüglich Smyth' an den Bischof Garth Counsell. Kurz darauf schloss sich das Ehepaar Smyth einer anderen christlichen Gemeinschaft, Church-on-Main, an, kehrte aber später wieder zu den Anglikanern zurück. Der Erzbischof von Cape Town, Thabo Makgoba, kündigte Verbesserungen und Konsequenzen an, nachdem bekannt geworden war, dass die Warnungen aus England nicht weitergegeben worden waren.[3] Etwa ein Jahr vor seinem Tod wurde Smyth seiner Funktionen in seiner Gemeinde enthoben. Der Wunsch wurde laut, er möge nach Großbritannien zurückkehren und sich dort den untersuchenden Behörden stellen.

Welby erfuhr nach eigener Aussage im Jahr 2013, dass im Vereinigten Königreich rund 30 Jungen und junge Männer und 85 weitere in Afrika John Smyth zum Opfer gefallen waren, schwieg darüber aber, bis 2017 nach einem Fernsehbericht des Channel 4 eine polizeiliche Untersuchung des Falles in die Wege geleitet worden war. Er trat im Herbst 2024 von seinem Amt zurück, nachdem eine unabhängige Untersuchung ergeben hatte, dass er es versäumt hatte, die zuständigen Institutionen zeitnah zu informieren, sobald er selbst von Smyth' Taten erfahren hatte. Er konstatierte, sowohl persönlich als auch als Vertreter seiner Institution für dieses Versäumnis verantwortlich zu sein.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c Harriet Sherwood: Lawyer accused of beating boys at Christian camps dies, 12. August 2018 auf www.theguardian.com
  2. a b c Hannah Peart und Corky Siemaszko: Archbishop of Canterbury resigns amid abuse scandal, 12. November 2024 auf www.nbcnews.com, abgerufen am 25. November 2025
  3. a b Khanyisile Ngcobo: S Africa church apologises over exposing children to risk from abuser, 4. Februar 2025 auf www.bbc.com, abgerufen am 25. November 2025