John Philip Kemble
John Philip Kemble (* 1. Februar 1757 in Prescot, Lancashire; † 26. Februar 1823 in Lausanne) war ein englischer Dramatiker, Schauspieler und Theatermanager.
Familie und Ausbildung
Kemble war der älteste Sohn und das zweite Kind des Schauspielers Roger Kemble (1. März 1721 – 6. Dezember 1802) und ein Bruder von Charles und Stephen Kemble. Bereits als Kind trat er in einigen Rollen in der Theatergruppe seines Vaters auf, so spielte er unter anderem am 12. Februar 1767 den Herzog von York in Harvards Stück King Charles I., in dem seine ältere Schwester, Sarah (5. Juli 1755 – 8. Juni 1831, später verheiratet mit William Siddons), als Prinzessin Elizabeth auftrat. Am 16. April 1767 trat er in William Shakespeares Stück Der Sturm in der Inszenierung von William Davenant und John Drydens auf. Da seine Mutter Sarah (geborene Ward, genannt Sally) dem römisch-katholischen Glauben angehörte, wurde Kemble am 3. November 1767 auf die römisch-katholische Schule in Sedgley, Staffordshire geschickt, um dort als Priester ausgebildet zu werden. Am 25. Juli 1771 verließ er diese Schule und wechselte an das English College ins französische Douai. Dort erwarb er gute Kenntnisse in Latein und Griechisch und zeigte eine erstaunliche Merkfähigkeit für Texte. Kemble studierte das Leben der Heiligen, fühlte sich jedoch nicht zum Priestertum berufen. Daher kehrte er zur Schauspielerei zurück.[1]
Theaterkarriere
1776 betrat Kemble die Bühne und begann seine Schauspielkarriere. Auf Empfehlung seiner Schwester wurde er in dies Theatergruppe Crump & Chamberlain in Wolverhampton aufgenommen. Dort debütierte er am 8. Januar 1776 als Theodosius in Nathaniel Lees gleichnamiger Tragödie. Er trat bald allabendlich auf und hielt auch Vorträge über die Redekunst. Später inszenierte er in Liverpool seine Tragödie Belisarius, die er anschließend in Hull und York aufführte. Tate Wilkinson (27. Oktober 1739 – 16. November 1803) engagierte Kemble für seine Tournee durch York, wo er unter anderem in Wakefield als Captain Plume George Farquhars Stück The Recruiting Officer auftrat. Am 30. Oktober 1778 spielte er in Hull erstmals den Macbeth und übernahm später den Archer und weitere Rollen. In York trat Kemble am 19. Januar 1779 als Orestes in Distrest Mother und weiteren Rollen wie Ranger, Edward oder der Schwarze Prinz auf. Kemble verfasste auch zahlreiche eigene dramatische Werke, die jedoch zumeist nicht im Druck erschienen und nur ein einziges Mal aufgeführt wurden. Seine Bearbeitung von Shakespeares Comedy of Errors wurde ebenfalls in York aufgeführt und blieb ungedruckt.
Am 15. April 1778 kam es in York bei dem Stück Zenobia zu einem Zwischenfall, als die Aufführung durch die laute Unterhaltung einer jungen Dame gestört wurde. Kemble unterbrach seinen Vortrag und erklärte, er wolle warten, bis das Gespräch beendet sei. Die Begleiter der jungen Dame bestanden anschließend auf einer Entschuldigung, die er verweigerte, so dass es bei weiteren Aufführungen Störungsversuche gab, die aber bald wieder aufgegeben wurden. Nebenbei verfasste er Prologe für wohltätige Veranstaltungen in York und Leeds. In dieser Zeit lernte er Elizabeth Inchbald[2] kennen für die er nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Joseph Inchbald († 1779) eine Blankversode schrieb und auch die lateinischen Verse für Inchbalds Grabmal verfasste.
Am 24. Juni 1780 veranstaltete Kemble in Leeds im Theater einen sogenannten „Attischen Abend“, an dem er einem Vortrag über die „Kunst des mehrstimmigen Sprechens, die geistliche Beredsamkeit und die Redekunst des Theaters“ (englisch Art of Speaking in line parts, Sacred Eloquence, and Oratory of the Theatre) hielt. Es folgten im August und Anfang 1781 weitere ähnliche Vorträge. 1780 veröffentlichte er in York einen Gedichtband mit dem Titel Fugitive Pieces,[3] den er später aufkaufte und vernichtete, sodass die wenigen erhaltenen Exemplare für zehn bis fünfzehn Pfund gehandelt wurden. Später erschien davon ein Nachdruck als Faksimile. Kemble trat in vielen Städten des Distrikts York in Hauptrollen von Tragödien und Komödien auf.[1]
Sein Londoner Debüt gab Kemble 1783 als Hamlet am Theater Drury Lane. Schon bald galt er als großer Shakespeare-Tragöde. Er wurde Direktor des Drury Lane und erhielt bis 1801 ein wöchentliches Gehalt von 55 Pfund und 14 Schilling. Nachdem er 1802 und 1803 Kunstreisen durch Frankreich und Spanien unternommen hatte, erwarb er 1803 für 22 000 Pfund ein sechstel Anteil am Coventgarden-Theater. Doch Kemble, der seine ganze Energie daran setzte, die Gunst des Publikums für sein Theater zu gewinnen, verscherzte sich diese schon am ersten Abend, dem 18. September 1804, mit einer administrativen Maßnahme. Denn er hatte, da er seinen Darstellern und sich selbst hohe Gagen bezahlte, die Eintrittspreise binnen kurzer Zeit zweimal erhöht. Die Besucher waren über diese Maßnahme derart entrüstet, dass sie sich zu einer Partei der „Old Prices“ zusammenschlössen und forderten die Zurücknahme er Erhöhungen und die Entlassung der Ausländer, insbesondere der Catalani, die sie als Ursache für diese Maßnahme ansahen. Die allabendlich die Vorstellung wurden mehr als zehn Wochen hindurch gestört, um die Forderung durchzusetzen. Letztlich wurden die Preiserhöhungen rückgängig gemacht.[4] Das Haus wurde fünf Jahre später durch deinen Brand zerstört.
Er zog sich 1812 aus gesundheitlichen Gründen zurück, betrat aber schon 1814 wieder die Bühne. Er stand jetzt auf dem Gipfel seiner Popularität und war als der erste Schauspieler Englands anerkannt. Eine seiner wichtigsten Rollen war die des Coriolan, die er auch im Juni 1817 auch bei seiner Abschiedsvorstellung verkörperte.[5] Die Leitung des Coventgarden-Theaters übertrug Kemble 1817 seinem jüngeren Bruder Charles.
Das Feld, auf welchem Kemble glänzte, war die Tragödie. Er war von imponierender Gestalt und einnehmendem Äußern. Seine Stimme war deutlich und ausdrucksvoll, seine Darstellung groß und tief, das Resultat mühevollen Studiums. Alle Mittel, das Publikum hinzureißen, standen ihm zu Gebote.
Rollen (Auswahl)
- Hamlet – Macbeth (William Shakespeare)
- Johann – König Johann (William Shakespeare)
- Brutus – Julius Cäsar (William Shakespeare)
- Coriolanus – Coriolanus (William Shakespeare)
Würdigung
Maler wie Thomas Lawrence oder William Hamilton fertigten mehrere Gemälde von Kemble, die ihn in unterschiedlichen Rollen zeigen.
- John Philip Kemble Porträts von Thomas Lawrence (TL) und William Hamilton (WH)
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Als Coriolanus (TL)
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Als Pizarro (TL)
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Als Cato (TL)
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Als Hamlet (TL)
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Als Richard III. (WH)
Seine eher unscheinbare Statue von John Flaxman, die Kemble als Cato darstellt, wurde 1833 in der Westminster Abbey aufgestellt wo sie sich bis 1865 im nördlichen Querschiff befand.[6] Sie wurde mit Zustimmung seiner Nichte, Fanny Kemble (27. November 1809 – 15. Januar 1893), entfernt. Es wurden auch mehrere Büsten, Medaillons oder Souvenirs von ihm angefertigt.
Werke (Auswahl)
- Belisarius, or, Injur’d innocence. In: Three centuries of English and American plays, 1500–1830. 1778 (Tragödie in fünf Akten).
- The Female Officer. (Farce).
- The Pannel 1788 (Farce).
- Lore in many Masks. 1790 (Komödie).
- Celadon and Florimel. 1796 (Komödie).
- John Philip Kemble promptbooks of plays by Shakespeare, and others. 11 Bande, 1799–1811.
- Band 1: General introduction. All’s well. As you like it. Comedy of errors. (archive.org).
- Band 2: Coriolanus. Cymbeline. Hamlet. (archive.org).
- Band 3: Henry IV, pt. 1. Henry IV, pt. 2. Henry V. (archive.org).
- Band 4: Henry VIII. Julius Caesar (1811). Julius Caesar (1812). (archive.org).
- Band 5: King John. King Lear. Macbeth. (archive.org).
- Band 6: Measure for measure. Merchant of Venice. Merry wives of Windsor. (archive.org).
- Band 7: Much ado about nothing. Othello. Richard III. (archive.org).
- Band 8: Romeo and Juliet. Taming of the shrew (Katharine and Petruchio). The tempest. (archive.org).
- Band 9: Twelfth night. Two gentlemen. Winter’s tale. (archive.org).
- Band 10: Rule a wife. Venice preserved. Cato. (archive.org).
- Band 11: Wheel of fortune. The stranger. Pizarro.
Literatur
- John Ambrose Williams: Memoirs of John Philip Kemble … With an original critique on his performance. T. Holt, London 1823 (englisch, archive.org).
- James Boaden: Memoirs of the life of John Philip Kemble. Including a history of stage from the time of Garrick to the present period. 2 Bände, Longman Hurst, London 1825 (englisch, archive.org, archive.org).
- Percy H. Fitzgerald: The Kembles. Account of the Kemble family including the lives of Mrs. Siddons and her brother John Philip Kemble. 2 Bände, Tinsley, London 1871 (archive.org, archive.org).
- Kemble, 1) John Philip. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 674.
- Kemble, John Philip. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 30: Johnes – Kenneth. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 372–378 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Edward Robins: John Philip Kemble. In: Twelve great actors. G.P. Putnam's Sons, New York / London 1900, S. 39–72 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- Kemble. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 15: Italy – Kyshtym. London 1911, Abschnitt John Philip Kemble, S. 723 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- John Philip Kemble. In: The Lotus Magazine. Band 7, Nr. 7, 1916, S. 306–307, JSTOR:20543749 (englisch, archive.org).
- Herschel Clay Baker: John Philip Kemble; the actor in his theatre. Greenwood Press, New York 1969, ISBN 0-8371-2279-1 (englisch, archive.org).
- Iain Mackintosh: Mackintosh, Iain: Der vergängliche Glanz des britischen Theaters – Sonnenuntergänge über einer neoklassischen Theaterlandschaft. In: Metropole London : Macht und Glanz einer Weltstadt, 1800–1840. S. 199–208 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Peter Thomson: Kemble, John Philip (1757–1823), actor. In: Oxford Dictionary of National Biography Online; doi:10.1093/ref:odnb/15322 (Lizenz erforderlich), Stand: 3. Januar 2008.
Weblinks
- The Online Books Page: John Philip Kemble onlinebooks.library.upenn.edu
- Literatur von und über John Philip Kemble im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ a b Kemble, John Philip. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 30: Johnes – Kenneth. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1892, S. 372–378 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Inchbald, Mrs Elizabeth. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 14: Husband – Italic. London 1911, S. 353 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Fugitive Pieces. W. Blanchard and Co., London 1780 (archive.org).
- ↑ Ernst Leopold Stahl: Das englische Theater im 19. Jahrhundert; seine Bühnenkunst und Literatur. R. Oldenbourg, München 1914, 2. Kapitel: Die Theater, S. 11–39, hier S. 18–19 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Theater und Musik. In: Metropole London : Macht und Glanz einer Weltstadt, 1800–1840. S. 544–559, hier S. 545 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe, Text zu den Gemälden).
- ↑ John Phillip Kemble (1757–1823) John Flaxman (1755–1826) Sir John Soane’s Museum artuk.org.