John Maus

John Maus (* 23. Februar 1980 in Austin (Minnesota)) ist ein US-amerikanischer Musiker, Komponist, Sänger und Songwriter.

Bekannt ist er für seinen Bariton-Gesangsstil sowie für den Einsatz von Vintage-Synthesizern und mittelalterlichen Kirchentonarten, eine Kombination, die häufig mit dem Goth-Pop der 1980er Jahre verglichen wird. Seine frühen Lo-Fi-Aufnahmen antizipierten und beeinflussten die „Hypnagogic Pop“-Bewegung der späten 2000er Jahre.[1][2][3] Auf der Bühne ist er für seine intensiven emotionalen Performances bekannt. Er ist zudem früheres Bandmitglied von Ariel Pink's Haunted Graffiti.

Zeitweise arbeitete Maus als Dozent für Philosophie an der University of Hawaiʻi, wo er später einen Ph.D. in Politikwissenschaften erwarb.[4]

Stil und Philosophie

Bezüge

Zu Maus’ frühen Einflüssen zählen Nirvana, a-ha, Syd Barrett, Jim Morrison sowie Komponisten der mittelalterlichen, renaissancezeitlichen und barocken Musik. 1998 verließ er seine Heimatstadt Austin (Minnesota), um am California Institute of the Arts experimentelle Musik zu studieren. Während seines Studiums arbeitete er erstmals mit Ariel Pink zusammen, was sein Interesse an Popmusik verstärkte.

Seine frühen Alben ''Songs'' (2006) und ''Love Is Real'' (2007), die er überwiegend auf Kassette und mit Klangquellen der frühen 1990er Jahre produzierte, wurden zunächst überwiegend negativ besprochen. Erst mit dem dritten Album ''We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves'' (2011) fand er größere Anerkennung als Außenseiterkünstler. Nach einer mehrjährigen Pause veröffentlichte er 2017 das Album ''Screen Memories'' und 2018 ''Addendum''. Sein sechstes Studioalbum, ''Later Than You Think'', erschien im September 2025.

Schriftliche Auseinandersetzungen mit seinem Werk stellen häufig Bezüge zwischen seiner Musik und seiner akademischen Tätigkeit her. Maus selbst verneint jedoch, dass seinen Kompositionen ästhetische oder politische Theorien zugrunde liegen. Er bezeichnet einige seiner Stücke als Untersuchungen „vergessener“ elektronischer Klangpaletten, historischer Harmonien mit religiöser Konnotation sowie Texten, die bestimmte gesellschaftliche Idiome bis zu ihren „absurden“ Endpunkten verfolgen. In seiner Dissertation ''Communication and Control'' (2014) analysierte er den Einfluss von Technologie auf soziale Kontrollmechanismen.[4]

Performances und Rhetorik

Auf der Bühne ist Maus für seine intensive und körperlich expressive Performance bekannt.[5] Der Guardian bezeichnete ihn als „ferocious theoretician“, der sich durch energiegeladene Bewegungen und ausdrucksstarke vokale Einlagen auszeichne.[6] Bis 2017 trat er überwiegend mit Solo-„Karaoke“-Performances auf, bei denen er zu vorab aufgenommenen Instrumentalspuren sang.[7] Laut BBC verfolgt Maus im Pop ein ernsthaftes, konzeptuelles Interesse an den kulturellen und philosophischen Bedingungen populärer Musik.[8]

Maus führt seine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz auf das Konzept des „hysterischen Körpers“ zurück, mit dem er eine größere Aufrichtigkeit im Live-Auftritt erreichen wolle.[9] In Interviews betont er die Bedeutung von „Wahrheit“ in Musik und Performance und kritisiert reduktive Genre-Zuschreibungen in der Popkritik.[10] Zudem verweist er in Interviews häufig auf philosophische Fragestellungen und komplexe, theoretische Bezüge.[11]

Retro-Sound

Obwohl er die Bezeichnung ablehnt, wird Maus häufig als früher Vertreter des sogenannten Hypnagogic Pop eingeordnet, einer Strömung, die stark mit Retromanie und Nostalgie verbunden ist.[12][13] Seine Kompositionen basieren oft auf modalen Skalen, die historisch mit der Renaissance- und mittelalterlichen Musik verbunden sind. Maus betonte, dass diese Harmonik häufig irrtümlich als Rückgriff auf den Sound der 1980er Jahre verstanden werde.[14]

Er erläuterte, dass sich sein Interesse an diesen kirchentonalen Modi aus deren spezifischer harmonischer Wirkung ergebe und nicht aus einem Bezug zur Popästhetik der 1980er Jahre.[15] Zudem verwies er darauf, dass elektronische Musiker der 1980er Jahre ähnliche Modi aufgriffen und dass dieses harmonische Repertoire fortgeführt werden könne.[16] Maus äußerte darüber hinaus, dass Synthesizer und elektronische Klangerzeugung für ihn mehr Ausdrucksmöglichkeiten bieten als die Gitarre, die er als weitgehend ausgeschöpft betrachtet.[17]

Persönliches

In 2017 heiratete Maus die ungarische Künstlerin Kika Karadi.[18] Er ist katholisch.[19]

Politische Positionen und Kontroverse

In einem Interview aus dem Jahr 2017 ordnete sich Maus auf dem politischen Spektrum als „links von links von links von links“ ein. Er erklärte, es komme darauf an, Empörung über begangene Verbrechen zu empfinden, da man andernfalls nicht Teil der von ihm wahrgenommenen Menschlichkeit sei.[20] Zudem verurteilte er Rassismus ausdrücklich als „Kult von Rasse und Blut“, den er als „absoluten Abscheu“ bezeichnete.[21]

Anfang Januar 2021 nahm Maus gemeinsam mit Ariel Pink an den Pro-Donald Trump Protesten teil, die am 6. Januar in den Sturm auf das Kapitol mündeten. Maus erklärte später, dass er auf Einladung eines Filmemachers nach Washington gekommen sei und dort kurzfristig Zeuge des Geschehens wurde.[22] Zudem teilt er in einem späten Statement, rückblickend nicht früh genug klare Stellung bezogen zu haben.

Darüber hinaus hatte er während des laufenden Wahlkampfs zur Präsidentschaftswahl 2020 zunächst an das Lager von Bernie Sanders gespendet und später an die Kampagne von Donald Trump – er führte dies auf seine Überzeugung zurück, dass die Demokratische Partei Sanders bei der Nominierung behindert habe.[23]

Diskografie

Studioalben

  • 2006: Songs (Upset the Rhythm)
  • 2007: Love Is Real (Upset the Rhythm)
  • 2011: We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves (Ribbon Music, Upset the Rhythm)
  • 2017: Screen Memories (Ribbon Music)
  • 2018: Addendum (Ribbon Music)
  • 2025: Later Than You Think (Young)

Kompilationen

  • 2012: A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material (Ribbon Music)
Commons: John Maus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Music Review: John Maus - We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  2. Paul Lester: Gary War (No 1,134). In: The Guardian. 25. Oktober 2011, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  3. D. Magazine: 15 Things You Must Do In Dallas This February. In: D Magazine. 1. Februar 2018, abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. a b John Maus: Communication and control. Dezember 2014 (handle.net [abgerufen am 16. November 2025] University of Hawaii at Manoa).
  5. Ian Gittins: John Maus – review. In: The Guardian. 15. August 2012, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  6. Ian Gittins: John Maus – review. In: The Guardian. 15. August 2012, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  7. John Maus on Music, the Minnesota Milieu, Quantum Leap, and More. 17. Oktober 2017, abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. BBC - Music - Review of John Maus - A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material. Abgerufen am 16. November 2025 (britisches Englisch).
  9. DRAGGED THROUGH THE MUD: A CONVERSATION WITH JOHN MAUS. In: Antigravity Magazine. (antigravitymagazine.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  10. Tom Hawking: Come Back, John Maus! You’re the Hero Music Needs! 30. April 2015, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  11. Matthew Cole: Review: John Maus, We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves. In: Slant Magazine. 28. Juni 2011, abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  12. Music Review: John Maus - We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  13. Arte TRACKS: Dr. John Maus, Haiyiti, 3 Stolen Cameras: die TRACKSminute vom 19.01.2018! 17. Januar 2018, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  14. Sam Richards: John Maus: 'If my music sounds 80s, you're hearing its medieval backbone'. In: The Guardian. 12. November 2011, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  15. The Quietus: Towards A New Language: John Maus Interviewed. In: The Quietus. 28. Juni 2011, abgerufen am 16. November 2025 (britisches Englisch).
  16. Sam Richards: John Maus: 'If my music sounds 80s, you're hearing its medieval backbone'. In: The Guardian. 12. November 2011, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  17. Interview: John Maus Talks New Album, Wanting to Write Like Mark Ronson | SPIN. In: Spin. 27. Oktober 2017 (spin.com [abgerufen am 16. November 2025]).
  18. Nathan Pemberton: John Maus Is Making Outsider Pop for the End of the World. 25. Oktober 2017, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  19. Reddit – Das Herz des Internets. Abgerufen am 16. November 2025.
  20. Colin Joyce: John Maus at the End of the World. In: VICE. 12. Oktober 2017, abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  21. Josh Terry: Don't Be Shocked John Maus and Ariel Pink Were at the Pro-Trump Riot in D.C. In: VICE. 7. Januar 2021, abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  22. Forms Podcast: Episode XXV: John Maus on Music & Political Philosophy. 27. März 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  23. John Maus. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).