John Law (Musiker)

John Law (* 3. Mai 1961 in London) ist ein britischer Jazz- und Improvisationsmusiker (Piano, Komposition), der sehr stark auf der klassischen Musik aufbaut.

Leben und Wirken

Law, dessen Mutter eine aus Wien stammende Pianistin und Klavierlehrerin ist, wuchs geprägt von klassischer Musik auf, die er bereits als kleines Kind liebte. Vierjährig begann er mit dem Klavierspiel, erhielt Unterricht und trat bereits mit sechs Jahren öffentlich auf. Zwischen 1979 und 1983 studierte er Klavier und Komposition an der Royal Academy of Music in London, wo er Preise für sein Klavierspiel gewann. Anschließend erhielt er ein Stipendium der österreichischen Regierung, um in Wien bei Paul Badura-Skoda zu studieren, wozu ihn Alfred Brendel ermutigte. Dennoch wandte er sich 1986 dem Jazz zu und gründete seine Gruppe Atlas, ein hauptsächlich frei improvisierendes Trio mit Paul Rogers am Bass und Mark Sanders am Schlagzeug,[1] das 1989 ein selbstproduziertes Album veröffentlichte.

In den nächsten Jahren konzentrierte sich Law mehr auf den experimentellen Jazz. Mit dem Quartett von Jon Lloyd trat er bei der BBC auf, tourte mit Bill Frisell durch Großbritannien und legte drei gefeierte CDs vor, darunter By Confusion. Mit eigenen Gruppen nahm Law Alben auf und tourte durch Großbritannien, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Österreich, Italien, Russland, Litauen und Weißrussland, wobei er auf vielen Festivals auftrat.[1]

Im Duo mit dem südafrikanischen Schlagzeuger Louis Moholo, mit dem das Album The Boat Is Sinking, Apartheid Is Sinking (1994) entstand, tourte Law in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Kanada. 1993 gründete er mit Paul Dunmall, Barry Guy und Louis Moholo das kollaborative Extremely Quartet, das ein gleichnamiges Album veröffentlichte und sich nicht nur in Großbritannien, sondern 1998 auch bei den Nickelsdorf Konfrontationen vorstellte. In dieser Zeit war er zudem gelegentlich im Quartett von Evan Parker tätig, gehörte auch dem Dedication Orchestra an und trat auf dem London Jazz Festival in einem Septett mit David Murray und Chico Freeman auf.[1]

In seinen Solokonzerten in dieser Zeit ging Law hingegen von der Gregorianik aus und führte bestimmte harmonische Elemente aus der Alten Musik ein. Seine Soloalben Talitha Cumi (1994), Pentecost (1996), The Hours (1997) und Thanatos (2000) erhielten international sehr gute Kritiken.[1]

Ab 1996 beschäftigte sich Law mehr mit traditionelleren Formen von komponiertem Jazz und bildete ein Trio mit Tim Wells (Bass) und Paul Clarvis (Schlagzeug, der später durch Dave Wickins ersetzt wurde). Diese Gruppe nahm vier von der Kritik hochgelobte CDs auf und tourte in Großbritannien, Frankreich und Deutschland.[1]

2000 gründete Law das Quartett Abacus mit Jon Lloyd, Tim Wells und dem amerikanischen Schlagzeuger Gerry Hemingway. Es nahm die gleichnamige CD (hatOLOGY) auf. Im Folgejahr entwickelte er seinen eigenen Ansatz für die Jazzsprache weiter und gründete ein neues Quartett mit dem Saxophonisten Tim Garland, Tim Wells und Dave Wickins, das das Album „The Moment“ aufnahm. Mit Alec Dankworth, Wickins und dem Solisten Julian Siegel kontrastierte er die Kompositionen von Thelonious Monk mit dem Standardrepertoire (Monk N Junk).[1]

In den nächsten Jahren beschäftigte er sich in verschiedenen Gruppen mit dem Repertoire der klassischen Musik (Out of the Darkness) und führte sogar die Rhapsody in Blue auf. 2005 gründete er mit Sam Burgess und Asaf Sirkis das Trio The Art of Sound, das mehrere Alben vorlegte (ab 2010 mit dem Bassisten Yuri Goloubev; unter dem Namen Congregation erschien Three Leaps of the Gazelle); daneben trat er auch wieder mit Soloprogrammen auf und im Piano-Duo mit Mark Pringle.[1]

Außerdem erregten Laws „Re-Creations“-Projekte Aufsehen, in denen er bekannte Musiktitel verschiedener Genres (von Debussy bis Deep Purple) neu arrangierte und interpretierte.[2] Nach Umbesetzung seines Congregation-Trios mit Ashley John Long (Bass) und Billy Weir (Schlagzeug) entstand das Alben Configuration.[3] Weiterhin arbeitete er im Duo mit John Lloyd.[4]

Diskographische Hinweise

  • Jon Lloyd Quartet Syzygy (Leo Records, 1992)
  • John Law Quartet Exploded on Impact (SLAM, 1993)
  • Talitha Cumi (FMR Records, 1994)
  • John Law/Louis Moholo The Boat is Sinking, Apartheid is Sinking (Impetus, 1994)
  • Pentecost (FMR, 1996)
  • Jon Lloyd Quartet By Confusion (HatHut Records, 1997)
  • John Law/Paul Dunmall/Barry Guy/Louis Moholo Extremely Quartet (HatHut, 1997)
  • The Hours (FMR, 1997)
  • John Law Trio: Songs without Words (EOS 1998)
  • John Law Quartet Abacus (HatOLOGY 2001)
  • John Law Trio Solitudes (Cornucopia, 2001)
  • Cornucopia Ensemble featuring Andy Sheppard: Out of the Darkness (SLAM, 2004)
  • John Law Trio/Quartet featuring Julian Siegel Monk 'n' Junk (ASC, 2005)
  • John Law/Sam Burgess/Asaf Sirkis The Art of Sound Volume 1 (33JAZZ, 2007)
  • The Ghost in the Oak, The Art of Sound Volume 2 (33JAZZ, 2008)
  • Chorale, The Art of Sound Volume 3 (33JAZZ, 2008)
  • John Law/Sam Burgess/Asaf Sirkis Congregation, The Art of Sound Volume 4 (33JAZZ, 2009)
  • John Law, Mark Pringle This Is (33JAZZ, 2011)
  • John Law’s Congregation Three Leaps of the Gazelle (33JAZZ, 2012)
  • Boink! (Cornucopia CRCD, 2014)
  • John Law’s New Congregation These Skies in Which We Rust (33Xtreme, 2014, mit Josh Arcoleo, Yuri Goloubev, Laurie Lowe)
  • Goldberg (33Xtreme, 2014)
  • John Law Quartet featuring Sam Crockatt, James Agg, Billy Weir Re-Creations Volume 1 (33JAZZ, 2017)
  • John Law’s Congregation, featuring James Mainwaring Configuration (Ubuntu UBU0036, 2020)[3]
  • John Law’s Re-Creations, Many Moons (33JAZZ, 2022, mit Sam Crockatt, Henrik Jensen, Alex Goodyear)
  • Jon Lloyd/John Law Naissance (2024)[4]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g John Law (Piano). In: Bach-Cantatas. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).
  2. Ian Mann: John Law’s Re-Creations Many Moons. In: thejazzmann.com. 19. November 2023, abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).
  3. a b Selwyn Harris: John Law's Congregation: Configuration. In: Jazzwise. 2020, abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).
  4. a b Mike Jurkovic: Jon Lloyd / John Law: Naissance. In: All About Jazz. 12. Februar 2025, abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).