John Kiriakou

John Kiriakou (* 9. August 1964 in Sharon (Pennsylvania)) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Geheimdienstler. Er war als Mitarbeiter der Central Intelligence Agency 2002 an der Ergreifung von Abu Subaida in Pakistan beteiligt und hat 2007 gegenüber Medien Aussagen über das Folterprogramm der CIA gemacht. Einige seiner konkreten Darstellungen zum Ablauf der Waterboarding-Verhöre erwiesen sich als unzutreffend, die grundsätzliche Feststellung, dass Waterboarding durch die CIA stattfand, gilt jedoch als belegt. Kiriakou wurde im Januar 2013 wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen gegenüber der Presse verurteilt.

Leben und Wirken

John Kiriakou wurde 1964 geboren und wuchs in New Castle (Pennsylvania) auf. Seine Eltern waren beide griechische Immigranten, die als Grundschullehrer arbeiteten.[1][2] Nach einem Studium der Nahostwissenschaften an der George Washington University,[3] das Kiriakou mit einem Master abschloss,[4] wurde er 1990 ebendort von der Central Intelligence Agency (CIA) rekrutiert.[5] Dort lernte er Arabisch und begann als Analyst zu arbeiten. Zunächst befasste er sich mit der Situation am Persischen Golf;[1] 1997 wechselte er zur Terrorbekämpfung in Griechenland.[6] Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wechselte er als Chef der CIA-Antiterroreinheit in Pakistan ins operative Geschäft.[7][6] Unter anderem gehörte er 2002 zu dem Team, das den auf Mitgliedschaft bei al-Qaida verdächtigten[8] Abu Subaida fasste. Dieser war der erste Gefangene, an dem die CIA neue, sogenannte „erweiterte Verhörmethoden“ anwandte, zu der auch Folter gehörte.[6]

2004 trat Kiriakou bei der CIA aus und begann bei Deloitte zu arbeiten. Ende 2007, als in der US-Öffentlichkeit eine Debatte über Folter an Gefangenen der CIA geführt wurde, trat er im Fernsehsender ABC auf und sprach über Waterboarding und andere Methoden, die er ausdrücklich als Folter bezeichnete. In den folgenden Tagen und Wochen war er ein häufiger Gast in den Medien. Er war 2002 als CIA-Analytiker an der Operation beteiligt, die den al-Qaida-Terroristen Abu Subaida in Pakistan aufgespürt hatte. Subaida war nach der Festnahme in einem Geheimgefängnis in Thailand inhaftiert und gefoltert worden. Kiriakou erzählte in der Sendung, dass Subaida nach 30 bis 35 Sekunden Waterboarding zusammengebrochen sei und anschließend wertvolle Aussagen gemacht hätte. Kiriakou war jedoch nicht selbst an den Verhören beteiligt, auch nicht vor Ort, sondern hielt sich in den USA auf und hatte sein Wissen aus offiziellen und inoffiziellen Berichten. Er sagte explizit, dass die Folter notwendig gewesen sei und Resultate gebracht habe. Andererseits lehnte er die Fortsetzung der Methoden ab, weil zum damaligen Zeitpunkt keine Notwendigkeit mehr für derartige Maßnahmen gegeben war.[9]

Seine Aussagen stellten die Foltermethoden als erfolgreich dar und rechtfertigten sie so. Kiriakou war der einzige CIA-Mitarbeiter, der öffentlich über diese Methoden sprach. Nach seinen Medienauftritten wurde Kiriakou zunächst als Berater für nationale Sicherheit bei ABC angestellt, seit Frühjahr 2009 arbeitete er für den US-Senat.[9] Er galt diversen Medien als Whistleblower.[10]

Im Januar 2012 wurde Kiriakou beschuldigt, geheime Informationen, darunter die Namen von verdeckt arbeitenden CIA-Mitarbeitern, an Journalisten weitergegeben zu haben.[11] Im Oktober 2012 räumte Kiriakou in einem Plea Bargain die Schuld an einem Teil der ihm vorgeworfenen Taten ein. Er wurde im Januar 2013 zu 30 Monaten Haft verurteilt.[12]

Nachdem seit 2009 verschiedene interne Berichte der CIA bekannt geworden waren, erhoben sich Zweifel an der Korrektheit der Aussagen von Kiriakou.[9]

Im Februar 2015 wurde Kiriakou aus der Haft entlassen.[13]

Auszeichnungen

Kiriakou wurde 2016 mit dem Sam Adams Award geehrt.[14]

Schriften

  • The Reluctant Spy. My Secret Life in the CIA’s War on Terror, Skyhorse Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-553-80737-0
  • Gemeinsam mit Joseph Hickman: The Convenient Terrorist. Abu Zubaydah and the Weird Wonderland of America’s Secret Wars, Skyhorse Publishing, New York 2017, ISBN 978-1-5107-1164-8
  • Doing Time Like a Spy. How the CIA Taught Me to Survive and Thrive in Prison, Rare Bird Books 2017, Los Angeles, ISBN 978-1-945572-41-8
  • Gemeinsam mit Gareth Porter: The CIA Insider’s Guide to the Iran Crisis. From CIA Coup to the Brink of War, Skyhorse Publishing, New York 2020, ISBN 978-1-5107-5609-0
  • National Security Whistleblowing: Torture and its Aftermath, in: Tatiana Bazzichelli (Hrsg.): Whistleblowing for Change. Exposing Systems of Power and Injustice, Transcript, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5793-7
  • How to Disappear and Live Off the Grid: A CIA Insider’s Guide, Skyhorse Publishing, New York 2022, ISBN 978-1-5107-5612-0
  • Lying and Lie Detection: A CIA Insider's Guide, Skyhorse Publishing, New York 2022, ISBN 978-1-5107-5611-3
  • Surveillance and Surveillance Detection: A CIA Insider's Guide, Skyhorse Publishing, New York 2022, ISBN 978-1-5107-5610-6
Commons: John Kiriakou – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Charlie Savage: Ex-C.I.A. Officer’s Path From Terrorist Hunter to Defendant. In: New York Times. 24. Januar 2012, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  2. Natalia Megas: John Kiriakou, CIA Officer Turned Whistleblower, Sahres His Story. In: Washingtonian. 6. Juli 2015, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  3. John Kiriakou. CIA agent, counter terrorism adviser, torture whistleblower: b. 1964. In: Americans who Tell the Truth. Abgerufen am 2. Oktober 2025.
  4. John Kiriakou: The Reluctant Spy. My Secret Life in the CIA’s War on Terror. Skyhorse Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-553-80737-0, S. 12.
  5. John C. Kiriakou: How I Joined the CIA. In: The Real News Network. 17. April 2015, abgerufen am 2. Oktober 2025.
    Videoversion: How I Joined the CIA - John Kiriakou on Reality Asserts Itself (2/10) auf YouTube, 17. April 2015, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  6. a b c Kerstin Kohlenberg: Was darf man beim Verhör mit einem Terroristen tun? In: Die Zeit. 31. März 2016, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  7. Alexis Bushnell, Kate Kenny, Marianna Fotaki: The battle for the whistleblower: An interview with John Kiriakou. In: Ephemera. Theory & Politics in Organization. Band 19, Nr. 4, 2019, S. 825–845, hier 826 (ephemerajournal.org [PDF]).
  8. Jason Leopold: Government Now Says High-Value Detainee Abu Zubaydah Never Member Of Al-Qaeda. In: The Public Record. 28. Januar 2012, archiviert vom Original am 8. Februar 2012; abgerufen am 2. Oktober 2025.
  9. a b c BRIAN STELTER: How ’07 ABC Interview Tilted a Torture Debate. In: New York Times. 27. April 2009, archiviert vom Original; abgerufen am 3. Januar 2024 (englisch).
  10. Arte: Schweig, Verräter! (Memento vom 17. Dezember 2014 im Internet Archive), Dezember 2014. Dokumentation über Whistleblower mit Beteiligung von Kiriakou
  11. Former CIA Officer John Kiriakou Indicted for Allegedly Disclosing Classified Information, Including Covert Officer’s Identity, to Journalists and Lying to CIA’s Publications Board. In: www.fbi.gov. 5. April 2012, archiviert vom Original am 14. Juli 2014; abgerufen am 11. Dezember 2014 (englisch).
  12. Andrew Jerell Jones: Prison Dispatches from the War on Terror: Ex-CIA Officer John Kiriakou Speaks. In: The Intercept. 19. Januar 2015, abgerufen am 3. Januar 2024 (englisch).
  13. Amy Goodman, Juan González: Exclusive: Freed CIA Whistleblower John Kiriakou Says "I Would Do It All Again" to Expose Torture. In: Democracy Now! 9. Februar 2015, abgerufen am 13. Februar 2015 (englisch).
  14. John Kiriakou. Sam Adams Award, abgerufen am 18. Juni 2023 (englisch).