John Hawkins (Seefahrer)

Sir John Hawkins (* 1532 in Plymouth; † 12. November 1595 auf See vor Puerto Rico) war ein englischer Seefahrer und Freibeuter. Als einer der ersten englischen Sklavenhändler erwarb er durch Sklavenhandel zwischen Afrika und Westindien großen Reichtum.

Leben

Sklavenjäger

In den 1560er Jahren betrieb Hawkins in Sierra Leone systematisch Sklavenjagd[1].

Der Handel mit Westindien

Als Antwort auf ein Handelsembargo Spaniens begannen englische und französische Freibeuter Mitte des 16. Jahrhunderts, spanische Schiffe, Transporte und Städte in der Karibik auszuplündern sowie unerlaubt Handel zu treiben. John Hawkins war einer von ihnen, sein Vetter Francis Drake ein weiterer.

Hawkins verfügte über familiäre Kontakte in die Admiralität und in die reiche Kaufmannschaft, was seinen schnellen Aufstieg begünstigte. 1562 nahm er mit Hilfe der englischen Krone den Sklavenhandel von Afrika nach Amerika auf. Die Spanier, die de facto ein Monopol im Sklavenhandel besaßen, sahen in seinen Handelsbemühungen Schmuggelei. Da ihre Niederlassungen in der neuen Welt aber – verglichen mit europäischen Maßstäben – ökonomisch auf sich allein gestellt und militärisch unzureichend ausgerüstet und organisiert waren, hatte Hawkins gewisse Chancen, Handelsgeschäfte abzuschließen. Er musste den am Handel interessierten Gouverneuren nur die Möglichkeit geben, ihr Gesicht zu wahren bzw. sich gegenüber der spanischen Krone rechtfertigen zu können.

So gab es auf seiner zweiten Reise (1564–1565) vor Rio Hacha am 21. Mai 1565 ein Handgemenge mit den Spaniern, dem ein Geschäftsabschluss folgte. Dieselbe Strategie des ehrenvollen Blutvergießens bzw. Scheinangriffs wandte er später nochmal vor Cartagena an. Im April war der Gouverneur von Borburata (Burboroata), Alonso Bernaldez, allerdings zu schnell auf Hawkins Drohungen eingegangen (der sogar die üblichen Steuern von 7,5 % an die Spanier zahlte) und wurde deswegen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Die dritte Reise

Die dritte Reise (1567–1569) trat Hawkins mit sechs Schiffen an, zwei davon gehörten der Königin. Bereits im Vorfeld der geplanten Reise gab es Proteste des spanischen Botschafters und einen Zwischenfall mit spanischen Kriegsschiffen in Plymouth. Auf dem Weg nach Afrika kaperte seine Flottille einige spanische Schiffe und nahm und in Sierra Leone Einheimische gefanden, die als Sklaven an Bord verschleppt wurden. In Westindien tätigte er mittels Erpressung (Niederbrennen einiger Häuser, Scheinangriff) wichtige Handelsgeschäfte. Nur vor Cartagena wurde er zum Abzug gezwungen, als ihm der dortige Gouverneur eine kampfbereite Streitmacht vortäuschte.

Nach einem Sturm musste Hawkins San Juan de Ulúa bei Veracruz anlaufen, da dies der Platz zur Reparatur großer Schiffe war. Dort nahm er die Honoratioren gefangen, die seine (inzwischen aus zehn Schiffen bestehende Flotte) für die Silberflotte des neuen Vizekönigs Martín Enríquez de Almansa hielten und an Bord eilten. Mit diesen Geiseln konnte er sich den Zugang zum Inselbefestigung Gallega erpressen. Seine Männer legten sich auf die Lauer, um einen aus Veracruz erwarteten Goldtransport abzufangen. Aber der Goldtransport wurde gewarnt und kehrte um, stattdessen kam die Flotte des Vizekönigs an (13 Schiffe, aber nur ein Kriegsschiff) und bald darauf folgten 120 Soldaten aus Veracruz. Am Morgen des 23. September begannen die Spanier den Angriff, stürmten die Inselbefestigung und eröffneten ein Kreuzfeuer auf die englischen Schiffe. Nur zwei davon, die Judith unter Drake (50 Tonnen) und die Minion unter Hawkins (300 Tonnen, gehörte der Königin) entkamen. Unterwegs ließ Hawkins 104 Mann mangels Verpflegung zurück. Von seinem Schiff erreichten nur 15 Männer England. Nach der Rückkehr zerstritten sich Drake und Hawkins wegen Drakes schneller Flucht und dem Vorwurf der Unterschlagung.

Spätere Jahre

Trotz des Fehlschlages war Hawkins Handelsunternehmen um 1570 kommerziell äußerst erfolgreich. Es verfügte über Schiffstonnage von 2090 Tonnen und über 13 Schiffe, die mindestens 60 Tonnen groß waren. Da seine Flotte aufgrund des spanischen Boykotts keinen Handel mehr treiben konnte, musste er sich die Spanier irgendwie gewogen machen. Am 11. August 1571 trat Hawkins insgeheim in spanische Dienste und wurde dafür reich belohnt. Danach verriet er die Spanier und schlug sich wieder auf die englische Seite.

Von Königin Elisabeth I. wurde er 1577 zum Treasurer of the Navy ernannt und für seine Verdienste 1588[2] zum Knight Bachelor geschlagen. Als einer von drei Vizeadmirälen trug er 1588 im Kampf gegen die Spanische Armada zum Sieg der englischen Flotte bei.

1595 nahm er neben Sir Francis Drake an einem Angriff auf spanische Städte in der Karibik teil. Er starb jedoch vor Erreichen der ersten Zielstadt San Juan am 12. November 1595 vor Puerto Rico an Fieber.

Ehen und Nachkommen

In erster Ehe heiratete Hawkins um 1559 Katharine Gonson († 1591), Tochter von Benjamin Gonson, Schatzmeister der Royal Navy. Mit ihr hatte er einen Sohn, Sir Richard Hawkins (1560/62–1622). In zweiter Ehe heiratete er Margaret Vaughan, Tochter des Charles Vaughan, Gutsherr von Hergest Court in Herefordshire. Die Ehe blieb kinderlos.

Literatur

  • Hawkins, Sir John (admiral). In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 13: Harmony – Hurstmonceaux. London 1910, S. 98 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  • John Knox Laughton: Hawkins, John (1532–1595). In: Leslie Stephen, Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 25, Smith, Elder & Co., London 1891, S. 212–219 (englisch, Wikisource).
  • Zur allgemeinen Einordnung in die seefahrts- und entdeckungsgeschichtlichen Zusammenhänge siehe: Robert Bohn: Die Piraten. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-48027-6.
  • Cruz Apestegui: Piraten in der Karibik. Delius Klasing, Bielefeld 2001, ISBN 3-7688-1301-0.

Rezeption

  • Andreas Venzke (Hrsg.): Gasparan oder die letzte Fahrt des Francis Drake. Benziger-Verlag, Zürich 1996, ISBN 3-545-36531-X.
Commons: John Hawkins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. David Eltis, Atlantic Cataclysm: Rethinking the Atlantic Slave Trades. Cambridge, Cambridge University Press 2024, 196
  2. William Arthur Shaw: The Knights of England. Band 2, Sherratt and Hughes, London 1906, S. 86.