John F. Richards

John Fulsom Richards (* 3. November 1938 in Exeter, New Hampshire; † 23. August 2007 in Durham, North Carolina) war ein US-amerikanischer Historiker und Hochschullehrer, der sich mit der Geschichte Südostasiens und insbesondere des Mogulreich befasste.

Leben

John F. Richards begann nach dem Schulbesuch ein Geschichtsstudium an der University of New Hampshire (UNH), welches er 1961 als Jahrgangsbester beendete. 1968 übernahm er eine Professur für Geschichte an der University of Wisconsin–Madison und schloss 1970 seine Promotion zum Doctor of Philosophy an der University of California, Berkeley bei Thomas R. Metcalf[1] mit einer Dissertation ab, die 1975 unter dem Titel Mughal Administration in Golconda („Die Mogulverwaltung in Golkonda“) veröffentlicht wurde, und etablierte sich damit als einer der führenden Historiker des Mogulreichs in den Vereinigten Staaten. Der Einfluss des Mogulreichs auf das Weltgeschehen veranlasste ihn, die Moguln als frühneuzeitliches Reich zu betrachten, und nicht als mittelalterliches, wie die meisten Kommentatoren annahmen. Diese Überzeugung führte ihn zu Studien über Welthandel und Staatsfinanzen sowie zur Umweltgeschichte der frühen Neuzeit, wobei er sich insbesondere für einen interdisziplinären und multiregionalen Forschungsansatz engagierte.

1977 übernahm Richards eine Professur für Geschichte an der Duke University in North Carolina. Er engagierte sich stark in der Verwaltung des Council of American Overseas Research Centers und in der Sanierung des angeschlagenen American Institute of Pakistan Studies (AIPS). In der Folgezeit verfasste er weitere Werke zur Mogulzeit und der Geschichte Südostasiens wie Kingship and Authority in South Asia („Königtum und Autorität in Südasien“, 1978), The Imperial Monetary System of Mughal India India („Das kaiserliche Währungssystem des Mogulreichs in Indien“, 1987), The Mughal Empire („Das Mogulreich“, 1993) und The Unending Frontier: Environmental History of the Early Modern World („Die unendliche Grenze: Umweltgeschichte der frühen Neuzeit“, 2003). Er fungierte auch als Gründungspräsident des American Institute of Afghanistan Studies (AIAS), dessen erste Sitzung 2003 an der Duke University stattfand. 2007 erhielt er den Preis für herausragende Beiträge zu den Asienstudien und starb kurz darauf, wenige Tage vor seinem geplanten Ruhestand, an Krebs. Aus seiner 1961 geschlossenen Ehe mit Ann Berry Richards gingen zwei Kinder hervor.

2011 stiftete die American Historical Association (AHA) den nach ihm benannten „John F. Richards Prize in South Asian History“, der jährlich für das beste Buch zur Geschichte Südasiens verliehen wird, und den bisher unter anderem Farina Mir (2011),[2] Nayanjot Lahiri (2016),[3] Sebastian Prange (2019)[4] sowie Nira Wickramasinghe (2021)[5][6] erhielten.[7] 2013 erschien eine Festschrift mit dem Titel Expanding Frontiers in South Asian and World History: Essays in Honour of Richards, die von Richard M. Eaton, Munis D. Faruqui, David Gilmartin und Sunil Kumar herausgegeben wurde.

Veröffentlichungen

  • Mughal Administration in Golconda, 1975
  • Kingship and authority in South Asia, 1978, Neuauflage 1998
  • Global deforestation and the nineteenth-century world economy, 1983, Neuauflage 1988
  • Precious metals in the later medieval and early modern worlds, 1983
  • Document forms for Official Orders of Appointment in the Mughal Empire, 1986
  • The new Cambridge history of India, 1987, Neuauflagen 1999 und 2006
  • The Imperial Monetary System of Mughal India India, 1987
  • Power, administration, and finance in Mughal India, 1993
  • The Mughal Empire, 1993[8]
  • Kingship and Authority in South Asia, 1998
  • Land, property, and the environment, 2002
  • The world hunt. An environmental history of the commodification of animals, posthum 2014

Literatur

  • Richard M. Eaton, Munis D. Faruqui, David Gilmartin, Sunil Kumar: Expanding frontiers in South Asian and world history essays in honour of John F. Richards, 2013[9]

Einzelnachweise

  1. Thomas Metcalf. In: Prabook. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  2. Farina Mir awarded the John F. Richards Book Prize of the AHA in South Asian History. In: University of Michigan. 11. März 2011, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  3. Nayanjot Lahiri. In: Prabook. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  4. Sebastian Prange wins the American Historical Association’s John F. Richards Prize. In: University of British Columbia. 30. Oktober 2019, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  5. Nira Wickramasinghe. In: Prabook. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  6. Nira Wickramasinghe wins John F. Richards Prize. In: Universiteit Leiden. 8. November 2021, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  7. John F. Richards Prize in South Asian History. In: American Historical Association. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
  8. Onlineversion
  9. Expanding Frontiers in South Asian and World History. Essays in Honour of John F. Richard: Content, Contributors, Foreword, Introduction. In: Cambridge University Press. Abgerufen am 9. November 2025 (englisch).