Johanniter Luftrettung

Die Johanniter Luftrettung (JLR) mit Sitz in Gießen ist eine Organisation zur Durchführung der zivilen Luftrettung in Deutschland. Sie gehört zur Johanniter-Unfall-Hilfe.

Geschichte

Im Jahr 1972 wurde in Hannover ein erster Luftrettungsstandort eingerichtet. Damit begann die Beteiligung der Johanniter an der Luftrettung in Deutschland. In den folgenden Jahren kamen weitere Standorte in Köln, Telgte, Münster, Bad Oeynhausen, Dortmund, Aachen und Eutin hinzu, die vor allem für Kliniktransport- und Auslandsrückholdienste genutzt wurden.

1996 nahm ein Intensivtransporthubschrauber am Flugplatz Reichelsheim den Betrieb auf, zunächst mit Duldung durch das Land Hessen, später erfolgte die offizielle Beauftragung. Im Jahr 2014 wurde das Luftrettungszentrum Gießen in Betrieb genommen.[1]

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 2.718 Einsätze durchgeführt, der Umsatzerlös belief sich auf rund 19 Millionen Euro.[2]

Die Geschäftsführung bestand bis zum 30. Juni 2020 aus Günther Lohre und Oliver Meermann.

Seit dem 1. Juli 2020 wird das Unternehmen von Oliver Meermann und Frank Zabell geführt.

Seit dem 1. Dezember 2023 ist das Luftfahrtunternehmen HELI-FLIGHT GmbH & Co. KG eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Johanniter Luftrettung. Die operativen Geschäfte des Luftfahrtunternehmens werden seit diesem Zeitpunkt von der HELI-FLIGHT JLR gGmbH geführt, der Firmensitz verbleibt in Reichelsheim.[3]

Aufgaben

Hauptaufgabe der Johanniter Luftrettung ist der Intensivtransport schwer kranker Patienten innerhalb Deutschlands. Einige Hubschrauber werden im sogenannten Dual-Use-System eingesetzt und stehen neben Sekundärtransporten auch für Primäreinsätze in der Notfallrettung zur Verfügung. Darüber hinaus betreibt die Organisation Ambulanzflugzeuge zur Auslandsrückholung und bietet medizinisch begleitete Rückholungen in Verkehrsflugzeugen an.

In Mainz betreiben die Johanniter die Johanniter-Alarmzentrale für Sekundär- und Intensivtransporte (JASI), über die entsprechende Einsätze koordiniert werden. Primäreinsätze werden hingegen durch die jeweils zuständigen örtlichen Rettungsleitstellen disponiert.

Standorte

Christoph Gießen / Christoph 90

Der Intensivtransporthubschrauber Christoph Gießen ist am Luftrettungszentrum Gießen stationiert. Er wird im Dual-Use-System betrieben und steht rund um die Uhr für Einsätze zur Verfügung. Die notärztliche Besatzung wird vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg gestellt. Luftfahrzeug und Piloten werden von der Heli-Flight bereitgestellt, die HEMS Technical Crew Member stammen aus dem Regionalverband Mittelhessen der Johanniter.[4]

Mit rund 1.000 Einsätzen pro Jahr ist Christoph Gießen der einsatzstärkste Hubschrauber der Johanniter Luftrettung.

Christoph Mittelhessen / Christoph 91

Der Intensivtransporthubschrauber Christoph Mittelhessen ist am Flugplatz Reichelsheim stationiert. Das Luftfahrzeug wird von der Firma Heli-Flight gestellt. Der Hubschrauber trug ursprünglich den Namen Christoph Reichelsheim. Zur Vermeidung von Verwechslungen mit der Stadt Reichelsheim (Odenwald) erfolgte eine Umbenennung in Christoph Rhein-Main. Nach der Stationierung des ITH Christoph Hessen in Gießen wurde der Hubschrauber schließlich in Christoph Mittelhessen umbenannt.

Christoph Rostock / Christoph 92

Der Intensivtransporthubschrauber Christoph Rostock ist am Klinikum Südstadt Rostock stationiert. Bis zum 31. Dezember 2019 wurde das Luftfahrzeug von der Firma Rotorflug gestellt, zum 1. Januar 2020 übernahm die Firma Heli-Flight den Flugbetrieb.

Air Rescue Nürburgring / Christoph 94

Der Intensivtransporthubschrauber Air Rescue Nürburgring ist seit dem 1. Mai 2016 am Nürburgring stationiert. Neben der medizinischen Versorgung bei Rennveranstaltungen werden von dort aus auch bundesweite Intensivtransporte durchgeführt. Darüber hinaus fliegt der Hubschrauber subsidiäre Primäreinsätze in der Notfallrettung, die in diesen Fällen von den Krankenkassen vergütet werden.[5]

Neun von Zehn Einsätzen entfallen auf Primäreinsätze, die durch die Leitstelle Koblenz koordiniert werden.

Christoph 4

Der Rettungshubschrauber Christoph 4 ist in Hannover stationiert. Er wird von der Johanniter Luftrettung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern betrieben.

Christoph 12

Der Rettungshubschrauber Christoph 12 ist in Ahrensbök stationiert und wird vom Bundesministerium des Innern betrieben. Seit 1981 stellen die Johanniter den HEMS Technical Crew Member.

Christoph 35

Der Rettungshubschrauber Christoph 35 ist in Brandenburg stationiert und wird vom Bundesministerium des Innern betrieben. Die HEMS Technical Crew Member werden unter anderem von den Johannitern gestellt.

Ausstattung

Die Johanniter Luftrettung betreibt einen Pool aus Hubschraubern und Ambulanzflugzeugen für Intensivtransporte, Notfallrettungen und internationale Rückholungen.

Die Hubschrauber werden von der HELI-FLIGHT JLR gGmbH bereitgestellt.

  • Eurocopter Dauphin: Die Dauphin unterscheidet sich von typischen Intensivtransporthubschraubern wie der Airbus Helicopters H145 durch eine größere Kabine, eine quer eingebaute Trage, ein Einziehfahrwerk sowie eine um rund 60 km/h höhere Geschwindigkeit.
  • Eurocopter EC 155 B1: Seit 2019 ergänzt eine EC 155 B1 den Flottenpool. Sie bietet mehr Kabinenraum und eine stärkere Motorisierung, wodurch auch übergewichtige Patienten bis 400 kg transportiert werden können.
  • Airbus Helicopters H145 D‑3: Die erste H145 D‑3 (D‑HJLA) kam im November 2021 zum Einsatz und wird u. a. als Christoph Gießen betrieben. Sie dient neben Rettungseinsätzen auch für Verlegungsflüge intensivpflichtiger Patientinnen und Patienten. Anfang 2022 wurde eine weitere H145 D‑3 (D‑HJLB) beschafft, die noch im Laufe des Jahres in Dienst gestellt wurde. 2025 folgte die dritte H145 D‑3 (D‑HJLC).

Die Ambulanzflugzeuge dienen insbesondere für internationale Rückholungen und längere Verlegungsflüge.

Seit 2004 werden die Hubschrauber in Rot und Weiß mit einer EKG-Line lackiert. Mit der Anpassung des Corporate Designs 2014 wurde zusätzlich die Farbe Grau in das Farbschema aufgenommen.

Die Intensivtransporthubschrauber sind standardmäßig mit einer Patiententrage, einem EKG, einer Absaugpumpe, zwei Beatmungsgeräten, mehreren Spritzenpumpen sowie zwei Notfallrucksäcken mit Medikamenten ausgestattet. Zur Einsatzdokumentation steht ein Touchpad zur Verfügung. Bei Bedarf können zusätzliche medizinische Geräte wie eine ECMO oder ein Inkubator mitgeführt werden.

Einige Hubschrauber sind mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, sodass Primär- und Sekundäreinsätze an den Standorten Rostock, Gießen und Bochum auch bei Nacht durchgeführt werden können.

Medienpräsenz

Die Johanniter Luftrettung wurde in mehreren Dokumentationen und Fernsehbeiträgen begleitet.

Im Hessischen Rundfunk wurde die Arbeit von Christoph Hessen im Rahmen der Reihe Im Einsatz! vorgestellt. 2014 erschien zudem die halbstündige Dokumentation Fliegende Intensivstation – Notruf für Christoph Gießen. Ebenfalls im Hessischen Rundfunk wurde Christoph Gießen in der Dokumentationsreihe 112 Wir retten Hessen gezeigt. 2019 berichtete der Sender Maintower über die neu in Dienst gestellte EC 155.

In der Kabel-Eins-Reihe Die Klinik – Ärzte, Helfer, Diagnosen wurden in der ersten Staffel Notärzte begleitet, die auf Christoph Mittelhessen primäre und sekundäre Einsätze fliegen. Außerdem filmte Kabel Eins einen Einsatz von Christoph Rostock, welcher in der Serie Achtung Kontrolle! ausgestrahlt wurde.

Im Südwestrundfunk-Beitrag Air Rescue Pfalz – Leben retten aus der Luft wurde das Team während einer Schicht begleitet. Eine Kurzdokumentation von Stern TV zeigte eine 24-Stunden-Schicht. Weitere Beiträge erschienen bei bluptv und im Rahmen der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring.

Über die Nachtflugaktivitäten der Johanniter Luftrettung wurde sowohl im Maintower als auch in einem Videobeitrag der Bild berichtet.

Commons: Johanniter Luftrettung – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Geschichte. In: www.johanniter.de. Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., abgerufen am 14. November 2019.
  2. Jahresbericht 2017. In: www.johanniter.de. Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juli 2019; abgerufen am 14. November 2019.
  3. Johanniter Luftrettung übernimmt Luftfahrtunternehmen. In: www.johanniter.de. Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., abgerufen am 4. Dezember 2023.
  4. lhe/red: Luftrettungszentrum: „Christoph Gießen“ hebt 2018 zu 1321 Einsätzen ab. In: www.giessener-anzeiger.de. Gießener Anzeiger Verlags GmbH & Co KG, 14. März 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. November 2019; abgerufen am 15. Oktober 2025.
  5. Team www.rth.info: rth.info | „Air Rescue Nürburgring“ im Fokus der Landespolitik. Abgerufen am 16. November 2019.