Johanniskirche (Maikammer)
| Protestantische Johanniskirche | ||
|---|---|---|
| Daten | ||
| Ort | Maikammer | |
| Architekt | Hermann Esch, Arno Anke | |
| Baustil | neoklassizistische Saalkirche | |
| Baujahr | 1913–1914 | |
| Koordinaten | 49° 18′ 21″ N, 8° 8′ 5,4″ O | |
Die denkmalgeschützte Johanniskirche (auch Johanneskirche) ist das Kirchengebäude der protestantischen Kirchengemeinde in Maikammer im Landkreis Südliche Weinstraße (Rheinland-Pfalz). Sie gehört zum Kirchenbezirk Neustadt an der Weinstraße der Evangelischen Landeskirche der Pfalz. Die Kirche ist nach Johannes dem Täufer benannt.
Lage
Die Johanniskirche liegt am Rande des Pfälzerwaldes im Zentrum von Maikammer an der Poststraße, unweit der katholischen Kirche. Hinter dem Kirchengebäude befindet sich das protestantische Pfarrhaus.
Beschreibung
Außenbeschreibung
Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um eine Saalkirche im Stil des Neoklassizismus aus den Jahren 1913 und 1914. Die Kirche besteht aus bossierten Sandsteinquadern. Der halb eingezogene Kirchturm im Westen ist quadratisch und Teil der Frontfassade. Direkt unter dem gedrungenen Turmhelm verfügt er über eine Attika. Auf der Turmspitze thront eine Figur Johannes des Täufers.
Innenbeschreibung
Der Innenraum wird von einer tonnengewölbten Kassettendecke überspannt. Die Bleiglasfenster wurden von Josef Goller aus Dresden geschaffen. An der Süd- und Nordseite befinden sich jeweils drei große Fenster. Zwei kleinere Fenster befinden sich jeweils über den Seitentüren. Die Fenster in den Mitten zeigen die Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Auf der Südseite zeigen die beiden übrigen Fenster zum einen die Begegnung Jesu mit Maria und Martha von Bethanien und zum anderen mit den Emmausjüngern. Die übrigen Bilder auf der Nordseite zeigen Einzelgespräche zwischen Jesus und Nikodemus sowie zwischen ihm und der Samariterin am Jakobsbrunnen. Der Reformator Martin Luther und der Schwedenkönig Gustav II. Adolf sind jeweils auf den kleinen runden Fenstern abgebildet.
Im Untergeschoss der Kirche befindet sich ein Gemeindesaal mit Nebenräumen, der für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt werden kann.
Geschichte
Im Jahr 1892 wurde auf Bestreben der Protestanten des Nachbardorfs Kirrweiler die Einrichtung eines eigenen Vikariats in Maikammer bei der königlich-bayerischen Regierung beantragt. In diesem Zuge wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Auf den Antrag folgte 1897 die Genehmigung finanzieller Mittel durch den bayerischen Landtag. Im August genehmigte Prinzregent Luitpold von Bayern die Errichtung des Vikariats. Die Gemeinden Kirrweiler, Diedesfeld und St. Martin wurden dem Vikariat zugeordnet.
Das Vikariat verfügte 1912 über 112.000 Mark zum Bau der neuen Kirche in Maikammer. Die gemeinschaftlich arbeitenden Architekten Hermann Esch und Arno Anke aus Mannheim wurden mit einem Entwurf für die Kirche beauftragt. Der Bau wurde schließlich von einem Baumeister Mattheis ausgeführt. Die Grundsteinlegung konnte am 20. April 1913 erfolgen, die Bauarbeiten dauerten bis ins Folgejahr an. Am 3. Mai 1914 wurde die Kirche eingeweiht. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützte den Bau der neuen Kirche. Im April des Jahres 1921 wurde das Vikariat in eine selbstständige Pfarrei umgewandelt, der erste Pfarrer trat sein Amt im September 1924 an.
1957 erfolgte eine Innenrenovierung. In den Jahren 2004 und 2005 wurde das Gebäude generalüberholt.
Orgel
Die Orgel wurde 1913 von G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen) als opus 1187 mit pneumatischen Membranladen gebaut. Sie verfügt über 13 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. Im Rahmen der Kirchenrenovierung wurde die Orgel 1956 durch Steinmeyer unter der Beratung von Adolf Graf im Sinne der Orgelbewegung umdisponiert.[1] Im Jahr 2021 wies die Orgel umfangreiche Mängel mit mehreren defekten Registern auf. Eine Renovierung samt Wiederherstellung des Originalzustandes erfolgte 2023 durch Orgelbau Lenter aus Großsachsenheim. Die Disposition lautet heute:[2]
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- Koppeln:
- Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
- Superoktavkoppel: II/II, II/I
- Suboktavkoppel: II/II, II/I
- Spielhilfen: Tutti, Piano Pedal, Handregister ab, Walze ab
Glocken
Im Juli 1913 beschloss das Presbyterium, zwei Glocken bei der Glockengießerei Johann Georg Pfeifer in Kaiserslautern gießen zu lassen; sie wurden Ende Oktober 1913 gefertigt und am 8. November 1913 im neuerrichteten Turm aufgehängt (die „Gustav-Adolf-Glocke“ mit 438 kg, und die „Luther-Glocke“ mit 746 kg). Eine dritte, größere „Christusglocke“ (1.762 kg) wurde am 15. Dezember 1913 gegossen und vom 22. bis zum 24. Dezember montiert. Die beiden kleineren Glocken wurden 1917 für den Kriegsbedarf eingeschmolzen; nach dem Ersten Weltkrieg ermöglichten Spenden die Neugießung durch Pfeifer im Jahr 1926, die mittlere Glocke erhielt 1927 einen Motor für elektrisches Geläut („Vater-unser-Glocke“). Im Zweiten Weltkrieg gingen wohl alle Glocken verloren.
Heute verfügt die Johanniskirche über folgendes Geläut:[3]
| Nr. | Gussjahr | Gießer, Gussort | Durchmesser (mm, ca.) |
Masse (kg, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1949 | Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg | 1.120 | 950 | e1 |
| 2 | 900 | 450 | gis1 |
Literatur
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreis Südliche Weinstraße. 6. Februar 2020, S. 66 (gdke-rlp.de [PDF; 10,3 MB; abgerufen am 16. September 2025]).
- Hans Caspary (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 1984, ISBN 3-422-00382-7 (dehio.org [abgerufen am 16. September 2025]).
- Protestantische Kirchengemeinde Maikammer (Hrsg.): Flyer über die Johanniskirche. (evkirche-maikammer.de [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 16. September 2025]).
Weblinks
- Informationen über die Johanniskirche. In: Alsterweiler-Wiki.
- Geläutepräsentation auf YouTube, 18. April 2020.
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag zur Orgel (Beschreibung Nr. 2068172). In: Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Informationen zur Orgel. In: orgel-information.de. Abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Informationen über die Glocken. In: Glockendatenbank createsoundscape.de. Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen BA, abgerufen am 16. September 2025.