Johanneskirche (Gingen an der Fils)

Die evangelische Johanneskirche steht in Gingen an der Fils im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirche gehört zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Ausstattung

915 schenkte Königin Kunigunde den Verwaltungsverband Gingen mit sieben zugehörigen Siedlungen dem Reichskloster Lorsch. Dessen Abt Salemannus ließ dort eine Privatkapelle errichten.[1] Am 1. Februar 984 weihte der Konstanzer Bischof Gebhart diese Kapelle. Zur Erinnerung an das Ereignis wurde ein Stein mit Inschrift in das Mauerwerk eingefügt:

Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 984 am 1. Febr., als der König Otto der Jüngere regierte, hat Abt Saleman in der Hoffnung auf sicheren Lohn dieses Bethaus von Grund auf erbaut. Auch ist es auf seine Bitte vom ehrwürdigen Manne, dem Herrn Gebhart (eingeweiht worden) (deutsche Übersetzung, im Original Latein).

Diese Inschrift gilt heute wegen ihrer Datierung nach dionysischer Zeitrechnung als älteste Kircheninschrift im deutschsprachigen Raum und befand sich ursprünglich über dem Nordportal der Johanneskirche.[2]

Aus der kleinen Privatkapelle entwickelte sich im Laufe der Zeit eine der größten Dorfkirchen in der Umgebung. Vor 1280 entstand der Wehrturm. Das Gelände rund um die Kirche erhielt eine imposante Wehrmauer mit einer starken Toranlage. Die älteste Kirchenglocke ertönte ab 1363 und wurde 1400 durch eine zweite ergänzt. 1463 wurde dem Turmsockel des Chorturms der gotische Spitzhelm aufgesetzt. Der darin befindliche Chor wurde erweitert und bekam ein Deckengewölbe. An die nach Süden durchbrochene Mauer fügte man die Sakristei an.[3] 1512 wurde das Kirchenschiff auf seine heutige Größe erweitert.[1]

Gemeinsam mit dem Kloster Lorsch wurde die Johanneskirche 1232 in das Hochstift Mainz eingegliedert.[4] Bis etwa 1605 blieb das Erzbistum Mainz Gingener Patronatsherr, denn der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg konnte 1531 die Einführung der Ulmer Reformation zunächst teilweise verhindern. Erst 1605 wurde Gingen vollständig evangelisch. Zwischen 1803 und 1810 war der katholische bayerische König Patronatsherr der evangelischen Kirche Gingen. Mit dem Staatsvertrag von 1810 kam die Pfarrei an das Königreich Württemberg und ist seither Teil der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.[1]

Bei der Renovierung 1964–66 wurden übertünchte gotische Wandgemälde im Chor und über dem Chorbogen mit Darstellungen der vier Kirchenväter entdeckt.[5] Das monumentale Weltgerichtsbild von 1524, das vom Obervogt Eitel Sigmund von Berg und seiner Gattin Ursula von Speth gestiftet wurde, ist wahrscheinlich dem katholischen Ulmer Künstler Martin Schaffner zuzuschreiben. Vieles deutet darauf hin, dass es vor dem Übertritt zum Protestantismus warnen soll, z. B. finden sich Vornehme (Adlige, Bischof) nur bei den Seligen und keiner bei den Verdammten.[6][7]

Der Taufstein stammt aus dem 16. Jahrhundert.[5]

1759 errichtete der Ulmer Orgelbauer Georg Friedrich Schmahl eine Orgel mit 13 Registern, die 1890 durch eine Orgel von Walcker (opus 610) ersetzt wurde. Die Walcker-Orgel wurde 1987 durch ein neues Instrument ersetzt.

Literatur

  • Hans Brandauer: Gingen an der Fils und seine alte Kirche. Eine geschichtliche Betrachtung. Hrsg.: Evangelische Kirchengemeinde Gingen/Fils. Gingen an der Fils 1967 (60 S.).
  • Hans Walther Brandauer: Tausend Jahre Kirchengeschichte Gingen-Fils. Eine geschichtliche Betrachtung. Hrsg.: Evangelische Kirchengemeinde Gingen-Fils. Gingen an der Fils 1984 (215 S.).
  • Hans Brandauer: Die neue Orgel in der Johanneskirche in Gingen an der Fils. Festschrift zur Orgeleinweihung in der Johanneskirche Gingen am 5. Juli 1987. Hrsg. v. der Evangelischen Kirchengemeinde Gingen, Gingen/Fils 1987.
Commons: Johanneskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c 10. Johanneskirche. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  2. Evangelische Kirche. Abgerufen am 9. Januar 2026.
  3. Die Johanneskirche. (PDF) Abgerufen am 10. Januar 2025.
  4. 500 Jahre Silhouette Gingen. Abgerufen am 10. Januar 2026.
  5. a b Johanneskirche (Gingen). Abgerufen am 9. Januar 2026.
  6. @1@2Vorlage:Toter Link/www.swp.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2024. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Heribert Hummel: Wandmalereien im Kreis Göppingen. Konrad-Verlag, Weißenhorn 1978, S. 108–109.

Koordinaten: 48° 39′ 33,6″ N, 9° 46′ 46,4″ O