Johannes Potente

Johannes Potente (* 1908 in Brakel; † 1987 ebenda) war ein deutscher Industriedesigner. Er galt lange als „anonymer Designer“ von FSB, einem Beschlägehersteller aus dem Weserbergland[1]. Heute werden seine Werke u. a. im Museum of Modern Art in New York ausgestellt[2].

Leben und Ausbildung

Potente begann 1922 im Alter von 14 Jahren eine Lehre als Stahlgraveur bei FSB in Brakel und studierte ab 1932 an der Kunstgewerbeschule in Pforzheim. Während des Zweiten Weltkriegs war er von 1940 bis 1945 an der Ostfront im Einsatz, wo er unter anderem Minenkarten zeichnete[1]. Nach Kriegsende kehrte er an seinen Arbeitsplatz bei FSB zurück. Seine Heimatstadt Brakel verließ er danach nur noch selten für längere Zeit.

1950 übernahm Potente die Leitung der Abteilungen Entwicklung, Entwurf, Werkzeugbau, Gravur und gewerbliche Ausbildung bei FSB. In dieser Position entstand auch sein erster Türklinkenentwurf.

Gestalter Otl Aicher beschrieb ihn mit den Worten: „Er war ein Arbeiter. Er machte Modelle für Türgriffe, weil das gebraucht wurde und er dazu Anlagen hatte.“[1] Dieses Zitat charakterisiert Potente als pragmatischen Gestalter, der aus handwerklicher Erfahrung heraus funktionale und zugleich ästhetische Formen entwickelte.

Entwürfe und Nachwirkung

In den frühen 1950er Jahren entwarf Potente bei FSB erstmals eigene Türdrücker: Darunter das Modell FSB 1034 (1950), das aufgrund seines Erfolgs den Spitznamen „Millionendrücker“ erhielt, sowie das organisch geschwungene Modell FSB 1020 (1953)[1]. In den späten 1950er und 1960er Jahren folgten weitere Entwürfe wie der FSB 1051 (ca. 1955) – ein sogenannter „Schneider-Drücker“ – sowie dessen Redesign FSB 1058 (um 1960)[1][3]. Potente modernisierte außerdem den Türgriff FSB 1005 (basierend auf einem Wehag-Entwurf) in den 1960er Jahren und gestaltete das Modell FSB 1015 (ein Re-Design eines WEHAG-Entwurfs von 1930) in den 1950ern neu[4].

Vier seiner Türdrücker-Modelle (1020, 1051, 1046, 1058) wurden 1998 in die Dauersammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen[1][5][6]. Einige seiner Entwürfe gelten heute als FSB-Klassiker. Johannes Potente starb 1987 in Brakel[1].

Ausstellungen (Auswahl)

  • Museum of Modern Art (MoMA), New York – Dauersammlung[7]
  • Museum of Modern Art (MoMA), New York – Architecture and Design Nov 20, 2004–Nov 7, 2005
  • FSB / Firmenmuseum Brakel (Deutschland) – Firmensammlung

Literatur (Auswahl)

  • Potente, J. (1989). Brakel. Design der 50er Jahre. Brakel: FSB Franz Schneider / Köln: Walther König. ISBN 978-3-88375-090-3
  • Aicher, O., Braun, J. W., Rams, D., & Potente, J. (1989). Design der 50er Jahre. Brakel: FSB Franz Schneider / Köln: Walther König. (Hinweis: Beitrag von Potente)
  • Scholtz, A., & Potente, J. (1998). Die Türklinke 1020. Frankfurt am Main: Verlag Form. ISBN 978-3-931317-23-2

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g „Johannes Potente – Die Werkspur der Hände.“ *Bauwelt*. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  2. “Johannes Potente.” Website des MoMA. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  3. „Potentes Liebling.“ Website der FSB (Franz Schneider Brakel). Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  4. „Model [FSB 1015(chatgpt://product-detail?product-number=0) – based on a 1930s wehag design and reimagined by Johannes Potente in the 1950s.“] FSB (Franz Schneider Brakel) Produktseite. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  5. “Johannes Potente – Door Handle, 1958.” Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA). Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  6. „FSB: Meisterstücke der Gestaltung.“ *Süddeutsche Zeitung*. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  7. „brand eins“ *brand eins Neuland*. Abgerufen am 30. Oktober 2025.