Johannes Hermann
Johannes Hermann (* um 1515 in Zittau; † 22. April 1593 in Freiberg) war ein deutscher Kantor, Thomaskantor, Jurist und Gerichtsschreiber.[Anm. 1]
Leben
Von 1531 – also im Alter von nur 16 Jahren – wurde Hermann Thomaskantor in Leipzig. Er war somit der Nachfolger von Valerian Hüffener, der als der letzte Kantor aus dem Konvent des Augustinerklosters St. Thomas gilt. Zum Wintersemester 1534 immatrikulierte sich Hermann an der Universität Leipzig.[1] Hermann blieb Thomaskantor bis 1536, danach wurde er Kantor am Freiberger Dom. Dieses Amt gab er 1540 auf, um sein Jurastudium zum Abschluss zu bringen.
Er blieb in Freiberg, verfolgte aber fortan eine rein juristische Laufbahn. Ab 1541 war er für zwei Jahre als Amtsvogt oder Schösser tätig, dann neun Jahre lang als Gerichtsschreiber. Danach setzte er sich zur Ruhe und lebte als Privatier. Am 22. April 1593 starb er im Alter von 78 Jahren.
Als Komponist soll Hermann einige lateinische Oden für Schulzwecke hinterlassen haben.[2] Robert Eitner schrieb ihm die Herausgabe einer Sammlungen von Pavanen zu, die im Katalog der früheren Bibliothek der Kathedrale von Brüssel nachgewiesen war.[3]
Literatur
- Reinhard Vollhardt: Geschichte der Cantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen. Issleib, Berlin 1899, S. 105 f.; slub-dresden.de.
- Friedrich Lampadius: Die Kantoren der Thomasschule zu Leipzig: ein biographisches Denkmal, deutschen Tonmeistern errichtet. C. Steffen, Leipzig-Reudnitz 1902, OCLC 53373010, S. 8 f.; Textarchiv – Internet Archive.
- Adolf Prümers: Berühmte Thomaskantoren und ihre Schüler. Langensalza 1908, S. 3 f.; Textarchiv – Internet Archive.
- Emil Preuss, Karl August Thümer: Quellenbuch zur Geschichte des Gymnasiums in Freiberg von der Zeit vor der Reformation bis 1842. Band 3. Gerlachsche Buchdruckerei, 1915, S. 20; slub-dresden.de.
- Gerhard Dietzsch: Zur Pflege der Musik an den deutschen Universitäten bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts: Leipzig. In: Archiv für Musikforschung, Band 3, 1938, S. 302 ff, hier S. 318; Textarchiv – Internet Archive.
- Stefan Altner, Martin Petzoldt, Marina Täschner: Lebensdaten der Thomaskantoren, Rektoren, Konrektoren und Direktoren. In: Stefan Altner, Martin Petzoldt (Hrsg.): 800 Jahre Thomana, Festschrift zum Jubiläum von Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule. In Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig, Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft, Helmut Loos, und dem Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Eszter Fontana. Stekovics, Wettin-Löbejün 2012, ISBN 978-3-89923-238-7, S. 436–439.
- Michael Maul: Die Frühgeschichte des Thomaskantorats und die Entwicklung des Chores bis zum Amtsantritt Johann Sebastian Bachs. In: Stefan Altner, Martin Petzoldt (Hrsg.): 800 Jahre Thomana, Festschrift zum Jubiläum von Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule. In Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig, Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft, Helmut Loos, und dem Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Eszter Fontana. Stekovics, Wettin-Löbejün 2012, ISBN 978-3-89923-238-7, S. 78–103.
- Michael Maul: „Dero berühmbter Chor“: die Leipziger Thomasschule und ihre Kantoren (1212–1804). Lehmstedt, Leipzig 2012, ISBN 978-3-942473-24-8.
Weblinks
- Ursula Brekle: Die Thomaskantoren vor Bach, leipzig-lese.de
Anmerkungen
- ↑ Auf einigen Websites wie bach-cantatas.com wird Hermann mit dem Kirchenlieddichter Johann Hermann gleichgesetzt. Einen Beleg dafür gibt es nicht, im Gegenteil erzeugt die Gleichsetzung eine Reihe von biographischen Widersprüchen.
Einzelnachweise
- ↑ Georg Erler (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Leipzig. Band 1: Die Immatrikulationen von 1409–1559 (= Codex diplomaticus Saxoniae regiae. 2. Hauptteil, Band 16). Giesecke & Devrient, Leipzig 1895, S. 615; hhu.de.
- ↑ M. Gondolatsch: Die musikalischen Beziehungen zwischen Leipzig und der Oberlausitz. In: Zeitschrift für Musikwissenschaft. 9, 1926, S. 449–467, hier S. 458; Textarchiv – Internet Archive.
- ↑ Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 5. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1901, S. 126; Textarchiv – Internet Archive.