Johannes Daniel Mylius

Johannes Daniel Mylius oder Johann Daniel Mylius (* Mai 1585 in Gemünden (Wohra); † nach 1631) war ein deutscher Theologe, Arzt, Alchemist (Iatrochemie) und Musiker.

Leben

Mylius, getauft am 24. Mai 1585, war der Sohn eines Pfarrers und die Familie besaß die Walkmühle in Wetter bei Marburg. Er studierte ab 1596 am Pädagogium in Marburg und war dann Verlagslektor (Korrektor) und Hauslehrer in Frankfurt am Main. 1612 studierte er mit Erlaubnis des Landgrafen Moritz der Gelehrte Chemie in Gießen und dann Medizin in Marburg bei Heinrich Petraeus mit dem Lizenziat 1616.

Danach war er wieder Verlagslektor in Frankfurt und begann mit der Veröffentlichung eigener medizinisch-pharmazeutisch-alchemistischer Schriften (Opus medico-chymicum, 1618 bis 1630, Antidotarium medico-chymicum reformatum 1620, Philosophia reformata 1622, Anatomia auri 1628, Pharmacopoea Spagyrica 1628). Nebenher spielte er Laute in der protestantischen Barfüßerkirche in Frankfurt. Aufgrund einer alchemistischen Schrift, die er dem Winterkönig Friedrich V. (Pfalz) widmete musste er Frankfurt einige Zeit verlassen. 1622/23 war er kurzzeitig in Kassel beim Landgrafen Moritz, für den er alchemistische Experimente durchführte, mit dem er sich aber überwarf. 1625 wurde er – wo genau, ist unbekannt – zum Doktor der Medizin promoviert. 1628 wurde er Leibarzt des katholischen Erzbischofs von Trier. Nach 1632 gibt es keine Nachrichten von ihm.

In seinem umfangreichen dreibändigen Opus medico-chymicum findet sich im zweiten Band eine Behandlung der Iatrochemie. Auf weite Strecken kopiert er dabei Andreas Libavius und dessen Alchymia (1597). Es gibt darin auch genaue Abbildungen chemischer Geräte wie Destillierapparate und Öfen, auch im industriellen Maßstab. Zusätzlich lässt er aber auch einfließen, was er bei seinem Schwager Johannes Hartmann, einem Professor für Iatrochemie in Marburg, gelernt hatte. Seine Philosophia reformata von 1622 enthält zahlreiche allegorische alchemistische Symbole. Die Texte sind allerdings komplett aus dem Buch De arte Chymica von 1572 geschickt plagiiert, indem er die Titel und Anfangssätze, nach denen Texte damals identifiziert wurden, verstümmelte.

Er schrieb auch ein theologisches Buch (Christliche reformierte Theologia 1621, mit dem Ziel der Vereinigung von Calvinisten und Lutheranern) und veröffentlichte eine Sammlung Lautenstücke (Thesaurus gratiarum. Frankfurt am Main 1622) in französischer[1] Tabulatur.

Literatur

  • Oliver Humberg: Johannes Daniel Mylius, Arzt, Musiker und Alchemist aus Wetter in Hessen. Eigenverlag 2012, ISBN 3938657049.
  • Ulrich Neumann: Mylius, Johannes Daniel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 667–668 (deutsche-biographie.de).
  • Killy Literaturlexikon. Band 8, S. 477 f.

Anmerkungen

  1. Vgl. etwa Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, S. 16 (Johann Daniel Mylius: Ballet), 63 (geboren 1531, gestorben nach 1640) und 65 (zu Thesaurus Gratiarum, ehem. Staatsbibliothek Berlin).