Johannes-Calvin-Kirche
Die Johannes-Calvin-Kirche ist eine evangelische Kirche im Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld. Sie wurde zwischen 1901 und 1902 nach den Plänen von Hermann Behaghel im neugotischen Stil erbaut. Der 1901 gelegte Grundstein mit der Inschrift 1901 befindet sich an der Vorderseite der Kirche an der rechten unteren Turmecke.
Geschichte
Friedrichsfeld wurde erst im 17. Jahrhundert gegründet, als sich Hugenottenfamilien aus dem Raum Sedan hier niederließen. Sie waren französisch-reformiert und bauten 1687 eine Kirche. Bereits kurz darauf wurde sie wie ganz Friedrichsfeld im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Die Einwohner flüchteten nach Brandenburg und kehrten auch nach dem Friedensschluss nicht mehr zurück. Die neuen Siedler waren konfessionell gemischt. Die Reformierten wurden vom Pfarrer der Seckenheimer Kirche betreut, bis sie 1741 Filialgemeinde von Edingen wurden. Drei Jahre zuvor war auch an der Stelle der alten Kirche mit einem Neubau begonnen worden.
1852 wurde die Kirche erweitert. Aufgrund des Bevölkerungswachstums gegen Ende des 19. Jahrhunderts war sie aber bald wieder zu klein, so dass ein Neubau diskutiert wurde. 1901 wurde der Grundstein gelegt und am 16. Oktober 1902 wurde die Kirche mit einem Festgottesdienst, an dem der badische Großherzog Friedrich I. teilnahm, eingeweiht. Zuständig für die Seelsorge war aber immer noch der Edinger Pfarrer. 1904 wurde dann ein Vikariat eingerichtet und 1910 wurde Friedrichsfeld eine selbständige Pfarrei. Drei der vier Glocken der Gießerei Andreas Hamm mussten im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Die verbliebene Glocke wurde 1924 durch zwei neue ergänzt. 1935 wurde der Innenraum unter der Leitung von Christian Schrade, dem Architekten der Christuskirche, renoviert.
Im Zweiten Weltkrieg wurden wiederum zwei der drei Glocken eingezogen. Ansonsten überstand die Kirche, bis auf eines zu Bruch gegangenen Fensters, den Krieg unbeschadet und 1950 konnte auch das neue Geläut eingeweiht werden. 1961 und 1977 wurde die Kirche renoviert. Im selben Jahr, dem 75-jährigen Jubiläum, wurde die Kirche nach dem Reformator Johannes Calvin benannt. Sie ist die einzige Johannes-Calvin-Kirche in Deutschland.[1] Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2002 erfolgte erneut eine Renovierung des Innenraums, wobei insbesondere die historische Farbgebung wiederhergestellt wurde.
Architektur und Ausstattung
Die Johannes-Calvin-Kirche steht im Süden von Friedrichsfeld. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche ohne Chorapsis im neugotischen Stil. Das äußere Erscheinungsbild ist geprägt von rotem Backstein, der von hellem Sandstein gegliedert wird. Die rundbogigen Portale verleihen der Fassade neuromanische Anklänge. Der – für Behaghelsche Kirchen typische – hochaufschießende Kirchturm ist an der südlichen Ecke angegliedert.
Der Innenraum besitzt eine an drei Seiten umlaufende Empore. Über dem Altar schließt die Orgelempore mit einem Rundbogen mit der Inschrift „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr 13,8 ). Die erste Orgel stammte von Voit und Söhne (Durlach). Nachdem eine Reparatur nicht mehr wirtschaftlich gewesen wäre, wurde sie 1961 durch ein Instrument der Firma E. F. Walcker ersetzt. Die Orgel hat 24 Register. Die drei Fenster über dem Haupteingang zeigen Darstellungen von Johannes Calvin, Jesus Christus und Martin Luther.
Im Vorraum der Kirche befinden sich eine bronzene Gedenktafel und dahinter die Urnen der Familie von Otto Hoffmann, Direktor der Steinzeugfabrik, die 6.000 Goldmark für den Bau der Kirche gespendet hatte. 1956 wurden dort zwei Sandsteintafeln mit den in den beiden Weltkriegen getöteten und vermissten Gemeindemitgliedern aufgestellt, die der Bildhauer Robert Stieler schuf. Der Taufstein, ebenfalls aus rotem Sandstein, stammt aus dem Jahr 1959.
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Portal
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Gedenktafel vor dem Urnenwandgrab der Familie Hoffmann
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Kapitell
Das Geläut besteht aus vier Gussstahlglocken, die 1950 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation gegossen wurden. Im Zuge der Neuanschaffung der Glocken wurden ein neuer Stahlglockenstuhl angeschafft und vier elektrische Läutemaschinen der Firma Herforder Läutemaschinen Bokelmann&Kuhlo, Typ VOCO Omega.[1] 2012 wurden die maroden Stahljoche, an denen die Glocken zuvor gehangen hatten, gegen solche aus Eichenholz getauscht.[2]
| Name | Mahnung | Ton |
|---|---|---|
| Lutherglocke | Glaubet | d' |
| Calvinglocke | Wachet | f' |
| Melanchthonglocke | Liebet | g' |
| Tersteegenglocke | Betet | b' |
Ehemalige Pfarrer
- Hermann Schönthal, zunächst als Vikar des Edinger Pfarrers, von 1901 bis 1911 als Pfarrverwalter, danach bis 1950 als Pfarrer
- Herbert Fuchs, 1950
- Erich Birkholz, ab Oktober 1951
- Ulrich Steuernagel, ab Oktober 1966
- Max Adolf Cramer, ab Juni 1973
- Albrecht Zeller, August 1988 – Mai 2009
In der Sakristei der Kirche befindet sich eine Bildergalerie mit allen ehemaligen Pfarrern.
Literatur
- 100 Jahre Evangelische Kirche Friedrichsfeld. 2002.
- Hansjörg Probst: Friedrichsfeld. In: Mannheim vor der Stadtgründung, Teil II Band 2: Die Mannheimer Vororte und Stadtteile. Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2022-7.
- Andreas Schenk: Architekturführer Mannheim. Berlin 1999, ISBN 3-496-01201-3.
- Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Stadtkreises Mannheim II, München 1982, ISBN 3-422-00556-0.
Einzelnachweise
- ↑ a b Johannes Calvin Gemeinde. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ Johannes Calvin Gemeinde. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
Weblinks
Koordinaten: 49° 26′ 18,4″ N, 8° 34′ 29,9″ O