Johanna Davis-Ziegler

Johanna Franziska Davis-Ziegler (* 25. Juli 1918 in Humes, Deutschland; † 16. April 2015 in Bulawayo, Simbabwe) war eine deutsche Missionsärztin, die ab 1948 in Südrhodesien (heute Simbabwe) tätig war. Sie baute mehrere Missionskrankenhäuser auf und leitete diese über Jahrzehnte. Sie war die erste deutsche Missionsärztin in Südrhodesien.

Leben

Frühes Leben und Ausbildung

Johanna Ziegler wurde 1918 im saarländischen Dorf Humes geboren. Ihr Vater Peter Ziegler war Bergmann, ihre Mutter Maria (geb. Persch) war Hausfrau. Sie wurde von ihren Eltern katholisch erzogen. Als Kind sah sie in einem Jahreskalender der Hiltruper Missionare ein Bild einer weißen Missionsärztin mit dem Titel Die weiße Reiterin, woraufhin ihr Wunsch reifte, ebenfalls Missionsärztin zu werden. In Humes besuchte sie die Volksschule, wechselte später in die Mittelschule nach Saarbrücken und machte an der Landesstudienanstalt St. Wendel ihr Abitur.

Nach dem Arbeitsdienst hielt sie sich Ende 1937 neun Monate bei einer Tante in London auf, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. 1938 begann sie ein Medizinstudium in Würzburg und schloss sich dem Missionsärztlichen Institut an, das Ärzte und Pflegekräfte für Missionskrankenhäuser ausbildete. Damit verpflichtete sie sich, zehn Jahre Missionsarbeit zu leisten. Dies war für sie kein Hindernis, da sie ohnehin plante, ihr ganzes Leben der Mission zu widmen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Vorlesungsbetrieb in der Universität Würzburg eingestellt, woraufhin sie ihre weitere Ausbildung in München fortsetzte.

Während des Studiums lernte sie 1939 die Medizinstudentin Johanna (Hanna) Decker kennen, woraus sich eine enge Freundschaft und spätere jahrzehntelange Zusammenarbeit in Afrika entwickelte.

1943 legte sie ihre Examina ab und promovierte mit einer Arbeit über die medizinischen Methoden in England und Frankreich um das Jahr 1800. Danach versetzte man sie gegen ihren Willen nach Straßburg, um die Versorgung evakuierter Schüler zu beaufsichtigen. Nach dem Krieg war sie gezwungen, sich eine Anstellung zu suchen, und fand eine unbezahlte Stelle als Assistentin in der neurologischen Abteilung in Düsseldorf.

Ausreise nach Afrika

Ihr Ziel, als Missionsärztin zu wirken, blieb in dieser Zeit weiterhin bestehen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war es Deutschen nicht möglich, ein Visum zu erhalten. 1947 ging sie eine Scheinehe mit Charles Davis ein, um an einen britischen Pass zu kommen. Davis war ein Bekannter aus Großbritannien. Ihr Name lautete fortan Dr. Johanna Davis-Ziegler. Im Jahr 1948 begann sie einen Tropenmedizinkurs, den sie wegen unzureichender Englischkenntnisse nicht abschließen konnte. Noch im selben Jahr reiste sie nach Südrhodesien aus, wo sie von den Mariannhiller Missionaren aufgenommen wurde.

Arbeit in Südrhodesien

Gemeinsam mit Pater Odilio Weeger baute Davis-Ziegler zunächst die Fatima-Mission mit Krankenhaus auf, die 1950 eröffnet wurde. Da die Kapazitäten nicht ausreichten, folgten weitere Einrichtungen. Nach der Fertigstellung des neuen Krankenhauses St. Luke‘s im Jahr 1952, das sie selbst geplant hatte, sollte direkt ein weiteres folgen. Also fragte sie Hanna Decker, ob sie nach Südrhodesien kommen wolle. 1950 stieß diese zu ihr, die später das 1960 eröffnete St. Paul‘s Hospital leitete. 1952 folgte zudem Davis-Zieglers Schwester Anna, die als Krankenschwester eine wichtige Stütze wurde.

Bürgerkrieg

Im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen in Südrhodesien brach insbesondere für die weißen Missionare eine schwierige und unsichere Zeit an. 1976 wurde der damalige Bischof von Bulawayo, Adolf Schmitt, gemeinsam mit drei weiteren Insassen in einem Auto auf dem Weg zum St. Luke’s Hospital von Guerilleros überfallen und getötet; nur eine Ordensschwester überlebte schwer verletzt und konnte nach St. Luke’s gebracht werden. Davis-Ziegler fuhr unmittelbar nach dem Angriff mit Kollegen zum Tatort, doch jede Hilfe kam zu spät.

Am 9. August 1977 fiel auch ihre langjährige Weggefährtin Hannah Decker zusammen mit einer Ordensschwester einem Anschlag auf das Missionskrankenhaus St. Paul’s zum Opfer. Der Verlust der engen Freundin und Mitstreiterin bedeutete einen tiefen Einschnitt in ihr Leben und ihre Arbeit; St. Paul’s wurde in der Folge nur noch als Außenstation von St. Luke’s weitergeführt.[1]

Späte Jahre

Nach Deckers Tod führte Davis-Ziegler ihre Arbeit fort. Sie war Mitbegründerin des Ärzteverbandes Zimbabwe Association of Church-Related Hospitals (ZACH), der den Austausch zwischen Missions- und staatlichen Ärzten förderte.

1983 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz aus den Händen des deutschen Botschafters in Harare. 1988 traf sie den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei dessen Besuch in Simbabwe.

Mit zunehmendem Alter zog sich Davis-Ziegler schrittweise aus der operativen Tätigkeit zurück. Als Nachfolger bot sich 1994 Dragan Ilic an, die Arbeit in ihrem Sinne weiterzuführen. Doch nach vier Jahren verstarb dieser an einem Schlaganfall. Mit der neuen Leiterin entstanden ernste Diskrepanzen, weshalb diese sich beim Bistum als Träger des Hospitals über Davis-Ziegler beschwerte. 2001 wurde sie vom Bischof offiziell in den Ruhestand versetzt. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens in Bulawayo, wo sie 2015 in ihrem Haus starb.

Auszeichnungen

Literatur

  • Johanna Davis-Ziegler: Heimat unter dem Kreuz des Südens. Hrsg.: Adalbert Ludwig Balling. Mariannhill, 2004, ISBN 3-935700-19-9 (books.google.de).

Einzelnachweise

  1. Adalbert Ludwig Balling: Johanna Davis-Ziegler. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19, Bautz, Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1, Sp. 174–175. bautz.de