Johann von Kelle
Johann Nepomuk von Kelle (* 15. März 1828 in Regensburg; † 30. Januar 1909 in Prag) war ein deutsch-österreichischer Germanist und Hochschullehrer.[1]
Leben und Wirken
Johann von Kelle studierte von 1848 bis 1854 Klassische Philologie und Germanistik an der Universität München und promovierte 1854 an der Universität Würzburg. Nach einer längeren Studienreise durch Deutschland und Österreich sowie einem Aufenthalt in Berlin hatte er von 1856 bis 1857 eine außerordentliche Professur für Germanistik am der Universität Würzburg inne. Von 1857 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1899 lehrte er als Ordinarius für deutsche Sprache und Literatur an der (Deutschen) Universität Prag. Im Amtsjahr 1891/2 war er Rektor der Universität Prag und 1893/94 Prorektor. 1896 wurde er zum Hofrat ernannt.
Johann von Kelle gehörte mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften an. 1888 wurde er korrespondierendes Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1892 korrespondierendes (ab 1893 wirkliches) Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Er wurde mit mehreren Orden ausgezeichnet und 1899 in den erblichen Adelsstand erhoben.
Johann von Kelle veröffentlichte vor allem über Werke deutscher mittelalterlicher Autoren wie Otfried von Weißenburg und Notker von St. Gallen und betrieb Handschriftenforschung. Außerdem gab er Lehrwerke heraus.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Vollständiges Lehrbuch der deutschen Sprache mit Aufgaben. Namentlich zum Schulgebrauche. Manz, Regensburg 1851.
- Systematisches Lehrbuch der deutschen Sprache mit Uebungen. Manz, Regensburg 1852.
- (Hrsg.): Speculum ecclesiae. Altdeutsch. Franz, München 1858.
- (Bearb.): Otfried von Weißenburg/ Evangelienbuch. Drei Bände. Manz, Regensburg 1856/1869/1881 (Reprint: Zeller, Aalen 1963).
- Vergleichende Grammatik der germanischen Sprachen. Bd. 1. Credner, Prag 1863.
- (Übers.): Otfried von Weißenburg / Christi Leben und Lehre. Tempsky, Prag 1870 (Reprint: Zeller, Osnabrück 1966).
- Die klassischen Handschriften bis herauf zum vierzehnten Jahrhundert in Prager Bibliotheken. Bd. 1. Verl. der k. böhm. Ges. d. Wiss., Prag 1872.
- Die Jesuiten-Gymnasien in Österreich vom Anfange des vorigen Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. Bohemia, Prag 1873.
- Das Unterrichtswesen in Österreich 1848–1873. Calve, Prag 1874.
- Verbum und Nomen in Notkers Capella. In: Zeitschrift für deutsches Altertum, Bd. 30 (1874), S. 295–345.
- Die Verwälschung der deutschen Sprache. Schottlaender, Breslau 1882.
- Das Verbum und Nomen in Notker's Boethius. Gerold, Wien 1885.
- Die philosophischen Kunstausdrücke in Notkers Werken. Verlag der Bayerische Akademie der Wissenschaften, München 1886.
- Die S. Galler Deutschen Handschriften und Notker Labeo. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1888.
- Untersuchungen zur Überlieferung, Übersetzung und Grammatik der Psalmen Notkers (= Schriften zur germanischen Philologie, Bd. 3). Weidmann, Berlin 1889.
- Geschichte der deutschen Litteratur. Zwei Bände. Hertz, Berlin 1892/1896.
- Die Quelle von Ezzos Gesang von den Wundern Christi. Tempsky, Wien 1893.
- Die deutsche Dichtung unter den fränkischen Kaisern. Tempsky, Wien 1895.
- Untersuchungen über den nicht nachweisbaren Honorius Augustodunensis ecclesiae presbiter et scholasticus und die ihm zugeschriebenen Werke. Zwei Teile. Gerold, Wien 1906.
Festschrift
- Untersuchungen und Quellen zur germanischen und romanischen Philologie. Johann von Kelle dargebracht von seinen Kollegen und Schülern zu seinem 80. Geburtstage. Zwei Bände (= Prager deutsche Studien, Bd. 8 u. 9). Bellmann, Prag 1908 (Reprint: Gerstenberg, Hildesheim 1975, ISBN 3-8067-0383-3 u. ISBN 3-8067-0384-1).
Einzelnachweise
- ↑ Peter Wengel: Kelle, Johann Nepomuk von. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 2. De Gruyter, Berlin 2003, S. 910f., ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).