Johann Wolffgang Heydt
Johann Wolffgang Heydt (* 17. März 1709 in Erlangen; † 15. April 1777 in Hellingen) war ein deutscher Geometer, Topograf, Zeichner, Kartograf und Kupferstecher.
Er ist bekannt für Zeichnungen, Kupferstiche und geografische Beschreibungen – vor allem zu Niederländisch-Ostindien, wo er sich mehrere Jahre lang aufhielt.
Leben
Johann Wolffgang Heydt wurde am 17. März 1709 in Erlangen geboren[1]. Sein Vater war dort „Gärtner aufm Rathsberg“. Weit verbreitete Vermutungen, dass er aus Oberschlesien stammte, sind falsch[2].
Er hatte zwei Brüder:
- Ludwig Ernst (* 1712 in Erlangen; † 1740 in Batavia) war wie Johann Wolffgang in Ostindien.
- Christian Heinrich († 1782 in Hellingen) war Gärtner und Jäger beim Prinzen Ludwig Friedrich von Sachsen-Hildburghausen. Seine Söhne Ludwig Daniel Heyd und Johann Wolffgang Heyd wurden als hessische Hofbildhauer in Kassel bekannt.
Über seine Kindheit und Ausbildung ist gegenwärtig nichts bekannt.
Um 1730 hat Johann Wolffgang Heydt nach eigener Darstellung als Geometer und Topograf in kurpfälzischen Diensten gearbeitet.
Ab 1733 war er für die Niederländische Ostindienkompanie (VOC) in den Kolonien auf Ceylon und Java tätig.
Nach seiner Rückkehr von dort gründete er in Wilhermsdorf eine Familie. Dort war er „hochgräflicher Hohenlohischer Baudirektor und Geometer“ bei Fürst Philipp Ernst von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst.
Über seine Zeit in Asien verfasste er in Wilhermsdorf das umfangreich illustrierte Buch „Allerneuester Geographisch- und Topographischer Schau-Platz von Africa und Ost-Indien“.
Am 10. Dezember 1744 wurde er als Mathematikstudent an der Universität Erlangen eingeschrieben. Danach zog die Familie nach Erlangen. Er hatte einen Sohn und zwei Töchter. Über sein weiteres Leben, Reisen und Tätigkeiten ist nichts mehr bekannt.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte er bei seinem Bruder Christian Henrich in Hellingen, wo er schließlich am 15. April 1777 starb[3].
Reise nach Ostindien
Nachdem Heydt Ende 1733 bei der VOC eingestellt worden war, reiste er am 21. Januar 1734 von der Nordsee-Insel Texel nach Ceylon.
Auch sein Bruder Ludwig Ernst war bei der VOC und hatte ab 1734 eine Anstellung bei einem Ratsmitglied der niederländischen Kolonialverwaltung in Batavia.
Auf Ceylon erhielt er den Auftrag zur „Aufzeichnung des Landes Merckwürdigkeiten“. Im Jahre 1736 begleitete er den Gouverneur von Colombo als Korporal und Hofmeister zum König von Kandy in Zentral-Ceylon.
Im Jahre 1737 kam Johann Wolffgang Heydt nach Batavia. Dort traf er seinen Bruder Ludwig Ernst wieder, der ihm Kontakt zum Generalgouverneur Valckenier vermittelte. Aufgrund seiner beeindruckenden Arbeitsergebnisse bekam er vom Generalgouverneur offiziell die Aufgabe eines Architekten und Zeichners und wurde beauftragt, Zeichnungen der holländischen Niederlassungen auf Java und Ceylon zu erstellen. Nach einer Erkrankung 1740 reiste er zurück in die Niederlande, wo er am 5. August 1741 in Rammekens an Land kam.
„Allerneuester Geographisch- und Topographischer Schau-Platz von Africa und Ost-Indien“
Dieses Buch bietet einen zeitgenössischen Blick auf die Natur und die Wirtschaft in den europäischen Kolonien in Asien und besonders auf den Betrieb der VOC. Es enthält über 100 Kupferstiche, die Gebäude, Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften sowie Landkarten zeigen, mit detaillierten und ausführlichen Beschreibungen dazu.
Der Hauptteil des Buches besteht aus 115 ganzseitigen Kupferstich-Abbildungen mit jeweils angehängten Beschreibungen, geografisch gegliedert: Java und die umliegenden Inseln, Ceylon, Persien, Bengalen, Japan, Kap der Guten Hoffnung, Kapverden.
Nicht alle seine Zeichnungen hat Heydt selbst in Kupfer gestochen. Er beauftragte auch die Nürnberger Kupferstecher Johann Christoph Berndt, Andreas Hoffer, Johann Georg Puschner jun. und Johann Michael Seligmann.
Er verfasste das Buch 1743/44 in Wilhermsdorf. Bei der Hof- und Kanzlei-Buchdruckerei Johann Karl Tetschner in Wilhermsdorf und bei den Homännischen Erben in Nürnberg wurde es gedruckt.
Es hat offenbar kurz nach dem Erscheinen große Aufmerksamkeit gefunden und ist in viele namhafte Bibliotheken aufgenommen worden[4]. Exemplare des Buches und daraus entnommene Bilder werden noch im 21. Jahrhundert zu hohen Preisen gehandelt.
Literatur
- Johann Wolffgang Heydt: Allerneuester Geographisch- und Topographischer Schau-Platz von Africa und Ost=Indien. Wilhermsdorf, 1744. Online zugänglich[5] bei der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.
- Karin Kloth: Johann Wolffgang Heydt – Ein fränkischer Berichterstatter vom Leben in der Niederländischen Ostindienkompanie von 1733 bis 1741, in: Streiflichter aus der Heimatgeschichte Jahrgang 48/2024, Geschichts- und Heimatverein Neustadt an der Aisch e.V., S. 7 – 44.
- Rowland Raven-Hart: Scenes of the Cape of Good Hope in 1741 as drawn by Johann Wolffgang Heydt. Cape Town, South Africa, 1967.
- P.J. Blok, P.C. Molhuysen: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek, Deel 8, Leiden, 1930, S. 764.
Weblinks
- Leben und Wirken von Johann Wolffgang Heydt
- Allerneuester Geographisch- und Topographischer Schau-Platz von Africa und Ost=Indien im Katalog der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Einzelnachweise
- ↑ Kirchenbuch Erlangen-Altstadt, Taufen 1673–1712, S. 287, 315
- ↑ Karin Kloth: Johann Wolffgang Heydt – Ein fränkischer Berichterstatter vom Leben in der Niederländischen Ostindienkompanie von 1733 bis 1741. In: Streiflichter aus der Heimatgeschichte Jahrgang 48/2024. Geschichts- und Heimatverein Neustadt an der Aisch e.V., 2024, S. 9.
- ↑ Kirchenbuch Hellingen, Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1748–1824, S. 35.
- ↑ Nachweise des Buches in Bibliotheken im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK). Abgerufen am 24. November 2025.
- ↑ WDB - Wolfenbütteler Digitale Bibliothek - drucke/cd-2f-3. Abgerufen am 24. November 2025.