Johann Willibald Nagl
Johann Willibald Nagl (* 11. Mai 1856 in Natschbach/Niederösterreich; † 23. Juli 1918 Diepolz/Niederösterreich) war ein österreichischer Literaturwissenschaftler und Mundartforscher.[1]
Leben und Wirken
Nach Johann Willibald Nagl 1875 in Wiener Neustadt sein Reifezeugnis erhalten hatte, studierte er von 1876 bis 1879 zunächst Katholische Theologie und orientalische Sprachen an der Universität Wien. 1875 trat er als Novize in das Schottenstift des Benediktinerordens in Wien ein. 1879 trat er jedoch aus dem Benediktinerorden aus und verließ den beruflichen Weg eines Geistlichen. Er studierte nunmehr von 1879 bis 1883 die Fächer Germanistik und Philosophie an der Wiener Universität. 1883 promovierte er bei dem Literaturwissenschaftler Erich Schmidt. Von 1884 bis 1887 arbeitete er als Prinzenerzieher in Prag und bis 1890 als Hauslehrer in Graz. An der Universität Graz habilitierte er sich 1890 unter der Vorlage seiner bisherigen Veröffentlichungen und ließ sich im gleichen Jahr an der Universität Wien umhabilitieren. Bis zu seinem frühen Tod 1918 (er verunglückte bei einer Exkursion) lehrte er als Privatdozent für Deutsche Sprachwissenschaft. Außerdem lehrte ab 1891 an einer Handelsschule in Wien, von 1897 bis 1905 an einer Kadettenschule und war ab 1906 Professor an der Handelsakademie Wien. Im Jahre 1912 wurde er zum Regierungsrat ernannt.
Nagl publizierte vor allem über den Dialekt Niederösterreichs und zur deutsch-österreichischen Literaturgeschichte.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Conjugation des schwachen und starken Verbums im niederösterreichischen Dialekt. Gerold, Wien 1883 (= Dissertation Universität Wien).
- Über den gegenwärtigen Stand der baierisch-österreichischen Dialectforschung. Mit Excursen über die parallele Dialectdichtung und verwandte Literaturzweige. Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1886.
- Grammatische Analyse des niederösterreichischen Dialektes im Anschlusse an den als Probestück der Uebersetzung abgedruckten VI. Gesang des Roanad. Mit ausführlichem Nachschlagebuch. Gerold, Wien 1886.
- Die wichtigsten Beziehungen zwischen dem österreichischen und dem czechischen Dialect. In: Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich, Bd. 21 (1887), S. 356–388 u. Bd. 22 (1888), S. 417–434.
- Deutsche Lehnwörter im Czechischen. Wien 1894.
- (Mitautor): Deutsch-Österreichische Literaturgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Dichtung in Österreich-Ungarn. Bd. 1 u. 2. Fromme, Wien 1898/1914.
- Geographische Namenkunde. Methodische Anwendung der namenkundlichen Grundsätze auf das allgemeiner zugängliche topographische Namenmaterial (= Die Erdkunde, Bd. 18). Deuticke, Leipzig 1903.
- Deutsche Sprachlehre für Mittelschulen. Fromme, Wien 1906.
- (Hrsg.): Richard von Muth / Einleitung in das Nibelungenlied. 2. Aufl. hrsg. mit des Verf. Nachtraegen und mit literarischen Nachweisen bis zur Gegenwart von J. W. Nagl. Schöningh, Paderborn 1907.
Literatur
- Peter Wiesinger: Nagl, Johann (Hans) Willibald. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 713 (deutsche-biographie.de).
Einzelnachweise
- ↑ Nagl, Johann Willibald. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 2. De Gruyter, Berlin 2003, S. 1304–1306, ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).