Johann Uhlenhuth

Johann Uhlenhuth, auch: Johannes Uhlenhuth (geb. 26. Januar 1867 in Anklam[1]; gest. 25. März 1947,[2] vermutlich in Schweinfurt) war ein deutscher Fotograf. Er gehörte zur Gründer-Generation der Firma Foto Uhlenhuth, die über drei Generationen und mehr als 100 Jahre bestand.

Familie

Johann Uhlenhuth war ein Sohn des Pädagogen, Bildhauers, Chemikers und Kartographen (Ludwig) Eduard Uhlenhuth (1821–1899) und dessen Frau Marie Caroline Hedwig Uhlenhuth, geb. Pröhle (1826–1887) und damit ein Bruder des Coburger Hofphotographen Heinrich Eduard Uhlenhuth (1853–1919). Der Publizist, Volksgutsammler und Lehrer Heinrich Pröhle (1822–1895) war Johann Uhlenhuths Onkel (ein Bruder seiner Mutter).

Der Fotograf Johannes Eduard Uhlenhuth, genannt Hans (1903–?) war ein Sohn von Johann Uhlenhuth und wurde sein Geschäftsnachfolger. Dessen Schwester Karoline „Rola“ Uhlenhuth, später geschiedene Junkersdorf und wiederverheiratete Schrahe (1902–1988), wurde ebenfalls Fotografin. Der Fotograf Walthari Teja Uhlenhuth (1881–1965) war sein Neffe.

Der Kaufmann Hans-Jürgen Uhlenhuth (geb. 15. Mai 1941; gest. 29. Dezember 2014), Sohn von Hans Uhlenhuth und damit ein Enkel von Johann Uhlenhuth,[3] gründete 1970 das Foto Uhlenhuth-Großlabor.

Lebensweg

Johanns älterer Bruder, der Fotograf Eduard Uhlenhuth, eröffnete am 4. Oktober 1893 ein Fotoatelier in Schweinfurt in der Petersgasse 4 ½[1] am Schrotturm ein Atelier, das er gemeinsam mit seinem 14 Jahre jüngeren Bruder Johann führte, bis dieser es ihm abkaufte. Dies geschah entweder bereits am 5. Oktober 1898[4] oder erst im Jahr 1907.[5]

1895 beteiligte sich Johann Uhlenhuth in Schweinfurt als Zähler an der reichsweiten Volkszählung vom 2. Dezember 1895.[6]

Am 22. September 1901 heiratete Johann Uhlenhuth als 34-Jähriger auf dem Standesamt in Großholzhausen im Kreis Rosenheim/Oberbayern die 18-jährige Karoline Widmann aus Rosenheim (geb. 26. April 1883 in Fürstenfeldbruck).[7]

Johann und Karoline Uhlenhuth hatten mindestens vier Kinder:

  • ihr Sohn Johannes Eduard, genannt Hans (geb. 25. September 1903 in Schweinfurt; gest. ?) wurde ebenfalls Fotograf[1] und übernahm später das väterliche Fotoatelier in Schweinfurt.[2]
  • Karoline Maria Katharina (Karoline junior, genannt Rola; geb. 13. Juli 1902 in Schweinfurt; gest. 1988), wurde Fotografin, zog 1923 zunächst nach Frankfurt, war später aber auch in Berlin und in Schweinfurt tätig.
  • Emilie Ernestine (geb. 30. August 1908) ging 1926 nach Coburg.
  • Über das vierte Kind, den am 4. November 1910 geborenen Ernst Jakob Uhlenhuth, ist nichts bekannt.[7]

Im Jahr 1902 erhielt Johann Uhlenhuth das Bürgerrecht von Schweinfurt (Aufnahme in die Bürgerrolle).[1]

Das Fotoatelier Uhlenhuth in Schweinfurt bildete auch Fotografen aus. Am 1. Dezember 1902 kam Reinhard Heinrich Uhlenhuth (geb. 21. Dezember 1885; gest. 1979), der 16-jährige Sohn von Prof. Eduard Uhlenhuth, zu seinem Onkel Johannes nach Schweinfurt. Er blieb zehn Wochen und kehrte am 15. Februar 1903 ins elterliche Geschäft nach Coburg zurück.[8] Am 15. Mai 1903 ging Eduard junior (Eduard Erich Richard Uhlenhuth, geb. 18. September 1884 in Coburg), ein weiterer Sohn von Prof. Eduard Uhlenhuth, nach Schweinfurt. Er arbeitete und wohnte sechs Monate lang bei seinem Onkel Johann und kehrte am 15. November 1903 nach Coburg zurück. Ausgebildet wurden aber nicht nur Angehörige: Der am 7. Januar 1873 in Stade geborene Arthur Röder trat am 1. Juli 1903 seine Arbeitsstelle im Atelier Uhlenhuth in Schweinfurt an und blieb ein Jahr; am 3. Juli 1904 ging er nach Coburg.[8]

Im Jahr 1904 bestand eine Filiale des Fotoateliers Uhlenhuth in Rudolstadt[9] in der Georgstraße 14.

Am 5. August 1906 kam der Fotograf und Kunstmaler Josef Wolfgang Vogt (geb. 12. August 1875 in Regensburg) zum Wohnen und Arbeiten in die Petersgasse 4½ nach Schweinfurt; zusammen mit dem Lehrling Karl Baur (geb. 13. September 1890 in Bockenheim/Frankfurt). Sie blieben bis zum 15. April 1907 in Schweinfurt.[8]

Im Frühjahr 1907 versuchte Johann Uhlenhuth, auch in Kitzingen Fuß zu fassen, indem er dort das Atelier des am 18. März 1907 verstorbenen Kitzinger Fotografen Ludwig Riederer in der Wörthstraße 10 übernahm. Ein halbes Jahr später jedoch lief dieses Atelier bereits wieder unter anderem Namen:[2] Bereits am 2. November 1907 hatte ein gewisser Alfred Hentzschel das Atelier Riederer in Kitzingen übernommen.[10]

1917, während des Ersten Weltkriegs, leitete Johann Uhlenhuth neben seiner photographischen Tätigkeit die militärische Jugenderziehung in Schweinfurt.[11]

Johann Uhlenhuth übernahm nach dem Tod seines vierzehn Jahre älteren Bruders Eduard im Jahr 1919 auch dessen Fotoatelier in Schweinfurt.[3] Sechs Jahre später, also 1925, übernahm Johanns Neffe Reinhard Heinrich Uhlenhuth mit seiner Frau Olga die Leitung des Coburger Fotoateliers im Zinkenwehr 5.[3]

Johannes Eduard Uhlenhuth, genannt Hans, Sohn von Johannes Uhlenhuth, übernahm 1927 das elterliche Fotogeschäft in Schweinfurt.[2]

Johann Uhlenhuths Ehefrau Karoline starb am 17. März 1936.[3]

Johann Uhlenhuth starb am 25. März 1947 im Alter von 80 Jahren.[2]

Die Firma Foto Uhlenhuth überstand die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg erwuchs daraus das Unternehmen Foto Uhlenhuth GmbH. Das Uhlenhuth-Großlabor gründete im Jahr 1970 der Diplom-Kaufmann Hans-Jürgen Uhlenhuth (geb. 15. Mai 1941; gest. 29. Dezember 2014), ein Enkel von Johann Uhlenhuth.[3] Foto Uhlenhuth wurde am 18. Juli 1978 als GmbH & Co. KG eingetragen.[3] In diesem Großlabor wurden in den 1970er und 1980er Jahren bis zu 390 Angestellte beschäftigt, über 140 Millionen Farbbilder im Jahr gefertigt und 800 Fotogeschäfte beliefert. Der Stammsitz befand sich in Schweinfurt, am Albrecht-Dürer-Platz 2.[12] Anfang März 2005 musste Hans-Jürgen Uhlenhuth für die Foto Uhlenhuth GmbH in Schweinfurt Konkurs anmelden.[13]

Literatur über Johann Uhlenhuth

  • Wolfgang Brückner (Hrsg.): „Äußerst getroffen und schön.“ Historische Fotografie in Unterfranken (Land und Leute: Veröffentlichungen zur Volkskunde). Echter, Würzburg 1989, ISBN 978-3-429-01268-7, S. 167–169.
  • Jutta Greber: Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfängen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts. Magisterarbeit. Würzburg 1988., Digitalisat

Einzelnachweise

  1. a b c d Jutta Greber, Kap.: Schweinfurt, S. 161–170, S. 167, in: Wolfgang Brückner (Hrsg.): „Äußerst getroffen und schön.“ Historische Fotografie in Unterfranken (Land und Leute: Veröffentlichungen zur Volkskunde). Echter, Würzburg 1989, ISBN 978-3-429-01268-7, S. 161–170.
  2. a b c d e f Jutta Greber, Kap.: Schweinfurt, S. 161–170, S. 169, in: Wolfgang Brückner (Hrsg.): „Äußerst getroffen und schön.“ Historische Fotografie in Unterfranken (Land und Leute: Veröffentlichungen zur Volkskunde). Echter, Würzburg 1989, ISBN 978-3-429-01268-7, S. 161–170.
  3. a b c d e f Jutta Greber, Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfängen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts, Magisterarbeit, Würzburg 1988, S. 62, (online)
  4. so: Jutta Greber, Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfängen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts, Magisterarbeit, Würzburg 1988, S. 56, (online)
  5. siehe: Photographische Chronik, Nr. 37, 1. Mai 1907, S. 231, (Digitalisat): „Schweinfurt. Herr Joh. Uhlenhuth, Hofphotograph, hat das hiesige Photographische Atelier von Prof. E. Uhlenhuth wieder übernommen.“
  6. Organisation des Volkszählungsgeschäftes. In: Unterfränkische Zeitung und Schweinfurter Anzeiger. 1895, [2] = Jg. 28, S. 1242, Digitalisat; ähnlich: Schweinfurter Tageblatt, 40. Jahrgang, Nr. 276, 23. November 1895, S. 1, Digitalisat
  7. a b Jutta Greber, Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfängen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts, Magisterarbeit, Würzburg 1988, S. 59, (online)
  8. a b c Jutta Greber, Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfängen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts, Magisterarbeit, Würzburg 1988, S. 60, (online)
  9. Coburger Zeitung 1904 = Jg. 45, 21. April 1904, (Digitalisat): „– Atelierbesuch. Aus Rudolstadt wird uns geschrieben: Wie wir erfahren, erstattete Ihre Durchl. Prinzessin Thekla gestern dem photographischen Atelier des Herrn Professor Uhlenhuth einen nahezu einstündigen Besuch ab, während dessen mehrere photographische Aufnahmen gemacht wurden.“
  10. Jutta Greber, Kap. Kitzingen. S. 128. In: „Äußerst getroffen und schön“ Historische Fotografie in Unterfranken. Verlag Echter, Würzburg 1989
  11. Jutta Greber, Photographen und Photographie in Schweinfurt von den Anfangen bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts. Magisterarbeit, Philosophische Fakultät II, Fach: Volkskunde, der Bayerischen Julius-Maximilians-Universitat Würzburg, Würzburg 1988, S. 61 und Abb. 45 online
  12. 165 Jahre Uhlenhuth - Photographie, Firmen-Website von Photo-Uhlenhuth, (online bei archive.org)
  13. kör, Foto Uhlenhuth meldet Konkurs an. In: Main-Post online, 04. März 2005, online