Johann Philipp von Arco
Johann Philipp von Arco (* 11. Mai 1652 in Arco; † 18. Februar 1704 in Bregenz) war kaiserlicher Feldmarschall-Leutnant im Spanischen Erbfolgekrieg und Kommandant der Festung Alt-Breisach.
Leben
Johann Philipp, aus dem Geschlecht von Arco, trat nach dem Universitätsstudium in Ingolstadt in kaiserliche Militärdienste. Er kämpfte in Ungarn gegen Aufständische und gehörte 1683 zu den Entsatztruppen, die Wien von der Zweiten Wiener Türkenbelagerung befreiten. Als Oberst eines Dragonerregiments trat er 1685 in bayerische Dienste und kämpfte im Rahmen der Augsburger Allianz am Oberrhein und in den Vereinigten Niederlanden gegen die Truppen Ludwigs XIV.
Im Jahre 1699 in kaiserliche Dienste zurückgekehrt, wurde Arco zum Feldmarschallleutnant befördert. Er bewarb sich um die Position des Festungskommandanten von Breisach. Der französische König Ludwig XIV., der Breisach als integralen Teil seines Königreichs betrachtete, hatte seinen Festungsbauer Vauban die Festung ausbauen lassen. Am Ende des Pfälzischen Krieges musste Frankreich am 1. April 1700 an das Kaiserreich abgeben. Am 24. Mai 1700 wurde Arco zum Festungskommandanten von Breisach ernannt. Er hatte mit Unterstützung des Hofkanzlers Buccelini gegen Karl Egon Eugen von Fürstenberg gewonnen, der sich ebenfalls um diesen Posten beworben hatte.[1] Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden warf Johann Philipp von Arco vor, die Verteidigung der österreichischen Vorlande und insbesondere der Stadt Neuenburg am Rhein ungenügend vorbereitet zu haben und damit im Spanischen Erbfolgekrieg die Schuld am Fall von Neuenburg am 13. Oktober 1702 zu tragen.[2]
Ludwig XIV. hatte den Verlust Breisachs nicht verwinden können und schickte zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs seinen Enkel Ludwig von Frankreich, Herzog von Burgund und Marschall Tallard Ende August 1703 mit einem Heer vor die Stadt. Als Festungsexperten hatten die Franzosen Marschall Vauban dabei, der den Einsatz der französischen Geschütze geschickt dirigierte, so dass es den Belagerern bald gelang, dem Hauptgraben das Wasser abzugraben.[3] Alt-Breisach, von Vauban zur Festung ausgebaut, galt als uneinnehmbar. Zudem verfügte es über eine hinreichende Besatzung und war ausreichend mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Deshalb hatte Markgraf Ludwig von Baden (der Türkenlouis) seinem Kommandanten befohlen, bis zum letzten Mann zu kämpfen. Doch nach nur 13-tägiger Belagerung übergab Arco die Festung den Franzosen. Beim Einzug der Franzosen warf er sich dem Herzog von Burgund zu Füßen und küsste ehrfurchtsvoll die Hand des Eroberers. Prinz Eugen kommentierte: „Ich kann nicht begreifen, wie es mit dieser so imposanten Festung geschehen und zugegangen ist. Breisach ist auf schändliche Weise verloren gegangen.“ Ein Kriegsgericht unter dem Vorsitz von Feldmarschall Johann Karl von Thüngen verurteilte Arco am 4. Februar 1704 zum Tode. Zwei Wochen später (18. Februar 1704) wurde auf dem Marktplatz von Bregenz enthauptet. Sein Vize-Kommandant Luigi Ferdinando Marsigli wurde degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen.
Literatur
- Wilhelm Edler von Janko: Arco, Johann Philipp Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 513.
- Erwein Freiherr von Aretin: Arco, Johann Philipp Jakob Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 339 (deutsche-biographie.de).
- Amand Iber: Die Feste Breisach in der neueren Kriegsgeschichte am Oberrhein. In: Zeitschrift des Freiburger Geschichtsvereins, 47 (1), 1936
- Wernher Freiherr von Ow-Wachendorf: Feldmarschall-Leutnant Graf Philipp von Arco, Kommandant von Breisach, † 1704. In: Alemannia, Band 36, S. 1–11 auf Wiki-Commons
- Johann Christian Lünig: Theatrum Ceremoniale Historico-Politicum, Leipzig 1720, Band 2, XXIV Nachricht, von der Enthauptung des Grafen Arco, de Anno 1704; S. 1429 f. online
- P. Baur: Bericht über die Hinrichtung des Grafen von Arco, Commandant in Breisach [1704]. In: Freiburger Diözesan-Archiv, Band 10, 1876, S. 358–362
- Friedrich Pfaff: Die Übergabe Breisachs an die Franzosen im Jahr 1703 und der Graf von Marsigli. In: Alemannia, Band 43 (1916), S. 85–110
- Alessandro Cont: Biblioteca comunale di Trento. Collezione Segala (Archivio della famiglia dei conti d’Arco). Schedatura del fondo (1388–1886). Trento, Provincia autonoma di Trento. Soprintendenza per i Beni librari archivistici e archeologici, 2010.
Einzelnachweise/Anmerkungen
- ↑ siehe Esteban Mauerer: Südwestdeutscher Reichsadel im 17. und 18. Jahrhundert. Geld, Reputation, Karriere: das Haus Fürstenberg. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001 (S. 236)
- ↑ Bericht an König Joseph vom 24. Oktober 1702. In: Philipp Roeder von Diersburg (Hrsg.): Kriegs- und Staatsschriften des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden über den spanischen Erbfolgekrieg. Erster Band (1700–1703) in der Google-Buchsuche. Karlsruhe 1850, S. 104
- ↑ Amand Iber: Die Feste Breisach in der neueren Kriegsgeschichte am Oberrhein. Zeitschrift des Freiburger Geschichtsvereins 47, 1, 1936.