Johann Lüdecke

Johann Lüdecke, auch Johann Ludecus und Johann Lüdike (* um 1510 in Stettin; † 11. August 1559 in Stendal) war ein evangelischer Theologe der Reformationszeit.

Leben

Lüdecke, Sohn eines Rademachers, wurde Pfarrer an der Marienkirche in Frankfurt (Oder), wo er nach der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg 1539 die erste evangelische Predigt hielt. Er wurde auch zu Vorlesungen an der Universität herangezogen und erwarb 1546 den Grad eines Dr. theol.

1547 wurde Lüdecke als Nachfolger des verstorbenen Konrad Cordatus in das Amt des Dompredigers und Superintendenten an den Stendaler Dom berufen. Sein bisheriges Amt an der Oberkirche in Frankfurt übernahm Andreas Musculus. In Stendal entfaltete Lüdecke eine große reformatorische Tätigkeit, die weit über die Stadt hinausging. Er wurde daraufhin 1551 zum Generalsuperintendenten für die Prignitz und Altmark bestellt.

Der Historiker Otto Clemen vermutet, dass Johann Lüdecke mit Johannes Bugenhagens aus Greifenberg (Pommern) stammendem Neffen Johann Lübbecke identisch sein kann. Dieser studierte in Greifswald (1516–1521). Im Jahre 1535 war er nachweislich in Cottbus. Martin Luther schrieb an ihn wegen des Widerstandsrechts.

Nachkommen

Johann Lüdike war verehelicht mit Gesecke geb. Gruckenhagen.[1] Zwei Kinder sind bekannt:

  • Sara Ludecus verehelichte sich mit Jacob Christian, Kämmerer in Stendal.
  • Christian Ludecus (* 23. Dezember 1544; † 18. Mai 1618), Jurist in Stettin, verehelicht mit Catharina geb. Brinck in Altstettin, mit vier überlebenden Kindern, darunter:
    • Johann Ludecus (1572–1619), Kammergerichts-Advokat in Berlin und Syndikus von Prenzlau, verehelicht mit Emerentia geb. Fuchs. Berühmt unter deren Kindern:
      • Johann Christoph Ludecus starb als Inspector in Frankfurt/Oder mit 79 Jahren. Dessen Sohn:
        • David Siegfried Ludecus († 13. April 1702) wurde 1681 Prediger in der Gubener Vorstadt von Frankfurt. Seine beiden Söhne:
          • Christian Gottfried Ludecus studierte in Jena[2] und wurde Prediger in Blumberg bei Küstrin.
          • Johann Melchior Ludecus (1698–1758) war zunächst Musiker, studierte in Jena[3] und wurde Geheimer Sekretär der Weimarer Hofkanzlei.

Literatur

  • Acta historico-ecclesiastica, Oder Gesammlete Nachrichten von den neuesten Kirchen-Geschichten. Vierter Band vom neunzehenden bis zum vier und zwanzigsten Theil nebst dem Anhang. Neunzehender Theil. Weimar 1740, S. 74–77.
  • Johann Ludecus (Lüdecke). In: Martin Friedrich Seidels Bilder-Sammlung […], mit beygefügter Erläuterung, […], von George Gottfried Küster. Berlin 1751, S. 122–126.
  • Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 13 Seite 578.
  • Rudolf Lehmann: Bilder aus der Reformationsgeschichte der Mark Brandenburg. Berlin 1921.
  • R. Lehmann: Die Reformation in der Niederlausitz. In: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte. Band 25, 1930, Seite 97.
  • Otto Fischer: Die Pfarrer der Mark Brandenburg. Berlin 1940.
  • Uwe Czubatynski: Evangelisches Pfarrerbuch für die Altmark. Rühstädt 2006, S. 173 (PDF-Datei).

Nachweise

  1. Angaben zur Genealogie nach Acta historico-ecclesiastica 1740 und Martin Friedrich Seidels Bilder-Sammlung 1751.
  2. Eingeschrieben als „Christian Gottfried Ludecus, Francof. March.“ am 11. Oktober 1712 (Matrikel der Universität Jena 1696–1723, S. 99r).
  3. Eingeschrieben als „Johann Melchior Ludecus, Frankof. March.“ am 21. April 1718 (Matrikel der Universität Jena 1696–1723, S. 132v).