Johann Jakob Zingg
Johann Jakob Leonz Zingg (* 5. Dezember 1810 in Kaltbrunn; † 5. September 1879 in St. Gallen; heimatberechtigt in Kaltbrunn) war ein Schweizer Jurist, Politiker und Staatsbeamter.
Leben
Herkunft und Familie
Johann Jakob Zingg entstammte einer Familie von lokalen Würdenträgern. Sein Vater, Johann Jakob Leonz Zingg, war Gemeindeweibl und Schulmeister; seine Mutter war Katharina (geb. Hager; † 1855); er hatte fünf Geschwister, von denen ihn jedoch lediglich eine Schwester überlebte.
1837 heiratete Zingg Louise, die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Johann Georg Steiger, eine Verbindung, die seinen sozialen Status festigte und ihm Zugang zu einflussreichen Kreisen gewährte.
Ausbildung und frühe Karriere
Zingg besuchte die Katholische Kantonsschule (siehe Flade (Schule)) beim späteren Bischof Johann Peter Mirer in St. Gallen, bevor er von 1829 bis 1830 das Lyzeum in Luzern (siehe Kantonsschule Alpenquai Luzern) absolvierte; seine dortigen Lehrer waren unter anderem Gregor Girard, Josef Ineichen (1792–1881)[1] und Joseph Eutych Kopp. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderem Bernhard Meyer, Alois Broger und Anton Höfliger.
Seine juristische Ausbildung absolvierte er an zwei Universitäten: Von 1830 bis 1831 an der Universität Basel und 1832 an der Universität Freiburg im Breisgau; in Freiburg hörte er unter anderem die Vorlesungen von Karl von Rotteck und Carl Theodor Welcker. Diese akademische Vorbereitung führte dazu, dass Zingg bis 1847 als Anwalt in den angesehenen Büros von Basil Ferdinand Curti in Lichtensteig und Johann Baptist Weder in St. Gallen tätig war.
Öffentliche Ämter und Verwaltung
Zinggs berufliche Laufbahn war geprägt von kontinuierlichem Aufstieg in Positionen von zunehmender Verantwortung. Von 1838 bis 1843 fungierte er als öffentlicher Verteidiger. In den Jahren von 1842 bis 1849 war er Amtskläger und Kassationsrichter, Ämter, die seine Stellung als juristische Autorität festigten.[2] Von 1849 bis 1851 fungierte er als Ratsschreiber, eine administrative Position, die häufig Staatsschreibern vorausging. Besonders bemerkenswert war seine lange Amtszeit als Staatsschreiber des Kantons St. Gallen in zwei Phasen: als Nachfolger von Felix Helbling, von 1851 bis 1859 sowie von 1861 bis 1879. In dieser Zeit war er 1852 Grossrichter des Kantonskriegsgerichts.
Politische Karriere
Zingg war Mitglied des St. Galler Grossen Rates von 1845 bis 1861 und vertrat damit seine Region über anderthalb Jahrzehnte; 1849 war er dessen Präsident.[3] Auf der nationalen Ebene wurde er als Ständerat des Kantons St. Gallen gewählt und bekleidete dieses Amt vom 10. Januar 1853 bis zum 1. Juni 1855. Sein Höhepunkt kam mit der Wahl zum Regierungsrat des Kantons St. Gallen von 1859 bis 1861.
Er pflegte eine Freundschaft mit Alfred Escher.[4]
Politische Überzeugungen und Laufbahn
Zinggs gehörte zum radikalliberalen Spektrum der Schweizer Politik, vertrat also progressive Positionen zu Fragen der Demokratisierung und Säkularisierung. Mit fortgeschrittenem Alter moderierte sich seine Position, und er entwickelte sich zum gemässigten Liberalen.
1873 trat Zingg an die Seite von Thomas Thoma als Führer der liberalen Katholiken auf – eine Bewegung, die versuchte, katholische Überzeugungen mit liberalen Reformideen zu verbinden. Jedoch unterschied sich Zingg von Thoma in einer wesentlichen Frage: Während Thoma den kulturellen Kampf zwischen Kirche und Staat unterstützte, positionierte sich Zingg als entschiedener Gegner des Kulturkampfs.
Weitere Tätigkeiten
Neben seinen politischen und administrativen Funktionen war Zingg Chefredakteur des Toggenburgerboten, von 1846 bis 1851 Chefredakteur des St. Galler Boten und von 1873 bis 1879 Chefredakteur des Freisinnigen, das als wichtiges Sprachrohr der christkatholischen Bewegung in der Region fungierte, sowie Mitarbeiter verschiedener liberaler Zeitungen und trug so zur Formung der öffentlichen Meinung bei.
Eine seiner bedeutendsten gelehrten Leistungen war die Zusammenstellung einer umfassenden sechsbändigen Gesetzessammlung für den Kanton St. Gallen in den Jahren 1868–1869, ein Werk, das die fragmentierte rechtliche Landschaft des Kantons systematisierte und für die rechtliche Praxis unerlässlich wurde.
Er wurde 1849 als Stabshauptmann zum Ankläger am Kriegsgericht der 2. Division ernannt.[5]
1868 wurde Zingg zum Oberst ernannt.
Schriften (Auswahl)
- Gesetzessammlung für den Kanton St. Gallen.
- Band 1. St. Gallen, 1868 (Digitalisat).
- Band 2. St. Gallen, 1868 (Digitalisat).
- Band 3. St. Gallen, 1868 (Digitalisat).
- Band 4. St. Gallen, 1868 (Digitalisat).
- Band 5. St. Gallen, 1868 (Digitalisat).
- Band 6. St. Gallen, 1869 (Digitalisat).
Literatur
- Johann Jakob Zingg. In: Tagblatt der Stadt Biel vom 9. September 1879. S. 4 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Intelligenzblatt für die Stadt Bern vom 10. September 1879. 3 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Thurgauer Zeitung vom 10. September 1879. S. 2 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Der Bund vom 11. September 1879. S. 3 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: St. Galler Zeitung vom 13. September 1879. 3 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Staatsschreiber Zingg (I.). In: Die Ostschweiz, 13. September 1879. S. 1–2 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Staatsschreiber Zingg (II.). In: Die Ostschweiz, 14. September 1879. S. 1 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Staatsschreiber Zingg (III.). In: Die Ostschweiz, 16. September 1879. S. 1–2 (Digitalisat).
- Johann Jakob Zingg. In: Staatsschreiber Zingg (IV.). In: Die Ostschweiz, 17. September 1879. S. 1 (Digitalisat).
- Wolfgang Göldi: Johann Jakob Zingg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Johann Jakob Zingg. In: Schweizerische Eliten im 20. Jahrhundert.
- Johann Jakob Zingg auf der Website der Bundesversammlung.
- Johann Jakob Zingg. In: Alfred Escher Briefedition.
Einzelnachweise
- ↑ Robert Ineichen: Josef Ineichen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Januar 2008, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ St. Gallen. In: Der Wahrheitsfreund. 16. September 1842, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Bülletin von heute Morgen. In: Eidgenössische Zeitung. 6. Juni 1849, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Johann Jakob Zingg an Alfred Escher, St. Gallen, Dienstag, 11. Dezember 1860. In: Alfred Escher Briefedition. 11. Dezember 1860, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Aarau. In: Emmenthaler Bote. 12. August 1849, abgerufen am 7. Dezember 2025.