Johann Gysin (Richter)
Johann Gysin (auf der Website des Bundesgerichts auch als Adam Hans Gysin geführt;[1] * 2. April 1852 in Waldenburg; † 22. September 1909 in Liestal) war ein Schweizer Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker (Freisinniger). Er wirkte als Landratspräsident des Kantons Basel-Landschaft und amtierte von 1905 bis zu seinem Tod als Richter am Schweizerischen Bundesgericht.
Herkunft und Ausbildung
Johann Gysin wurde als Sohn des Adam Gysin und der Elisabeth, geborene Tschudin, geboren.[2] Sein Vater war beruflich als Malermeister tätig und führte zudem eine Wirtschaft.[2] Die Familie war in der Kantonshauptstadt Liestal heimatberechtigt und gehörte der reformierten Konfession an.[2]
Nach dem Besuch der Schulen absolvierte Gysin ein Studium der Rechtswissenschaften, das ihn an die Universität Basel sowie nach Deutschland an die Universität Göttingen führte.[2][1] Er schloss seine akademische Ausbildung mit der Promotion zum Doktor der Rechte (Dr. iur.) ab und erwarb das Anwaltspatent, welches ihn zur Ausübung des Anwaltsberufs befähigte.[2][1]
Im Jahr 1875 vermählte er sich mit Julie Schneider, die aus der Basler Gemeinde Langenbruck stammte.[2]
Berufliche Laufbahn
Gysins beruflicher Werdegang war durch eine Vielseitigkeit geprägt, die Funktionen in der Privatwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und der Justiz umfasste. Zunächst arbeitete er als Jurist in der Rechtsabteilung der Centralbahn-Gesellschaft.[2][1]
Im Jahr 1876 trat er in den Dienst des Kantons Basel-Landschaft ein und übernahm die Position des Direktors der kantonalen Strafanstalt. Bezüglich der Dauer dieses Amtes widersprechen sich die Quellen: Während das Historische Lexikon der Schweiz eine Tätigkeit bis zum Jahr 1894 verzeichnet,[2] gibt das Bundesgericht an, dass er diese Funktion lediglich bis 1880 ausübte.[1]
Nach seinem Ausscheiden aus dem direkten Staatsdienst (bzw. parallel dazu, je nach Quelle) eröffnete er 1884 ein eigenes Advokaturbüro in Liestal.[2][1] Seine juristische Expertise brachte er zudem als Richter ein: Von 1884 bis 1890 stand er dem Bezirksgericht Liestal als Präsident vor.[2]
Neben seiner juristischen Tätigkeit war Gysin auch in der regionalen Wirtschaft verankert. Er war Mitglied der Direktion der Basellandschaftlichen Kantonalbank und fungierte als Präsident der Waldenburgerbahn, einer Schmalspurbahn in seinem Heimatbezirk.[2]
Politische Tätigkeit
Politisch engagierte sich Gysin in der freisinnigen Bewegung. Im Jahr 1887 wurde er in den Landrat, das Parlament des Kantons Basel-Landschaft, gewählt.[2] Er gehörte diesem Gremium bis 1905 an.[2] Aufgrund seiner Erfahrung und seines politischen Gewichts wurde er mehrfach zum höchsten Baselbieter gewählt: Er präsidierte den Landrat in den Amtsjahren 1889/1890, 1893/1894, 1896/1897 sowie ein viertes Mal 1901/1902.[2][1]
Bundesgericht
Auf dem Höhepunkt seiner juristischen Karriere wählte die Vereinigte Bundesversammlung Johann Gysin im Jahr 1905 zum Richter am Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne.[2] Er wurde der staatsrechtlichen Abteilung zugeteilt, die sich primär mit Streitigkeiten zwischen Bund und Kantonen sowie der Wahrung verfassungsmässiger Rechte befasste.[2][1] Seine Wirkungszeit am obersten Gericht war jedoch überschattet von gesundheitlichen Problemen, die seine Tätigkeit einschränkten.[1] Gysin verstarb am 22. September 1909 im Amt.[2]